Aachen - Nur Krimis und Science Fiction sind tabu

Nur Krimis und Science Fiction sind tabu

Von: Jenny Schmetz
Letzte Aktualisierung:
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Die (Buch-)Stützen des Literaturpreises: Sylvie Schenk und Oliver Vogt verführen Schüler zum Lesen und Kritisieren. Sechs Bücher in drei Sprachen stehen zur Wahl. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Bücher? Kann man das essen?” Klar, solche Kommentare findet man leicht in Online-Netzwerken wie Schüler-VZ. Aber der Schein trügt: Jugendliche in der EU lesen deutlich mehr als die Eltern und Großeltern.

Das besagt zumindest eine EU-Studie von 2009. Danach gaben 82 Prozent der 15- bis 24-Jährigen an, in den vergangenen zwölf Monaten (mindestens) ein Buch gelesen zu haben.

„Immerhin!”, könnten Kulturskeptiker seufzen. Aber Sylvie Schenk reicht das nicht. „Ich finde, dass nicht genug gelesen wird”, sagt die 66-jährige Schriftstellerin, die in Stolberg lebt. Zum nunmehr zehnten Mal versucht die gebürtige Französin daher mit dem Euregio-Schüler-Literaturpreis, junge Menschen aus dem Dreiländereck zum Lesen und Kritisieren zu verführen.

Mit großem Erfolg. Rund 3500 Schüler haben sich bisher an dem Projekt des Literaturbüros in der Euregio Maas-Rhein und der Regio Aachen beteiligt; in diesem Jahr sind es mehr als 400 Schüler aus 26 Schulen von Aachen bis Würselen, von Alleur-Ans bis Verviers, von Landgraaf bis Maastricht. Ihre Aufgabe: sechs Bücher von zwei deutsch-, zwei französisch- und zwei niederländischsprachigen Autoren studieren (siehe die Kandidaten), sie mit den Kollegen über die Sprachbarrieren hinweg heiß diskutieren und schließlich ihren Preisträger wählen.

Sechs Bücher in ein paar Monaten durchschmökern? Kein leichter Job für Oberstufenschüler, die durch Turbo-Abi und Ganztagspauken schon stöhnen. Die gestiegenen Anforderungen bemerken auch Sylvie Schenk und Oliver Vogt, der sie seit 2007 bei der Organisation unterstützt. Zwei, drei Schulen seien daher schon abgesprungen. „Aber die wirklich Engagierten bleiben”, meint der 44-jährige Romanist. Und das betreffe nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer, ohne deren Einsatz das Ganze nicht möglich wäre.

Ein Anreiz zum Lesen: nicht Schulstoff oder Jugendbücher, sondern zeitgenössische Erwachsenenliteratur wird angeboten. Dass sich eine Lehrerin wegen anzüglicher Sexszenen beschwert hat, war aber eine Ausnahme, erinnert sich Sylvie Schenk. Nur Krimis und Science Fiction seien tabu. Für diese Genre brauchen Schüler keine Verführer.

Schenk selbst verschlingt für die Auswahl etwa jede Woche ein Buch. Gerne auch mehr, aber die Bedingung, dass ein Werk in den drei Sprachen veröffentlicht wurde, trifft nicht auf so viele zu. Und ein Autor wie Daniel Kehlmann winke bei einem Preisgeld von anfänglich 1000 Euro ebenso ab wie Juli Zeh bei einem Lesungshonorar von 400 Euro. Dennoch gewinnt Schenk jedes Jahr eine renommierte Runde. Und zum Zehnjährigen winkt dem Autor ein höheres Preisgeld: Die Bürgerstiftung für die Region Aachen gibt statt 2000 nun 5000 Euro.

„Trotzdem ist es von Jahr zu Jahr ein Vabanque-Spiel”, weist Vogt auf die stets ungewisse Zukunft des Preises hin. Sponsoren sind willkommen. Träume von einem eigenen Verlag oder der Einbeziehung von Mittelstufenschülern werden wohl vorerst Träume bleiben. „Da brauchen wir noch eine gute Bank - wo wir einbrechen können”, sagt Schenk.

Lesungen, Kritikerrunden, Jury-Tag und Preisverleihung

Die Autoren stellen sich und ihre Werke vor: Helmut Krausser und Justine Lévy am 17. Januar, 18 Uhr, im Aachener Ludwig-Forum.

Gerbrand Bakker und der Echenoz-Experte Patrick Kéchichian am 14. Februar, 18 Uhr, im Hasselter Provinciehuis. Der Schriftsteller Jean Echenoz meidet Lesungen.

Daniel Glattauer und Stefan Brijs am 14. März, 18Uhr, im Lütticher Rathaus sowie am 15. März, 18 Uhr, im Eupener Kulturzentrum Jünglingshaus. Nur acht Minuten dürfen die Autoren jeweils lesen, dann legen die Schüler mit ihren Fragen los.

In drei Kritikerrunden treffen Profi-Feuilletonisten auf Schüler-Juroren und diskutieren über die Werke: am 24. März, 18 Uhr, im Lütticher Rathaus; am 25. März, 18 Uhr, im Deutsch-Französischen Institut in Aachen; am 28. März, 18 Uhr, im Centre Céramique in Maastricht.

Die Schüler-Jury wählt am 7. April ihren Preisträger, der neben seinen Übersetzern am 20. Mai, 18 Uhr, im Vaalser Restaurant de Bokkerijder am Dreiländerpunkt die Auszeichnung entgegennehmen wird.

Alle Veranstaltungen sind öffentlich. Der Eintritt ist frei.

Anmeldungen für den Wettbewerb 2012 bei Oliver Vogt unter Telefon 0241/5686118 und weitere Informationen im Internet.

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