Nur Glockengeläut stört den musikalischen Hochgenuss

Von: js
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Irén Lill am Cembalo und Holger Faust-Peters an Viola da Gamba begeisterten beim Konzert in der Evangelischen Stadtkirche. Foto: Josef Schreier

Monschau. Manche Besucher erinnerten sich noch gut an den ersten Auftritt des „focus baroque“ im Monschauer Land. War es damals, vor vier Jahren, in der evangelischen Kirche in Roetgen, so konnte diesmal Ingeborg Gäb die beiden Künstler, Irén Lill am Cembalo und Holger Faust-Peters an dem etwas ungewöhnlichen Instrument der Viola da Gamba, in der restaurierten und neu so bezeichneten evangelischen Stadtkirche in Monschau begrüßen.

Leider war der Kirchenraum schon wieder mit einem Gerüst bestückt, da am folgenden Tag mit Arbeiten auf der Orgelbühne begonnen werden sollte. Aber weder Künstler noch Zuhörer ließen sich daran stören.

Lästiger war es da schon, dass gegen Schluss des Konzertes das 18-Uhr-Läuten vom Turm den Duktus des letzten der aufgeführten Werke empfindlich unterbrach. Es zeigte sich auch dabei wieder, dass die Außengeräusche nach der Renovierung deutlich stärker als zuvor ins Innere der Kirche dringen. Es sollte wohl Möglichkeiten geben, wenigstens die internen Störungen – wie die eigenen Glocken – in gegebenen Fällen abzuschalten.

Das Konzert als solches war ein Hochgenuss. Es stand im Zeichen des 300. Geburtstages von Carl Philipp Emanuel Bach. Alle Werke des Programms stammten von ihm oder von Komponisten aus seinem Umkreis, nämlich vom Vater Johann Sebastian und vom Patenonkel Georg Philipp Telemann, wie Holger Faust-Peters in seiner knappen und präzisen Moderation erläuterte.

Besonders schön war so zu hören, in welcher Weise der Bach-Sohn über die Anregungen der Älteren hinausging und durch seine besonders auf die Affekte und Gefühle zielende Musik neue Bereiche des musikalischen Ausdrucks erschloss. Von seinem Vater lernte der Sohn die filigrane kontrapunktische Arbeit. Der Patenonkel Telemann, einer der vielseitigsten und fleißigsten Komponisten überhaupt, vermittelte dem Jüngeren die Unbefangenheit, auch neuen Entwicklungen und ungewohnten Musiksprachen gegenüber offen zu sein.

Holger Faust-Peters vergaß auch nicht, auf den besonderen Tag des 9. November hinzuweisen, den 25. Jahrestag der Überwindung der Berliner Mauer. Jene zeitgeschichtliche Wende ließ es möglich werden, dass das „focus baroque“, in dem sich Faust-Peters mit der estnischen Pianistin und Cembalistin Irén Lill zusammenfand, in diesem Jahr nun auch schon sein zehnjähriges Jubiläum feiern konnte.

Ein seltenes Instrument

Nach einigen wenigen tonalen Eintrübungen zu Beginn des Konzerts war die Darbietung der beiden Sonaten von C.Ph.E Bach und je einer des Vaters Bach und von Telemann eine einzige Freude. Die „Viola da gamba“, auch Gambe oder Kniegeige genannt, ist dabei sicher auch ein Instrument, das man nicht jeden Tag zu hören und zu sehen bekommt.

So sehr es auch einem Cello ähnelt, hat es doch eigene Besonderheiten, einen intimeren und farbigeren Klang, der im Spiel von Holger Faust-Peters gut zum Ausdruck kam. Dazu kam das virtuose und wendige Spiel von Irén Lill auf dem Cembalo, was insgesamt die Stunde in der Stadtkirche in der Tat – wie Ingeborg Gäb zuvor angekündigt hatte – zu einem Lichtpunkt in der anbrechenden herbstlichen Dunkelheit machte.

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