Aachen - Nur ein Attest bewahrt Hans Kahlen noch vor Haft

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Nur ein Attest bewahrt Hans Kahlen noch vor Haft

Von: Manfred Kutsch
Letzte Aktualisierung:
Ein Bild aus besseren Zeiten:
Ein Bild aus besseren Zeiten: Der Aachener Investor Professor Hans Kahlen steht jetzt vor einer ungewissen Zukunft. Foto: Harald Krömer

Aachen. Auch das ist kein PR-Gag für die Hängepartie rund um die Kaiserplatz-Galerie in Aachen: Ihr geistiger Vater Professor Hans Kahlen muss für vier Jahre hinter Gitter. Der Bundesgerichtshof (BGH) verwarf seine Revision gegen das Urteil des Landgerichts Duisburg.

Den 59-Jährigen erwartet in Kürze die Benachrichtigung der Staatsanwaltschaft, bei welcher Justizvollzugsanstalt er sich zu melden hat.

Allein sein Gesundheitszustand könnte Hans Kahlen mit amtsärztlichem Zeugnis Haftaufschub gewähren - wenn seine Angaben den Tatsachen entsprechen. „Ich habe einen Herzinfarkt erlitten, liege in der Uniklinik Düsseldorf und warte auf eine Reha-Maßnahme”, so der Architekt gegenüber unserer Zeitung.

Es gehe ihm „nicht gut”. Über seine Erkrankung konnte sein Münchener Anwalt Ulrich Ziegert keine Auskunft geben: „Das weiß ich nicht, ich habe zuletzt mit ihm immer nur telefoniert.”

13 Straftaten

Eines jedenfalls steht fest. Die Situation um den Investor, dem das Landgericht Duisburg Verbindlichkeiten aus seinen geschäftlichen Aktivitäten „im zweistelligen Millionenbereich” attestiert, hat sich dramatisch zugespitzt.

Ziegert erhebt zwar gegen den BGH-Beschluss Verfassungsbeschwerde, dies hat aber keine Auswirkung auf die jetzt eingetretene Rechtskraft des Duisburger Urteils, das der Anwalt „als Tiefststand der deutschen Rechtskultur” bezeichnet, weil die Staatsanwaltschaft seinen Mandanten massiv unter Druck gesetzt und das Landgericht dem nicht entgegengewirkt habe.

Mehrfache Steuerhinterziehung, Betrug, insgesamt 13 Straftaten, wurden abgeurteilt und mit deutlichen Worten vom Duisburger Vorsitzenden Richter Jens Luge bewertet: Kahlen habe bei der Baumaßnahme eines Bürokomplexes an der Düsseldorfer Hansaallee Anfang der 2000er Jahre „systematisch und mit erheblicher krimineller Energie die Verschleierung seiner Einkünfte betrieben, um Steuern zu hinterziehen, damit er seinen aufwendigen Lebensstil fortsetzen konnte”. Das Landgericht warf dem einstigen Oldtimer-Sammler und vielfachen Privatjet-Flieger in seinem Urteilsspruch „systematisches Vorgehen bei der Verschleierung der Zahlungsflüsse” vor.

Immerhin hatte es der Vorsitzende Richter aber als strafmildernd anerkannt, dass der geborene Simmerather während des Ermittlungsverfahrens „durch nicht unerhebliche Haftverschonungsauflagen - Hinterlegung einer Kaution von 1,2 Millionen Euro, Meldeauflagen und Abgabe des Reisepasses - in seiner Lebensführung beeinträchtigt war”. Von all dem war Kahlen bei seinen damaligen öffentlichen Terminen in Aachen freilich nichts anzumerken.

Dünnes Nervenkostüm

Dass sein Nervenkostüm zunehmend dünner wurde, klingt auch in einem weiteren Aspekt der Strafmilderung an: Der Angeklagte sei „aufgrund seines Alters” und der „mit dem Vollzug der Haftstrafe verbundenen Trennung von seiner Familie, insbesondere seinen Kindern, besonders haftempfindlich”, befand das Landgericht.

Kahlen hat aus erster Ehe seiner 2004 verstorbenen Frau einen erwachsenen Sohn, aus zweiter Ehe mit einer Düsseldorferin drei Kinder im Alter von acht bis 16 Jahren, zudem ist er Stiefvater einer siebenjährigen Tochter seiner Lebensgefährtin, einer Rechtsanwältin.

Dass die Kaiserplatz-Galerie - abgesehen vom Image - durch die Kahlen-Affäre zu weiterem Schaden kommen könnte, hatte Herbert Pontzen, Geschäftsführer der Projektentwicklungsgesellschaft, bereits vor Monaten bestritten: „Herr Kahlen ist kein Mehrheitsgesellschafter und auch nur indirekt über das Unternehmen seines Sohnes beteiligt.”
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