Monschau - Nur durch die Schleuse geht es ins Amtsgericht

Nur durch die Schleuse geht es ins Amtsgericht

Von: P. St.
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Sicherheit geht vor: Josef Ded
Sicherheit geht vor: Josef Dederichs, 1. Justizhauptwachtmeister am Amtsgericht Monschau und hier seit 25 Jahren im Dienst, nimmt seinen Job an der Schleuse ernst. Auch der neue Geschäftsleiter Karl-Heinz Prümmer stellt sich bereitwillig der Kontrolle. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Die tödlichen Schüsse im Amtsgericht Dachau vor gut einer Woche sind inzwischen durch neue Katastrophen aus den Schlagzeilen verdrängt worden, aber die Diskussion über das Thema Sicherheit in den Justizgebäuden wird bundesweit noch intensiv weitergeführt.

Bei einem Prozess in der bayrischen Stadt hatte ein 54-jähriger Angeklagter während der Urteilbegründung plötzlich eine Pistole gezogen und auf den Richter wie auch auf den Staatsanwalt geschossen. Während der Richter sich Deckung bringen konnten, wurde der 31 Jahre alte Staatsanwalt tödlich getroffen.

Dem Entsetzen über diese Tat schloss sich umgehend die Frage an, wie es dem Angeklagten gelingen konnte, eine Waffe unbemerkt mit in den Gerichtssaal zu nehmen und wie es generell um die Sicherheit in den Justizgebäuden bestellt ist.

Anders als in Bayern sind in Nordrhein-Westfalen sämtliche Gerichtsgebäude mit Eingangsbereich mit Sicherheitsschleusen ausgestattet. Auch das Monschauer Amtsgericht verfügt über eine solche Schleuse wie man sie hinreichend von allen Flughäfen kennt. Doch auch diese Schleusen könnten ein gewisses Restrisiko nicht ausschließen, sagt Robert Plastrotmann, Direktor des Amtsgerichtes in der Monschauer Laufenstraße. „Es gibt einen Prozentsatz, den man einfach nicht einschätzen kann”, könne man ein Ereignis wie in Dachau auch trotz aller Sicherheitskontrollen wohl nirgendwo ausschließen, zumal der konkrete Fall in Bayern im Vorfeld keine Hinweise auf ein unberechenbares Verhalten habe erkennen lassen.

An der Sicherheitsschleuse im Amtsgericht Monschau führt für die Besucher kein Weg vorbei. Die meisten Bürger haben sich längst an die Einrichtung gewöhnt, die bereits seit rund 15 Jahren existiert. Diese technische Kontrolleinrichtung reagiert auf Metall und gibt dann ein Signal. Diese Anzeige führt zwar nicht automatisch und in jedem Falle zu einer detaillierten Personenkontrolle, aber Justizhauptmeister Josef Dederichs, der im Eingangsbereich des Gerichtsgebäudes seinen Dienst versieht, hält ein waches Auge auf alle Besucher.

Die Sensibilität wird deutlich erhöht, wenn im Amtsgericht Monschau Strafverfahren terminiert sind, die einen höheren Sicherheitsaufwand angemessen erscheinen lassen. Dann wird das Amtsgericht Monschau durch Wachleute aus Aachen verstärkt, die dann für die komplette Kontrolle aller Beteiligten sorgen.

„Es hat alles zwei Seiten”, bewertet Robert Plastrotmann die Sicherheitsvorschriften in den Justizgebäuden: „Für den Bürger bedeutet die Schleuse eine höhere Hemmschwelle, aber andererseits erhöht sie auch das Sicherheitsgefühl”. Bislang wurden bei Besuchern des Amtsgerichtes noch nichts Verdächtiges gefunden, und Robert Plastrotmann, sei zwei Jahren in Monschau als Direktor tätig, hat im Gerichtssaal auch noch keine bedrohliche Situation erlebt.

Der flächendeckende Einbau von Schleusen in alle Gebäude der ordentlichen Gerichtsbarkeit in NRW war die direkte Folge des dramatischen Geschehens vom 15. März 1994 im Amtsgericht Euskirchen, wo ein 39-jähriger Angeklagter Amok lief, sechs Menschen erschoss und sich anschließend selbst mit einer Rucksackbombe in die Luft sprengte.

Das Amtsgericht Monschau wurde 1997 mit einer Schleuse gestattet, die inzwischen längst zum Alltag gehört.


Als das „Gericht der kurzen Wege und mit Bürgernähe” bezeichnet Direktor Robert Plastrotmann das Amtsgericht Monschau. Der Bestand der Einrichtung sei langfristig gesichert, was Plastrotmann auch durch hohe Investitionen des Landes in das historische Gebäude bestätigt sieht. So wurde erst kürzlich ein Aufzug eingebaut.

Seit Mitte Januar 2012 verfügt das Amtsgericht Monschau auch über einen neuen Geschäftsleiter. Karl-Heinz Prümmer (49) aus Kalterherberg, seit 1978 in den Diensten der Justiz, hat die Nachfolge von Walter Mertens angetraten, der nun bei der Verwaltung des Amtsgerichtes Aachen beschäftigt ist. Rechtspfleger Karl-Heinz Prümmer ist als Geschäftsleiter Dienstvorgesetzter der Mitarbeiter des nicht richterlichen Dienstes. Das Amtsgericht Monschau beschäftigt insgesamt 22 Mitarbeiter.

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