Nur auf Eichenmöbeln bleibt man sitzen

Von: rpa
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Diese Bluse ist doch noch sehr schick. Gabriele Attemeier, seit zehn Jahren Betriebsleiterin der Möbel- und Kleiderbörse der Eifeler Christen, hofft gemeinsam mit Wolfgang Tambornino, Vorsitzender des Sozialwerkes, dass viele Kunden in den neu eingerichteten Laden am Erlenweg 2 in Imgenbroich kommen. Foto: R. Palm

Nordeifel. Für ein Schnäppchen ist der Laden immer gut - ein Blazer von Joop, eine Hose von Gerry Weber oder eine Bluse Frank Walder: Der Preis richtet sich stets nach dem Gewicht: 9,21 Euro je Kilo Textilien.

Wolfgang Tambornino und Gabriele Attemeier sind stolz auf das breite und gute Angebot im kleinen „Supermarkt” der Eifeler Christen. Und der hat seit einigen Tagen eine neue Adresse - am Erlenweg 2 in Imgenbroich.

Dort hat das Sozialwerk seine Möbel- und Kleiderbörse neu eingerichtet. Der Umzug von der Blumgasse in Konzen in das Gebäude alten Molkerei in Imgenbroich wurde notwendig, weil nach fünf Jahren der Pachtvertrag für die Räume in Konzen ausgelaufen war und nicht verlängert wurden.

100 Quadratmeter mehr Platz

Die neuen Geschäftsräume sind hell und freundlich hergerichtet, auch hat die Kleider- und Möbelbörse dort mehr Platz: statt bisher 340 Quadratmeter nun rund 430 Quadratmeter. Das Sozialwerk ist auf Zukunft ausgerichtet - dabei ist diese Zukunft ungewiss, denn die nicht gesicherte Finanzierung gefährdet Sozialwerk und Laden in seiner Existenz, der längst seine Stammkunden hat. 360 bis 500 Besucher kommen im Monat, sagt Gabriele Attemeier, die die Bilanz 2010 auflistet: 935 Möbelstücke und gut 1400 Kilogramm Kleidung wurden verkauft. Dabei gehören zu einem Kilo Kleidung im Schnitt etwa vier Teile.

Groß ist die Nachfrage nach Küchen, doch das Angebot ist eher dürftig. Auch Wohn- und Schlafmöbel werden mehr nachgefragt als vorrätig sind. Kein Interesse gibt es hingegen an alten und schweren Möbeln aus Eiche, „auf denen bleiben wir sitzen”, was letztlich auch zu hohen Entsorgungskosten führt. Daher werden Eichenmöbel nicht mehr angenommen. Sonst aber „sind wir froh über alles, was uns angeboten wird”, so Betriebsleiterin Gabriele Attemeier, die seit gut zehn Jahren für das Sozialwerk arbeitet.

„Wir bemühen uns täglich darum, dass unsere Kunden mit uns, mit der Bedienung und mit der Ware zufrieden sind”, versicherte Gabriele Attemeier. Daher werden die Verkäuferinnen geschult und fit gemacht für die Arbeit im Geschäft, denn die Erlöse sind eine wichtige Geschäftsgrundlage für den Betrieb des Ladens.

Zum Sortiment gehören neben Kleidern und Möbeln auch diverser Hausrat, Dekoartikel, Handtaschen, Gürtel, Schuhe und auch Bücher, CDs sowie funktionstüchtige Elektro-Kleingeräte. Das Kleider- und Möbelgeschäft der Sozialwerkes ist ein Zweckbetrieb im doppelten Sinne: Gute erhaltene Kleidung und Möbel werden preiswert verkauft und somit weiter genutzt. Auf der anderen Seite finden Langzeitarbeitslose zumindest zeitweise eine Arbeit, sie können sich qualifizieren und sich so neue Chancen für den 1. Arbeitsmarkt erarbeiten. Derzeit beschäftigt das Sozialwerk zwölf Ein-Euro-Jobber, dazu kommen vier Festangestellte, die sich darum kümmern, die Beschäftigten zu begleiten, zu betreuen und zu qualifizieren.

Für jeden der zwölf genehmigten Plätze hat das Sozialwerk bislang gut 400 Euro im Monat von der ARGE erhalten, das waren 60.000 Euro im vergangenen Jahr. Seit dem 1. April aber „gibt es nichts mehr”, bedauert Wolfgang Tambornino, Vorsitzender des Vereins Sozialwerk Eifeler Christen Der Grund: Das Sozialwerk könne die Standards nicht erfüllen, was die Qualifizierung (Personal und Räume) betreffe. Nun fehlen dem Sozialwerk mindestens 60.000 Euro im Jahr. „Wir wissen nicht, wie wir das Defizit ausgleichen können”, sagt ein betroffener Vorsitzender, der darauf hinweist, dass das Sozialwerk in diesem Jahr 9000 Euro aus dem Arbeitslosenfonds des Bistums erhalten wird.

„Alles in allem”, so Wolfgang Tambornino, liegt das Budget des Sozialwerkes in Einnahmen und Ausgaben (Personal, Miete, Fahrzeuge) bei etwa 220.000 Euro im Jahr. Um das Defizit aufzufangen, braucht das Sozialwerk mehr Verkaufserlöse und vor allem auch mehr Mitglieder im Verein der Eifeler Christen. Derzeit zählt der Verein 50 Mitglieder, der Jahresbeitrag liegt bei 12 Euro im Jahr, „höhere Zuwendungen sind gerne willkommen”.
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