Nüchtern betrunken: Schocktherapie im Fahrsimulator

Von: sal
Letzte Aktualisierung:
simulator-bu
Die Jahrgangsstufe 13 des Franziskus Gymnasiums in Vossenack konnte in Zusammenarbeit mit der Verkehrswacht Düren und Lehrer Ulrich Kühn erleben, was es heißt betrunken Auto zu fahren und welche Gefahren dabei entstehen. Foto: Samira Lauscher

Vossenack. Endlich 18 - Führerschein und Freiheit - doch der Computer kennt keine Gnade: ein Straßenrandunfall, das Rotlicht missachtet, generell viel zu schnell, einmal die Fahrbahn verlassen und den Blinker nicht betätigt. Das ist das fatale Ergebnis einer nur zweieinhalbminütigen Autofahrt im Fahrsimulator.

Die zurückgelegte Distanz beträgt gerade mal zwei Kilometer. Die Unfallverursacher waren in allen Fällen angehende Abiturienten. Allerdings wurden Sicht und Reaktionszeit virtuell so eingeschränkt, als hätte man 0,8 Promille Alkohol im Blut.

Zum Glück ereigneten sich die Tragödien lediglich in einer virtuellen Welt, erzeugt von einem leistungsfähigen Computer. Hätten die Schüler nicht in einem 80.000 Euro teuren Simulator gesessen - das Leid und der Schaden wären schwer ermesslich gewesen.

Fahrt bei Glatteis und Nebel

Gerade bemüht sich ein Primaner, eine Fahrt bei Glatteis und Nebel heil zu überstehen. Andere schlagen die Hände vors Gesicht oder kichern nur unsicher und verlegen, nachdem sie ein Reh oder womöglich einen Fußgänger, der den Zebrastreifen überqueren wollte, überfahren haben. Denn was von außen so einfach aussieht, hat seine Tücken. Der Computer simuliert nämlich nicht nur die Autofahrt bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen. Auch der Alkoholeinfluss kommt noch hinzu. So konnte kaum einer der jungen Autofahrer gegen den Computer bestehen.

„Ein Führerschein macht noch lange keinen guten Fahrer”, sagt Lehrer Ulrich Kühn, der seit Jahren für die Verkehrserziehung am Franziskus Gymnasium zuständig ist.

Selbstüberschätzung und mangelnde Fahrpraxis gehören zu den Hauptunfallursachen bei den Fahranfängern. Die Schüler müssten wissen, welche Konsequenzen ihr Fehlverhalten im Straßenverkehr haben kann. Denn nur wer sich intensiv mit dem Thema Sicherheit im Straßenverkehr beschäftigt, kann auch in kritischen Situationen „cool” bleiben.

Die Simulatoren der gewerblichen Berufsgenossenschaft und des Deutschen Verkehrssicherheitsrats bieten daher die Chance, Mechanismen des Systems „Mensch - Auto - Straße” gezielt und vor allem gefahrlos zu erleben. Die Verkehrsdichte nimmt immer mehr zu, darauf muss die Fahrausbildung reagieren und die Schüler optimal auf die Zustände im Straßenverkehr vorbereiten. Daher konnten die Schüler und Schülerinnen der Jahrgangsstufe 13 auch einen Seh- und Reaktionstest machen.

Sich nüchtern betrunken erleben

Besonderes Interesse weckten die so genannten „Rausch-Brillen”, mit denen die angehenden Abiturienten sich nüchtern betrunken erleben konnten. Diese Brillen geben einem das Gefühl und die Sichtweise von verschiedenen Alkoholmengen. Das Sichtfeld ist verzerrt und eingeschränkt; das Gehen auf einer geraden Linie scheint damit nahezu unmöglich. Ebenso stand ein Motorradsimulator zur Verfügung.

In Zusammenarbeit mit der Verkehrswacht Düren, die den Fahrsimulator für einen Tag nach Vossenack geholt hatte, wurde dieser Verkehrssicherheitstag unterhaltsam und lehrreich zugleich gestaltet. Nun hofft man, dass die Unfälle, die die Schüler und Schülerinnen in der Schule gebaut haben, auch Konsequenzen haben werden - nämlich in ihren Köpfen und ihrem Verhalten im Verkehr.

Der Simulator wurde während des Einsatzes von geschulten DVR-Moderatoren (Deutscher Verkehrssicherheitsrat) betreut, welche aufgrund ihrer großen Erfahrung in der Verkehrssicherheitsarbeit kompetente Ansprechpartner für Fragen und Anliegen der jungen Fahrer darstellten.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert