Nordeifel: Bitterer Kampf um jeden Kraftstoff-Cent

Von: Stefan Herrmann
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Jeder Cent zählt: Seit Jahres
Jeder Cent zählt: Seit Jahresbeginn sind die Spritpreise in astronomische Höhen geschossen. Gestern nutzten viele Nordeifeler die Gunst der Stunde, als der Liter Super noch einmal unter die 1,60-Marke gefallen war. Foto: Stefan Herrmann

Nordeifel. Viele Autobesitzer haben sich wohl gedacht: „Das ist ja ein wahres Schnäppchen!” Hier fahr ich an, hier tank ich auf. Nach Tagen der Rekordpreise purzelte ein Liter Super-Benzin an vielen Orten endlich noch einmal unter die magische 1,60-Euro-Marke.

„Das merken wir direkt”, sagte Ulrich Huppertz, Besitzer einer SB-Tankstelle und eines Autohauses in Konzen. Viele nutzten die Gelegenheit, nach den teuren Tagen den Tank noch einmal aufzufüllen. Denn alle wissen: Das nächste Preis-Hoch an den Zapfsäulen ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Doch so richtig fassen kann man es an den Zapfsäulen in der Region eigentlich noch nicht, dass man sich über 1,579 Euro für einen Liter Super und 1,469 für die gleiche Menge Diesel beinahe schon freuen muss.

Zwischen Wut und Resignation

Irgendwo zwischen Wut und Resignation pendelt sich die Stimmung der mobilisierten Nordeifeler ein. „Was der Staat da mit uns macht, ist ganz große Abzocke”, sagt ein älterer Herr, während er seinem Kleinwagen ein paar Liter Kraftstoff ausgibt. Er selbst sei Rentner, sei daher auf das Auto nicht so stark angewiesen. Aber wenn er an all die Leute denke, die jeden Tag weite Strecken bis zur Arbeit fahren müssen, könne er über die handelnden Akteure in Politik und Wirtschaft nur mit dem kopf schütteln. Beim steigenden Spritpreis treffe es mal wieder die Falschen, meint er und dreht ab Richtung Kasse. Wirklich billig wird für ihn die Tankstellen-Rechnung auch an einem 1,57-Euro-Tag nicht.

Keine Rücksicht auf Spritpreise nimmt man derweil bei der Monschauer Feuerwehr. „Unsere Fahrzeuge sind stets bedarfsgerecht betankt”, sagt Pressesprecher Heiner Sauren. Das bedeutet: Nähert sich die Tanknadel der Dreiviertel-Markierung, wird bereits nachgefüllt. „Schließlich muss die Einsatzbereitschaft gesichert sein”, erzählt Sauren. Im Notfall müssen auch die Pumpen für mehrere Stunden Betrieben werden können. Leiterwagen und Löschfahrzeuge, die dann auf Reserve fahren würden, wären nicht zu verantworten. Auch stehen in den Geräteschuppen stets einige Reservekanister parat. „Und eine Order von oben gibt es nicht”, fügt Sauren an. Denn am Kraftstoff für ihre Feuerwehrwagen würde die Kommune auch in teuren Zeiten wie diesen nie sparen.

In ganz anderen Dimensionen als Otto-Normal-Verbraucher muss Bernd Kreutz rechnen. Der Geschäftsführer des Monschauer Speditionsunternehmens Hermanns & Kreutz braucht für seine 103 Fahrzeuge umfassende Flotte pro Woche 170.000 und 180.000 Liter Diesel. „Der Treibstoff macht bei uns 26 Prozent der Gesamtkosten aus”, erzählt er. Mehr verschlingt nur der Personaletat. Um den explodierenden Treibstoffpreisen Herr zu werden, führte er 2008 einen so genannten Dieselfloater ein. Kunden zahlen den Preis, der im Monat zuvor gültig war. Auch wenn Verträge über den Transport von waren schon lange Zeit zuvor abgeschlossen wurden.

„Geldeintreiber der Öl-Multis”

Anders könne man den Unwägbarkeiten des Marktes heute nicht mehr Herr werden, sagt Kreutz. „Man kann den Kunden nur ein großes Lob aussprechen, dass sie da so mit ziehen.” Schließlich wolle er sich als Spediteur nicht versteckt über den Dieselpreis bereichern. Im Gegenteil: „Wir sind eher die ungewollten Geldeintreiber der Ölmultis”, fügt Kreutz an.

Ein Einschreiten des Staates, zum Beispiel über das Absenken der Mineralölsteuer, hält der Unternehmer für völlig falsch. „Ich bin kein Weltökonom”, schränkt Kreutz ein, aber er glaube, dass der alte Preis an den immer unberechenbarer agierenden Märkten schnell wieder erreicht würde. „Und dann wandert das Geld nicht mehr an unseren Staat, sondern an Spekulanten in London oder an einem anderen Finanzplatz der Welt.” Dort sei daher auch der Bereich, in dem die Politik regulierend eingreifen müsse. „Was da global auf den spekulativen Märkten passiert, bedroht bei uns Arbeitsplätze”, sagt der Chef von deutschlandweit 300 Mitarbeitern, 220 davon in Monschau.

Keinen andere Möglichkeit als die Preise zu erhöhen, hatten zu Beginn des Jahres die Taxifahrer der Region. „Natürlich wegen des erhöhten Spritpreises”, erklärt Beatrix Simons, Inhaberin des gleichnamigen Taxi-Unternehmens aus Simmerath. Von 1,55 Euro auf 1,60 Euro pro Taktschicht - also pro Kilometer - sind die Tarife gestiegen; abends und nachts von 1,65 Euro auf 1,70 Euro. Die Kunden zeigen Verständnis dafür, gemeckert wird bei der Fahrt dann eher auf die Politik.

Kfz-Meister Ulrich Huppertz führt seit 1978 sein Geschäft in Konzen. Heute, gibt er unumwunden zu, würde er eine neue Tankstelle nicht mehr eröffnen. Die Gewinnmargen für die Betreiber sind sehr gering. „Der Markt entscheidet den Preis”, stellt er nüchtern fest. Und der ist längst weltumspannend, seine Auswirkungen aber zeigen sich dann in der Eifel an der Zapfsäule. Eine gestiegene Nachfrage wegen der Kälteperiode, ein schwacher Euro-Kurs im Verhältnis zum Dollar, der schwelende internationale Konflikt mit dem weltweiten Öl-Lieferanten Iran - die Begründung, warum die Menschen in Deutschland mittlerweile so tief in Tasche greifen müssen, um mit dem eigenen Wagen von A nach B zu kommen, sind vielfältig und kaum noch zu übersehen.

Doch Großmächte wie China steigen gerade richtig ein ins Rennen um das Öl. „Da bluten wir dann mit”, sagt Huppertz. „Doch was soll der Eifeler denn machen?”, hängt der Tankstellenbesitzer gleich dran. Schließlich seien viele in der Region auf das Auto angewiesen - um zur Arbeit zu kommen, zum Ausbildungsplatz, zur Schule. Bus und Fahrrad seien in ländlichen Regionen im Vergleich zu Städten wie Aachen nun einmal häufig die deutlich schlechtere und unattraktivere Lösungen.

Das Fahrrad als Lösung?

Trotzdem machen es am Ende immer mehr Leute wie Manfred Rosenwick. Kleinere Strecken legt dieser mittlerweile meist per Fahrrad zurück. Einfache Erklärung: „Weil der Sprit in den vergangenen Jahren so teuer geworden ist”, erklärt er. Und beim Tanken? Da schaut er ganz genau auf die Preistafel. Gestern 1,62 Euro, heute 1,57 Euro - dann legt Rosenwick ein paar Liter nach. Leerfahren und am Ende volltanken - das macht heutzutage nur noch, wer keine andere Wahl hat. „Ich habe ja schließlich nichts zu verschenken”, sagt Rosenwick. Doch an ein paar Cent mehr pro Liter wird wohl auch er sich in den kommenden Monaten gewöhnen müssen.
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