Niederländische Gülle auf Eifeler Feldern

Von: Andreas Gabbert
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Das Geschäft mit der niederländischen Gülle boomt und schlägt sich auch auf den Feldern der Eifel nieder: Der Betriebsleiter des Wasserwerks Perlebach, Derk Buchsteiner, hält stärkere Kontrollen für sinnvoll. Foto: imago/Niehoff

Monschau. Entlang der deutsch-niederländischen Grenze zieht sich ein braunes Band – ein Band aus Urin und Kot landwirtschaftlicher Nutztiere. Das Geschäft mit der Gülle boomt und schlägt sich auch auf den Feldern der Eifel nieder. Regelmäßig liefern Landwirte aus den Niederlanden ihre stinkende Ware hier ab, denn sie haben reichlich davon.

In den Niederlanden ist das Angebot größer als der Bedarf. Allein im Jahr 2010 wurden offiziell 750.000 Tonnen Gülle nach NRW transportiert, unangemeldete Transporte nicht mitgerechnet. Dieser Gülle-Tourismus hat in Monschau nun auch Politik und Verwaltung beschäftigt.

Manfred Fichtner, Mitglied im Umweltauschuss der Stadt Monschau, hatte eine Anfrage an die Verwaltung gestellt. Vor dem Hintergrund, dass vor dem 15. November (vom 15. November bis 31. Januar gilt eine Sperrfrist) auf Höfener Wiesen Gülle von Transportern aus den Niederlanden aufgetragen wurde und der Beschwerde mehrerer Bürger, hat Fichtner um die Beantwortung folgender Fragen gebeten: War jeder Gülletransport nach Monschau einzeln genehmigt worden? Erfolgte noch in Holland die so genannte Wärmebehandlung der Gülle? Wie hoch war die Nitratbelastung für die Böden? Bestand eventuell durch die hohe Nitratbelastung eine Gefahr für das Grundwasser? Lag eine Gefahr für das Grundwasser im Gebiet des Trinkwassereinzugsbereich vor?

„Keine negativen Erkenntnisse“

Bisher muss jeder Gülleexport nach NRW einzeln genehmigt werden. Außerdem muss die Gülle noch in den Niederlanden wärmebehandelt werden. Das hatte NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) im November 2010 angeordnet.

Die Stadt Monschau hat Fichtners Anfrage an die zuständige Kreisstelle Düren der Landwirtschaftskammer NRW weitergeleitet und dem Amt für Wasserwirtschaft der Städteregion Aachen eine Zweitausfertigung der Anfrage zugesandt.

„Es liegen uns keine Werte vor, die auf eine Überschreitung hinweisen würden. Wir haben keine negativen Erkenntnisse“, sagt der Leiter der Unteren Wasserbehörde im Umweltamt der Städteregion, Hans Drießen.

Von Seiten der Landwirtschaftskammer heißt es, man sei den Angaben nachgegangen. Am 13. November sei Gärsubstrat aus einer niederländischen Biogasanlage von einem Spediteur angeliefert und von einem deutschen Lohnunternehmer auf die Felder zwischen Höfen und Rohren ausgebracht worden. Dies sei laut Düngeverordnung rechtmäßig. Der Abgeber und Beförderer des Gärsubstrates habe Aufzeichnungen über Ausbringungsart, -menge und -zeitpunkt zu erstellen. Die Landwirtschaftskammer habe sich die Lieferscheine aushändigen lassen und könne somit auch die Rechtmäßigkeit gemäß Verbringungsordnung bestätigen. Für Fragen zur Gewässerbelastung durch die Ausbringung verweist die Landwirtschaftskammer auf das Wasserwerk Perlenbach.

Eine Überdüngung der Grundstücke, wodurch eine Beeinträchtigung der im näheren Bereich fließenden Gewässer verursacht werden könnte, sei nur feststellbar, wenn unmittelbar nach dem Gülleauftrag Bodenproben zur Untersuchung entnommen werden, heißt es von Seiten des Wasserwerks. Dafür ist es längst zu spät.

So viel wie möglich

Aber auch Derk Buchsteiner, der Betriebsleiter des Wasserwerks Perlenbach, hat Kontakt zur unteren Wasserbehörde aufgenommen. Schon öfter hat er vor Ablauf der Frist „ein hohes Aufkommen von Gülletourismus“ beobachtet. Nach seinem Eindruck würde zu viel Gülle aufgetragen, „so viel pro Quadratmeter wie möglich“. Nun gelte es, diese Vorgänge im Jahr 2013 genauer ins Auge zu fassen. Im Prinzip ist Buchsteiner nicht zwangsläufig gegen das Düngen mit Gülle. „Wir scheuen die Gülle nicht wie der Teufel das Weihwasser, so lange man sich an die gute landwirtschaftliche Praxis hält, ist alles ok“, sagt er.

Das sei beim Gülletourismus aus den Niederlanden aber eben nicht der Fall. Für Buchsteiner gehört die Jauche in die Nähe des Entstehungsortes. Solange sich die Gülle nicht im Wasser niederschlägt, würde er auch ein Schutzgebiet nicht begrüßen. Lieber setzt er auf die Kooperation mit den örtlichen Landwirten, so wie es auch im Bereich der oberen Rur geschehe. „Ich will den Landwirten nicht das Wasser abgraben, solange sie mir nicht das Wasser abgraben“, sagt Buchsteiner.

Mit den Antworten ist Manfred Fichtner nicht zufrieden. Es sei für ihn nicht klar, ob nun eine Gefahr für das Trinkwasser bestanden habe, oder nicht. „Daraus kann man nur lernen. Das nächste Mal sollte man lieber gleich eine Prüfung vornehmen“, sagt Fichtner.

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