Nicht ohne dreimal drei Glockenschläge

Von: Michael Schnitzler
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Nach letzten Arbeiten an Deck und dem Check im Maschinenraum fuhr diese Woche das erste Schiff auf den Rursee hinaus. Ab heute verkehrt die „Weiße Flotte” mit ihren vier Fahrgastschiffen wieder regelmäßig aufg dem Rursee und auf dem Obersee. Foto: Schnitzler

Schwammenauel. Es ist ein Märzmorgen, kurz nach halb elf. Nach dem verregneten Vortag steht die Sonne wieder hoch am Himmel, ihre warmen Strahlen reflektieren im malerischen Rursee. In Schwammenauel, am Rande des Stausees, ist die Luft klar und frisch - ein schöner Frühlingstag kündigt sich an.

Ein älteres Ehepaar sitzt auf einer Bank, vereinzelt lassen sich Gäste des Hotels „Seehof” auf ihrem Balkon blicken; ansonsten ist noch nicht viel los an der Anlegestelle der Rursee-Schifffahrt.

Auf den beiden Schiffen „Aachen” und „Stella Maris” aber herrscht geschäftiges Treiben. An der „Aachen” wird der rot-weiße Rettungsring an der strahlend weißen Außenwand zurechtgerückt, der „Stella Maris” verleihen Monika Schreiber und Sofyan Omari den letzten Glanz. Unter Deck sitzen Boris Logen und Herbert Harth. Seit Ende Oktober haben die beiden Schiffsführer auf den Tag hingefiebert, an denen sie wieder in See stechen können. Und auch wenn es „nur” der Rursee ist - es ist endlich soweit: Saisonauftakt der Rurseeflotte.

Hobby zum Beruf gemacht

Was die beiden Schiffsführer und ihre Kollegen - am Obersee betreibt die Rursee-Schifffahrt mit der „Sankt Nikolaus” und der „Eifel” zwei weitere Schiffe - den Winter über gemacht haben? Ein paar Überstunden aus den Sommermonaten haben sie abgebaut. Ansonsten aber mussten unzählige Reparatur- und Malerarbeiten an den Schiffen durchgeführt werden, ein Großteil davon in den letzten, milderen Wochen. Mit Erfolg: Der TÜV war bei allen Schiffen mit Motoren, Abgas- und Elektroleitungen und ähnlichem zufrieden. Fünf Stunden habe eine Abnahme gedauert, sagt Harth. Und fügt lachend hinzu: „Wie bei einem Auto drunter gelegt hat sich aber niemand.”

In Einruhr aufgewachsen

Inzwischen ist es viertel vor elf, die „Aachen” wird um elf als erstes von Schwammenauel ablegen und sich auf die 45-minütige Fahrt nach Rurberg begeben, die „Stella Maris” eine Stunde später. Der erst 23-jährige Logen, der heute die „Stella Maris” steuert, muss seinem Schiff nur noch den letzten Schliff verpassen. Kritisch beäugt Harth, wie sein junger Kollege zunächst die Schiffsglocke neben der Fahrerkabine aufhängt und dann die Heckflagge hisst. Ohne Fahnen und die Glocke geht es nicht, darauf legt Harth, bereits seit 1963 Schiffsführer, Wert: „Nur, wenn man bei der ersten Fahrt eines Tages mit dreimal drei Glockenschlägen läutet, werden es gute Fahrten”, so Harth.

Dass Logen ein guter Schiffsführer sein wird, daran hat Harth keine Zweifel. Er ist stolz auf den Jungen: „Er hat eine Ausbildung als Koch gemacht und dann ist er wieder zu uns zurückgekommen”, sagt Harth. „Zurückgekommen” heißt, dass Logen schon einmal da war - genauer gesagt war er schon immer da. In Einruhr aufgewachsen, hat sich Logen schon von frühauf für die Schifffahrt interessiert und ist schon zu Schulzeiten am Wochenende mitgefahren. Jetzt ist er selbst Schiffführer und erklärt: „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.” Seine Chefin, Waltraud Heuken von der Rursee-Schifffahrt GmbH, sitzt derweil im Büro und hofft auf eine gute Saison: „Unsere Fahrpreise sind fair, aber die hohen Spritpreise sind problematisch. Dann bleiben Gäste von weiter weg aus. Wir müssen abwarten, wie es läuft.”

Um Punkt elf Uhr startet der Schiffsführer der „Aachen” den Motor, mit einer Handvoll Passagieren an Bord legt das erste der beiden 37 Meter langen Schiffe ab - natürlich nicht ohne dreimal drei Glockenschläge.
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