Nicht alle Rätsel des Kreuzwegs sind gelöst

Von: Sarah Maria Berners
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Am Karfreitag zieht eine Licht
Am Karfreitag zieht eine Lichterprozession entlang der Kreuzwegstationen in Dedenborn. Früher hingen die handgeschnitzten Holztafeln (Foto) in den kleinen Häuschen an der Straße. Foto: S.M. Berners

Dedenborn. Wer die Heimat erforschen will, braucht vor allem eines: Geduld. Josef Löhrer aus Dedenborn hat diese Geduld und forscht akribisch in den Archiven. In Dedenborn gibt es seit fast 250 Jahren einen Schatz, der den Heimatforscher nicht ruhen lässt.

Die aus Eichenholz geschnitzten Tafeln des Kreuzweges Jesu, die Dedenborn einst zu einer gut besuchten Wallfahrtsstätte gemacht und eine in der Nordeifel einzigartige Tradition begründet haben: Die Lichterprozession am Karfreitag (20 Uhr).

Petterchen vom Ferkeshöfchen

Viel haben Josef Löhrer und andere schon über den Kreuzweg herausgefunden, aber alle Rätsel sind noch nicht gelöst: „Dieses Kleinod ist in der Zeit von 1758 bis 1764 entstanden. Der Überlieferung nach soll der Dedenborner Bauernsohn „Petterchen vom Ferkeshöfchen”, wie er im Volksmund genannt wird, dieses Kunstwerk geschaffen haben”, erzählt Löhrer. Urkundlich belegen lasse sich das bis heute jedoch nicht. Eine der Stationen trägt die Initialen „M. H.” War das der Künstler?

Der Dedenborner Heimat- und Familienforscher versucht seit Jahren diese Frage zu lösen. Nachfragen und Forschung in verschiedenen Archiven, zum Beispiel im Historischen Archiv des Erzbistums Köln, Landesarchiv NRW oder im Stadtarchiv Düren, wo Schriftgut des ehemaligen Klosters der Franziskaner in Schleiden verwahrt wird, blieben ergebnislos. Ebenso die Suche in den Dedenborner Kirchenbüchern und in den Steuerlisten von den Einwohnern während dieser Zeit brachten keine Verbindung zu der Signatur „M.H.”

„Urkundlich belegt ist, dass der Vorsteher Damian Busch vom Franziskanerkloster Schleiden die Kreuzwegstationen am 8. Februar 1764 geweiht hat”, erzählt Löhrer. Darüber befinde sich eine Urkunde in lateinischer Sprache im Pfarrarchiv. Die konnte aber zunächst niemand übersetzen. „Doch hier kam der Zufall zu Hilfe”, sagt Löhrer. Im Sommer 1997 weilte in der Dedenborner Kirche der Padre Carmelo Capicci aus Rom. Er war fasziniert von den Kreuzwegstationen und wollte mehr darüber erfahren. So ergab es sich, dass Josef Löhrer mit ihm ins Gespräch kam und auf die Einweihungsurkunde verwies. Padre Capicci erkannte direkt die oströmische lateinische Ausdrucksweise und versprach, den Text in Rom zu übersetzen.

Warten auf die Antwort aus Italien

„Die Antwort aus Italien ließ nicht lange auf sich warten”, sagt Löhrer. Das erhoffte Ergebnis brachte sie nicht. Amtliche kirchliche und liturgische Ausführungen werden darin geschildert. Auch werden einige Personen namentlich genannt, zum Beispiel der Pfarrer von Simmerath Joseph Birven, Rector Johannes Wilhelm Reuter, Dedenborn und der Verfasser der Urkunde. „Nicht jedoch die Person die das Werk geschaffen hat.”

Ein eifriger Förderer des Kreuzweges war der Rector Johannes Wilhelm Reuter. Auf sein Bestreben hin wurde in Köln 1764 ein Andachtsbüchlein gedruckt. „Dank des Kreuzweges wurde Dedenborn bald zu einer äußerst rege besuchten Wallfahrtsstätte für die Eifel”, erklärt Löhrer.

Die alten Stationshäuschen entlang der Straße waren 1854, beim Amtsantritt von Pfarrer Narcihs Carl Victor Hugo Bimmermann, nur noch eine Ruine. Auf seine Initiative und mit persönlicher Beteiligung von mehr als der Hälfte der Kosten von 666 Thaler wurden zwischen 1857 und 1863 die Stationshäuschen neu gebaut. Danach fanden die Holzbilder ihren Platz in den Nischen und die Kreuzweg-Andacht wurde neu belebt. Dazu empfahl Pfarrer Bimmermann wörtlich: „Sollen die Bilder in den Stationshäuschen Jahrhunderte dauern so müssten sie jährlich, höchstens alle zwei Jahre in einem abgekochten Leinöl getränkt werden, widrigenfalls sie in drei Jahren verwittern und zerbröckeln.”

Die Holztafeln im Format 72 mal 50 Zentimeter waren damals noch farblich unbehandelt. Pfarrer Michael Ohlenforst berichtet 1919 in der Pfarrchronik, dass er die Tafeln von einem wirklichen Künstler aus Aachen habe farbig gestalten lassen. „Die Stationen haben gewiß manchen Schönheitsfehler, aber immerhin durch ihr hohes Alter einen nicht geringen Wert.”

Den Zweiten Weltkrieg und die Evakuierung von Dedenborn im September 1944 haben die Kreuzwegbilder ohne größere Schäden überstanden. Unter Pfarrer Joseph Engels lebte die Kreuzwegprozession entlang der Straße ab 1945 wieder auf. Damals immer am ersten Sonntag im Mai zum Kreuzfest. Seit einigen Jahren jedoch als Lichterprozession am Abend des Karfreitag, unter starker Beteiligung auch von Gläubigen der umliegenden Orte.

Dank Spenden der Dedenborner Bevölkerung hat der Restaurator Hans Fuchs von Heiligenhaus das Kirchenschmuckstück zur Jahreswende 1995/96 wieder in frischem Glanz erstrahlen lassen. Davon können sich die Besucher in der Dedenborner Kirche überzeugen. Zusätzlich liegt dort eine farbige Broschüre mit allen Bildern und einer ausführlichen Beschreibung der Kreuzwegstationen aus (Kosten: 1,50 Euro).

Heimatforscher Josef Löhrer wird weiter recherchieren, um vielleicht doch noch herauszufinden, wer M.H. war.
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