Lammersdorf - Neujahrskonzert: Eine „englische Nachtigall” aus Holland

Neujahrskonzert: Eine „englische Nachtigall” aus Holland

Von: js
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Flötistin Annette Bock und Gi
Flötistin Annette Bock und Gitarrist Humberto Quesquen entführten die Konzertbesucher in die Musikwelt der Renaissance. Foto: Josef Schreier

Lammersdorf. Es ist immer wieder ein schöner und stimmungsvoller Jahresanfang, den sich die Evangelische Gemeinde in ihrer kleinen Lammersdorfer Kirche selbst beschert.

Nach dem Neujahrsgottesdienst berichtete Pfarrer Jens-Peter Bentzin während eines kurzen Empfangs von den bevorstehenden Aufgaben der Kirchengemeinde, die vor allem immer noch (und wieder) große Sorgen um den Baubestand der Monschauer und der Roetgener Kirche hat. Dem im Frühjahr neu ins Amt kommenden Presbyterium gab Pfarrer Bentzin als Hoffnungssignal die Jahreslosung auf den Weg, die davon spricht, dass die Kraft Gottes gerade „in den Schwachen mächtig” ist.

Für das traditionelle Neujahrskonzert konnte Ingeborg Gäb im Namen des Arbeitskreises Musik der Kirchengemeinde wieder besondere Künstler als Gäste begrüßen. Die Konzerte in Lammersdorf entfalten durch das kammermusikalische Ambiente des Kirchenraums immer ein besonderes Fluidum. So auch diesmal wieder.

Musikalisch ging es mit der Flötistin Annette Bock und dem Gitarristen Humberto Quesquen in eine Zeit und in eine Musiksprache, die wohl nicht jedem der Zuhörer auf Anhieb vertraut gewesen sein mag.

Es handelte sich um Musik der Renaissance, die freilich nicht nur zeitlich sehr weit entfernt ist von der oft auftrumpfenden oder gar aggressiven Musik der Neuzeit. Nein, hier ging es in der Tat um sehr subtile, stille Klänge, in die sich die Zuhörer erst einmal einhören und einleben mussten, was sie auch mit spürbar großer Konzen-tration und Aufmerksamkeit taten.

Annette Bock spielte an diesem Abend abwechselnd Sopran- und Altblockflöte; sie führte auch auf kundige Weise in das Wirken der Komponisten ein, deren Werke sie aufführte.

Mit Francesco Veracini und Georg Philipp Telemann waren dies auch zwei Musiker, die bereits zum Barock gehören und von daher auch dem allgemeinen Publikum bekannter sind.

Komponisten neu entdecken

Die anderen Komponisten, überwiegend Spanier, gab es an diesem Abend sozusagen zu entdecken. Der Gitarrist Humberto Quesquen, aus Peru gebürtig, entstammt diesem Kulturkreis und konnte auch Erhellendes zu den Instrumenten sagen, die er spielte. Auffallend war da vor allem die Renaissancelaute, deren Herkunft aus dem Arabischen sicher nicht jedem vertraut war, sowie die Vihuela, das als spanisches Pendant zur arabischen Laute entstand.

Mehr Info gewünscht

Zu den Werken der Renaissancekomponisten selbst hätte man sich vielleicht etwas mehr Information vorstellen können, gerade weil sie weniger bekannt sind. Einen unmittelbaren Blick in die Herkunftszeit und deren geschichtlichen Kontext gewährte zum Beispiel eine „Cancion”, eine feierliche Weise, die Luiz de Narvaez zu Ehren des Kaisers (und spanischen Königs) Karl V. schrieb.

Spuren der geschichtlichen Entwicklung zeigten sich auch in einigen Stücken des in die Niederlande geflohenen französischen Lautenkomponisten Nicolas Vallet.

Aus den Niederlanden stammt auch Jacob van Eyck, der Glockenspieler des Utrechter Doms. Er ging in die Musikgeschichte ein als Verfasser der größten Sammlung von Stücken für die Sopranblockflöte. Ein Beispiel daraus spielte Annette Bock mit dem „Engels Nachtegaeltje”.

Diese „englische Nachtigall” konnte durch ihre virtuosen Verzierungen und Sprünge begeistern.

Die musikalische Reise in eine etwas entfernte Welt konnte wiederum vom Spürsinn der Organisatoren der Evangelischen Kirchengemeinde überzeugen, die immer wieder Neues und Interessantes ins Monschauer Land bringen. Die dankbaren Zuhörer hörten als Zugabe noch einige Variationen über das bekannte englische Volkslied „Greensleeves”.
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