Roetgen - Neues Wohnheim für Flüchtlinge geplant

Neues Wohnheim für Flüchtlinge geplant

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
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Das Wohnheim auf dem Kuhberg in Roetgen: Die alte Unterkunft soll durch eine neue ersetzt werden. Ein Favorit für den neuen Standort ist die Pilgerbornstraße. Foto: A. Gabbert

Roetgen. Ein neues Wohnheim für Flüchtlinge soll die alte Unterkunft der Gemeinde Roetgen auf dem Kuhberg ersetzen. Das Thema hat der Gemeinderat im nichtöffentlichen Teil seiner letzten Sitzung diskutiert. Dabei wurde neben dem Ersatz für das Wohnheim Kuhberg die Möglichkeit des Baus eines weiteren Wohnheims für Flüchtlinge ins Spiel gebracht.

„Wir wissen nicht, wie viele Flüchtlinge der Gemeinde in der Zukunft noch zugewiesen werden. Deshalb müssen wir verschiedene Szenarien durchspielen und uns verschiedene Optionen offenhalten, um dem Bedarf gegebenenfalls gerecht zu werden“, teilte Bürgermeister Jorma Klauss auf Anfrage mit. Einen Beschluss gebe es noch nicht. Eine Betrachtung der Wirtschaftlichkeit müsse noch erfolgen, dann werde in einer Sondersitzung des Rates entschieden, ob die Gemeinde den Ersatz für das Wohnheim Kuhberg errichten werde, oder ob man einen Investor für das Vorhaben suchen werde.

Mögliche Standorte

Am Montag, 4. Januar, um 19 Uhr wird es zunächst aber eine Informationsveranstaltung für die Bürger im Bürgersaal geben. „Wir wollen aufklären, Ängste nehmen und gut informieren“, sagt der Leiter des Sozialamtes, Dirk Recker.

Mögliche Standorte für die neue Unterkunft seien durch die Arbeitsgruppe „Flüchtlingsunterbringung“, in der Mitglieder der Verwaltung, der Fraktionen und des Flüchtlingsrates vertreten sind, in einem „mühevollen Prozess“ erarbeitet worden, hatte Recker bei der ersten Vorstellung der Pläne im Haupt-, Finanz- und Beschwerdeausschuss gesagt.

Priorisiert werde dabei ein Standort an der Pilgerbornstraße. Alternativ habe man zwei Standorte an der Bundesstraße, einen an der Rosentalstraße und einen im Gewerbegebiet ins Auge gefasst. Entscheidende Kriterien seien dabei der Grundstückspreis, den durch die Lage bestimmten Integrationsfaktor, die zeitliche Nutzbarkeit und die baulichen Möglichkeiten.

„Momentan hat der Gesetzgeber die Tür sehr weit geöffnet“, sagt der Leiter der Bauaufsicht der Städteregion Aachen, Norbert Langohr aus Roetgen. Bei der Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge sei zurzeit vieles möglich, der Gesetzgeber sei bei der Auslegung der planungsrechtlichen Bestimmungen großzügig. Eine Novelle des Planungsrechts lasse viele Erleichterungen zu.

Das Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW habe besondere Anreize geschaffen, um den Bedarf frühzeitig decken zu können. Dazu zählen zum Beispiel günstige Darlehen. Keinerlei Abstriche dürften aber beim Brandschutz gemacht werden. „Die Sicherheit muss gewährleistet sein“, sagt Langohr. Außerdem sei das Gebot der Rücksichtnahme zu beachten.

Die Aufgabe des Wohnheims Kuhberg hält Langohr im Rahmen der Integration für sinnvoll. „Das ist eine gute Entscheidung“, sagt Langohr. Bedenken gegen den Bau eines neuen Flüchtlingswohnheims gibt es aus seiner Sicht weder an der Pilgerbornstraße, noch an der Bundes- oder an der Rosentalstraße. Auch die Ansiedlung in einem Gewerbegebiet sei, vorbehaltlich einer abschließenden Prüfung, möglich.

An den genannten Standorten seien sowohl die Nutzung einer Bestandsimmobilie als auch ein Neubau möglich. „Das Vorhaben ist genauso einzuordnen wie der Bau eines Altenheims“, sagt Langohr. „Für die Bauaufsicht macht es bei der Betrachtung des Vorhabens keinen Unterschied, ob ein Senioren-, Kinder- oder Flüchtlingswohnheim gebaut werden soll. Die Anforderungen sind ähnlich.“

Aus seiner persönlichen Sicht hält Langohr den Bau eines Flüchtlingswohnheims in einem Wohngebiet mit Blick auf die Integration für wünschenswert. „Integration kann es ja nur geben, wenn die Flüchtlinge da wohnen, wo auch Menschen leben.“ Die Frage, ob so nicht ein sozialer Brennpunkt geschaffen werde, sei ein politisches Thema und nicht Sache der Bauaufsicht, sagt Langohr. Anzustreben sei aber eine „verträgliche Durchmischung“. Mögliche Ausschlusskriterien seien beispielsweise der Bau im Außenbereich, in einem Landschaftsschutzgebiet „oder da, wo gesundes Wohnen nicht möglich ist“. Im Ortsbereich der Gemeinde Roetgen gebe es aber keine erkennbaren Ausschlusskriterien, sagt Langohr.

Auch für Investoren könne die Sache interessant sein, erläutert der Chef der Bauaufsicht. „Da sollte man sich nicht vor verschließen.“ Hier sei eine Förderung durch die NRW-Bank möglich.

Folgenutzung möglich

Sollten die Flüchtlingszahlen irgendwann wieder sinken, sei auch eine Folgenutzung des Gebäudes möglich, zum Beispiel als Altenheim. „Das hängt von der Planung des Architekten ab“, sagt Langohr. Für die Bauaufsicht spiele dies zunächst keine Rolle, deren Fokus liege auf der beantragten Nutzung. „Am besten kommt man mit dem ersten Planungsentwurf zur Beratung der Bauaufsicht. Das ist für beide Seiten das Beste“, sagt Langohr.

Die Bauaufsicht der Städteregion biete dienstags in den Kommunen auch Beratungstermine an. Dies sei zeitintensiv aber biete auch einen hohen Bürgerservice. Außerdem würde die Zahl der Negativ-Bescheide durch die Beratungen sinken.

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