Neues Werk über die Siedlung Reinartzhof räumt mit Legenden auf

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Das Buch „Reinartzhof und Hattlich“ präsentieren (v. li.): Elmar Neuß, Anneliese Steinröx, Franz Wilhelm Hermanns und Guido Bertemes. Foto: P. Stollenwerk
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Die Idylle täuscht: Die Aufnahme zeigt den Oberhof der Siedlung Reinartzhof im Hohen Venn kurz vor dem Abriss.

Monschau. Es ist erst gut 40 Jahre her, dass die letzten Bewohner die bäuerliche Siedlung Reinartzhof im Hohen Venn, gelegen auf belgischem Gebiet am Pilgerweg nahe Roetgen-Schwerzfeld, verlassen haben. Der Bau der unterhalb gelegenen Wesertalsperre Eupen und der damit verbundene Trinkwasserschutz waren der offizielle Grund dafür, dass die beiden großen Höfe geräumt werden mussten, da sie im Wassereinzugsgebiet der neuen Talsperre lagen.

Heute würde man sicherlich technisch und politisch umsetzbare Lösungen finden, um den Bestand der Höfe zu sichern, selbst wenn die Fortführung eines landwirtschaftlichen Betriebes im Hohen Venn wohl schwierig geworden wäre.

Inzwischen führt der Eifelsteig an der ehemaligen Kulturstätte vorbei und der Wanderer fragt sich, wie die Menschen hier in der Einsamkeit des Venn wohl gelebt haben? Realität ist, dass heute nur noch Mauerreste, eine Kapelle und eine Gedenkstätte an die Siedlung erinnern.

Nun ist in Form eines Buches eine umfassende geschichtliche Darstellung des Reinartzhofes von den Anfängen bis zum Ende erschienen, die die wechselhafte Geschichte der Siedlung deutlich macht. Sie stammt aus der Feder von Hans Steinröx, dem verstorbenen langjährigen Vorsitzenden (1965 - 1984) des Geschichtsvereins des Monschauer Landes.

Das Buch beschreibt zudem ausführliche die Geschichte von Alt-Hattlich, einer weiteren Kulturstätte im Hohen Venn. Die im Eupener Grenz-Echo Verlag (GEV) erschienene heimatgeschichtliche Abhandlung wurde jetzt in der Gaststätte Zur Buche in Mützenich der Öffentlichkeit vorgestellt.

Hans Steinröx, der im Jahr 2000 verstarb und vorigen Monat 100 Jahre alt geworden wäre, hatte umfangreiches Material über den Reinartzhof und Hattlich zusammengetragen, das auch in den Jahren 1982 und 1993 bereits im Jahrbuch „Geschichtliches Eupen“ erschienen ist.

Nun erfolgt auf Initiative des Geschichtsvereins auch eine für die Leser im Monschauer Land zugängliche Veröffentlichung. GEV-Verlags-Geschäftsführer Guido Bertemes bezeichnete das Buch als interessante Lektüre nicht allein für Geschichts-Interessierte und konnte sich eine weitere Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein des Monschauer Landes gut vorstellen.

Autor Hans Steinröx war diese Veröffentlichung seiner Arbeit zu Lebzeiten zwar nicht mehr vergönnt, doch Dr. Elmar Neuß, der Vorsitzende des Geschichtsvereins, zog in Anwesenheit von Witwe Anneliese Steinröx dennoch zufrieden einen Schlussstrich: „Was lange währt, wird endlich gut.“

Das späte Erscheinen des Buches habe auch durchaus seine Vorteile: Die Veröffentlichung sei durch inzwischen dazu gewonnenen Informationen über Reinartzhof und Hattlich umfangreicher, präziser und ausführlicher geworden. Hans‘ Steinröx Beiträge wurden unter Mitwirkung von Franz Wilhelm Hermanns und Elmar Neuß bearbeitet.

Der Vorsitzende blickte zurück auf die Entstehungsgeschichte der beiden Kulturstätten. Heute sei es kaum vorstellbar, dass im 15. Jahrhundert zu Zeiten der Aachener Heiligtumsfahrt Massen von Pilgern (die Rede ist von bis 10.000 Menschen täglich) auf der wichtigsten Verbindung von Trier nach Aachen verkehrten und dabei auch die Siedlung Reinartzhof berührten, die zur Zeit des Mittelalters eine Klause oder Einsiedelei gewesen sein muss.

Da der Reinartzhof zum Herzogtüm Jülich zählte und Hattlich zum Herzogtum Limburg, gab es zwischen den beiden Siedlungen keine Berührungspunkte.

Die Legende vom „Glöckchen“

Was das Buch in besonderem Maße auszeichne, betonte Elmar Neuß, sei die Tatsache, dass es mit einigen Legenden, Irrtümern und Fehlinformationen aufräume, da inzwischen neue Quellen erschlossen worden seien. Neuß: „In dieser Ausführlichkeit haben die beiden Plätze ein Denkmal gefunden, das sich sehen lasen kann.“

Einer der am hartnäckigsten wiederholten altvertrauten Irrtümer betrifft die Geschichte über das „Glöckchen vom Reinart.“ Die Glocke vom Reinartzhof, die einst Pilger vor den Gefahren des Moores warnen sollte, soll der bisher bekannten Legende nach ihren Weg in den Glockenturm der alten Monschauer Pfarrkirche gefunden haben.

Dafür aber, so stellte Hans Steinröx fest, gebe es keinerlei verlässliche historische Quellen. „Nur mit „großem Wohlwollen“ lasse sich sagen, dass es sich „möglicherweise“ um die Glocke vom Reinartzhof handele.

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