Neuer Milch-Automat: Frisch gezapft und ganz ursprünglich

Von: Annika Kasties
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Auch in Monschau gibt es jetzt einen Automat, an dem Menschen rund um die Uhr ihre Milch zapfen können.
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Kein Nachfolger in Sicht: Erika und Helmut Schreiber sind Landwirte aus Überzeugung. Doch auch bei ihnen ist die Zukunft des Bauernhofes unsicher. Viele Betriebe in der Eifel werden ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren schließen müssen. Foto: Annika Kasties
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Auch in Monschau gibt es jetzt einen Automat, an dem Menschen rund um die Uhr ihre Milch zapfen können.

Konzen. Früher war es der Traumurlaub vieler Kinder. Ein Bauernhof mitten im Grünen, mit Tieren, die stets bereit sind, ihr weiches Fell zahlreichen Kinderhänden für Streicheleinheiten zur Verfügung zu stellen. Das Frühstücksei vom freilaufenden Huhn, die Milch fürs Müsli frisch von der Kuh gemolken. Zeiten ändern sich. Und die Realität der Landwirte sieht längst nicht so rosig aus, wie es durch verklärende Kinderaugen aussehen mag.

Das weiß man auch am Hof der Familie Schreiber. Der Familienbetrieb an der B258 in Konzen besteht mittlerweile in der fünften Generation. 1986 hat Helmut Schreiber den landwirtschaftlichen Milchviehbetrieb von seinem Vater übernommen. Der Landwirt schätzt die Selbstständigkeit, die ihm sein eigener Hof bietet. „Man ist sein eigener Chef, wird nie arbeitslos, verbringt viel Zeit an der frischen Luft und hat jeden Tag mit den Tieren zu tun“, zählt er die Vorteile seiner Profession auf.

Zukunft unsicher

Doch auch bei Familie Schreiber ist die Zukunft des landwirtschaftlichen Betriebs unsicher. Einen Nachfolger gebe es nicht. Die Kinder von Erika und Helmut Schreiber zeigen bisher wenig Interesse daran, es ihrem Vater gleich zu tun und den Hof später zu übernehmen. Bei vielen Betrieben in der Nordeifel sehe es ähnlich aus, weiß Erika Schreiber. Nicht alle könnten verpachtet werden. „In den nächsten fünf bis zehn Jahren werden viele Betriebe schließen müssen“, ergänzt Helmut Schreiber.

Zwischen 1200 und 1300 Liter Milch am Tag produzieren die 50 Kühe am Hof Schreiber. Der Großteil geht direkt an die Molkerei. Seit einigen Tagen gibt es die Milch jedoch auch frisch gezapft und auf vier Grad gekühlt in einer kleinen Hütte im Eingangsbereich des Bauernhofes. Und das rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag. Ein Milchautomat machte_SSRqs möglich.

Unabhängig von gesetzlichen Öffnungszeiten können Menschen hier frischgemolkene Milch abfüllen – in Glasflaschen, die sie vor Ort kaufen können oder auch in selbst mitgebrachten Behältern. Die Milch kommt frisch von den Kühen und ist unbehandelt. Erika und Helmut Schreiber weisen deshalb darauf hin, dass sie vor dem Verzehr auf 70 Grad erhitzt werden sollte.

Auch in Kalterherberg steht seit rund einem Jahr ein Automat bereit, an dem Passanten ihre Milch täglich frisch zapfen können. Das Experiment hat sich bestens bewährt. Der Milchautomat als neuer Trend in der Landwirtschaft? So weit wollen Helmut und Erika Schreiber nicht gehen. Die Investition lohne sich ihrer Meinung nur bei guter Lage des Bauernhofes.

Die Milchautomaten sind für Landwirte eine Möglichkeit, ein Stück Selbstbestimmung zurückzuerlangen. Den Liter Milch gibt es am Automaten der Familie Schreiber für einen Euro. Das übersteigt den aktuellen Marktpreis deutlich. Pro Liter, den seine Milchkühe produzieren, erhält Helmut Schreiber von der Molkerei derzeit knapp unter 30 Cent. Nach Abzug der Betriebskosten bleibe da nicht mehr viel übrig. Der Milchpreis sackt immer mehr in den Keller und macht vielen Bauern zu schaffen. „Davon kann kein Hof auf Dauer leben“, betont Erika Schreiber. Anfang der 90er Jahre habe der Preis noch bei knapp 90 Pfennig gelegen. „Und seitdem haben wir viel höhere Ausgaben für Strom und den Unterhalt des Bauernhofes allgemein“, sagt sie.

35 Liter am Tag

Bisher komme der Milchautomat bei den Kunden gut an. Rund 35 Liter werden am Tag abgezapft. Beim Lebensmitteldiscounter, der nur wenige hundert Meter entfernt mit Tiefpreisen lockt, gibt es den Liter Milch schon für 55 Cent. Erika Schreiber macht sich um die vermeintliche Konkurrenz dennoch keine Sorgen. Auch wenn auf dem Karton beim Discounter „Frischmilch“ draufstünde, habe diese wenig mit dem ursprünglichen Produkt gemein: „Wir sehen jeden Tag, wie viele Menschen frische Milch haben wollen, die noch ganz ursprünglich schmeckt. Wenn Milch pasteurisiert und ultrahocherhitzt wird, verändern sich schließlich auch die Inhaltsstoffe und Vitamine.“

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