Neuer Großangriff auf „schwarze Schafe“ im Verkehr

Von: Heiner Schepp
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Kontrolle Eifel
Stichprobenartig winkte die Polizei am Sonntag auch in Höhe Ehrenfriedhof oberhalb von Rurberg zahlreiche Motorradfahrer aus dem Verkehr und kontrollierte Papiere und Technik. Foto: Heiner Schepp
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Auch unterhalb der „Schönen Aussicht“ (Bild) und am Ortsausgang von Kesternich hatte die Polizei am Sonntag Messstellen eingerichtet. Foto: Heiner Schepp
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Auch unterhalb der „Schönen Aussicht“ und am Ortsausgang von Kesternich (Bild) hatte die Polizei am Sonntag Messstellen eingerichtet.

Nordeifel. Mit den Temperaturen steigt in der Eifel reflexartig die Zahl der Motorradfahrer auf den Straßen und nimmt die Diskussion über das Motorradfahren in der Eifel mit all seinen Begleiterscheinungen an Schärfe zu.

Doch nicht nur die öffentliche Debatte, die im Zeitalter von sozialen Netzwerken und Internetforen manchmal die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet, sondern auch nackte Zahlen belegen, dass die noch junge Motorradsaison keine Besserung gebracht hat: mehr Unfälle, mehr Verletzte und vor allem deutlich mehr Beschwerden über rücksichtlose Fahrer und unerträglichen Lärm melden die Behörden.

Über 1000 Verstöße

Diese Fakten sind auch dem höchsten Beamten der Polizeibehörde in der Städteregion Aachen nicht entgangen. Und so gesellte sich am Sonntag Polizeipräsident Dirk Weinspach persönlich zu seinen rund 20 Kollegen, die rund um den Rursee ihre Kontrollstellen eingerichtet hatten. „Linksrheinischer Qualitätszirkel“ hat die Polizei die gezielten Kontrollaktionen ihrer Behörden in Düren, Euskirchen und Aachen getauft, und am Sonntag ging bereits die sechste Aktion dieser Art im Aachener Bereich über die Bühne.

„An den bisherigen fünf Aktionstagen haben wir insgesamt 1111 Maßnahmen infolge von Verstößen jedweder Art ergreifen müssen. An weiteren 19 Tagen wurden bei kleineren Kontrollaktionen 685 Maßnahmen veranlasst“, hatte Weinspach Zahlen parat. „Wir nehmen das nicht hin, dass sich Einzelne hier einfach über Gesetze hinwegsetzen und Verkehrsregeln nicht beachten“, sagte der Polizeipräsident und verwies auch auf eine erhebliche „Steigerung von 45 Prozent bei Motorradunfällen im gesamten Land“.

Was die Polizei dagegen machen könne sei, den Kontrolldruck weiter zu erhöhen, auch wenn sich an Tagen wie Sonntag die Vielzahl von Kontrollstellen rasch in Motorradkreisen herumspreche, so der „PP“.

Dessen Besuch erfreute auch den Simmerather Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns. „Dass Herr Weinspach sich persönlich einen ganzen Sonntag Zeit nimmt, um die Aktion zu begleiten, zeigt, dass die Problematik hier in der Eifel auch am Leiter der Polizeibehörde nicht vorbeigeht“, so Hermanns, dem ausdrücklich „nur die zu lauten und zu schnellen Fahrer ein Dorn im Auge sind (siehe „Kurz gefragt“).

db-Eater abgesägt

Bei den Kontrollen lag das Augenmerk nicht nur auf dem Erfassen von überhöhter Geschwindigkeit und gefährlichen Fahrmanövern, sondern auch auf der Belästigung durch zu laute Motorräder. Allerdings hat die Polizei hier noch kaum eine rechtliche Handhabe gegen lärmende Fahrer, so Polizeirätin Svende Friedrichs, die Leiterin der Direktion Verkehr.

„Hier muss der Gesetzgeber noch nachbessern, damit die Polizei gerichtsfest leichter feststellen kann, wenn jemand zu laut unterwegs ist“, so Friedrichs. Das gelang am Sonntagmorgen nur in einem Fall, als ein Kradfahrer aus den Niederlanden bei einer technischen Kontrolle durchfiel: Der Mann hatte den sogenannten db-Eater zur Geräuschdämpfung seiner Maschine abgesägt.

Der Niederländer musste 100 Euro berappen und muss demnächst den Nachweis erbringen, dass der Absorber wieder ordnungsgemäß den Lärm frisst. Immerhin durfte der Erwischte seine lärmende Karre noch nach Hause fahren – „allerdings auf dem kürzesten Weg“, so die Polizeirätin.

134 km/h statt 50

Am Abend legte die Polizei dann eine doch wieder einmal beeindruckende Bilanz des Tages vor – obschon man wegen der hohen Verkehrsdichte zu Tagesbeginn von weniger Verstößen ausgegangen war: „Insgesamt wurden heute 488 Verstöße durch die Polizei festgestellt und verfolgt. Dabei fielen 94 Motorradfahrer und auch 359 Autofahrer durch zu hohe Geschwindigkeit auf; sieben Fahrer erwartet infolgedessen ein Fahrverbot“, bilanzierte Polizeipressesprecher Andreas Müller am Abend.

Der Spitzenreiter des Tages war auf seinem Motorrad mit sage und schreibe 134 km/h unterwegs; 50 wären dort erlaubt gewesen. Der schnellste Autofahrer wurde heute mit 107 km/h gemessen, ebenfalls bei zulässigen 50.

Die restlichen 35 Verstöße kamen unter anderem durch zu laute Auspuffanlagen, falsche Bereitung und unzulässig angebrachte Kennzeichen zustande. Bei einem Rollerfahrer schlug zudem der Drogenvortest an. Ein Arzt entnahm ihm eine Blutprobe, die Polizei nahm ihm den Führerschein ab. Ein weiterer Fahrer war von vorne herein ohne Führerschein unterwegs; auch ihn erwartet nun eine entsprechende Anzeige.

Am Ende des Tages stand ein Versprechen der Polizei. Andreas Müller: „Für das laufende Jahr sind weitere regelmäßige Kontrolltage im Rahmen des „Linksrheinischen Qualitätszirkels“ geplant.

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