Neue Zielgruppen: Festspiele sind in der Eifel angekommen

Von: Peter Stollenwerk
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Viele stimmungsvolle musikalische Momente erlebten die Zuschauer beim Monschau-Festival. Bei „Höhner meets Classic“ leuchteten die Handys auf, und die Kölner Kultband versprach, dass sie 2018 zum dritten Mal nach Monschau kommen wird. Foto: Stollenwerk
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Ein flotter und unterhaltsamer Abschlussabend der Festspiele 2017: Die Johnny-Cash-Roadshow würdigte mit ernsthafter Authentizität das musikalische Werk ihres großes Vorbildes. Foto: Stollenwerk
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Ian Anderson ist das Gesicht von „Jethro Tull“. Die legendäre Rockband spielt am 17. August 2018 beim Monschau-Festival auf der Burg. Foto: Monschau-Festival

Monschau. Rund 300 Karten sind bereits für das Monschau-Festival 2018 verkauft, das im kommenden Jahr vom 17. bis 26. August auf der Burg stattfindet. Noch während der laufenden Veranstaltung startete bereits der Vorverkauf für „Höhner meets Classic“ am 25. August 2018. Es dürfte also wieder eine volle Hütte im Burghof geben.

Getreu dem Motto „Nach dem Festival ist vor dem Festival“ verkündeten die Veranstalter bereits eine weitere Verpflichtung, die aufhorchen lässt. Die legendäre Rockband Jethro Tull macht am Freitag, 17. August 2018, im Rahmen ihrer Welttournee zum 50. Bandjubiläum Station in Monschau.

Mit der Johnny-Cash-Roadshow endete am Sonntag das 18. Monschau-Festival, und Dorit Schlieper, Geschäftsführerin der Festival GmbH, stand noch ganz unter dem emotionalen Eindruck der zurückliegenden acht Veranstaltungen mit zusammen fast 11.000 Besuchern. Bis auf die Roadshow und die Vicky-Leandros-Gala waren alle Veranstaltungen ausverkauft.

Sie spricht von einer „stetigen Entwicklung“ der Festspiele seit dem Jahr 2000. Durch die neue Konzeption, das Programm in erster Linie an den Wünschen des Publikums zu orientieren, habe man neue Zielgruppen erreicht, und die Veranstaltung sei inzwischen in der Region angekommen. Beim anfangs verfolgten reinen Klassik-Programm lag der Anteil der Besucher aus der Eifel unter fünf Prozent.

„In allen Bereichen“ habe sich die Veranstaltung verbessert, was die Zustimmung beim Publikum auch widerspiegele, sagt Schlieper. Für das nächste Jahr sind wieder acht Termine geplant, darunter zwei mit klassischer Note.

Als „große Errungenschaft“ in diesem Jahr bezeichnet die Festival-Geschäftsführerin den erstmaligen Abschluss einer Regenausfallversicherung, auch wenn die Veranstalter diesmal Glück mit dem Wetter hatten. Auf wie dünnem Eis sich der Veranstalter aber bislang bewegt hat, macht Dorit Schlieper klipp und klar deutlich: „Wenn auch nur eine Veranstaltung wetterbedingt hätte ausfallen müssen, wären wir insolvent gewesen.“

„Auch viele Künstler schätzen die Atmosphäre auf der Burg“, weiß die Geschäftsführerin, und in diesem Jahr seien die Gäste auf der Bühne durchweg „pflegeleicht“ gewesen, auch wenn man darüber gestaunt habe, dass Patricia Kaas sogar eine eigene Waschmaschine mitgebracht habe.

Dass die Veranstaltung so „ruhig und harmonisch“ abgelaufen sei, ist für Dorit Schlieper vor allem das Ergebnis einer großen Mannschaftsleistung. „Allen Leuten, die daran mitgearbeitet haben und dieses Festival auf die Beine stellen, vom städtischen Bauhof bis zur Jugendherberge, gehört der größte Dank.“

Für Dorit Schlieper selbst war das Konzert mit Angelo Branduardi der nachhaltigste Moment der Festspiele 2017, da die leicht mystische Musik des Künstlers mit dem alten Burggemäuer eine perfekte Einheit gebildet habe.

Ganz andere Töne klangen zum Abschluss am Sonntagabend an. Nachdem die Vorgruppe „Knock on Wood“ aus Bad Münstereifel die knapp 1000 Besucher mit Folkrock auf Temperatur gebracht hatte, erklangen dann erstmals fette Country-Töne auf der Burg. Die Johnny-Cash-Roadshow machte Station in Monschau. In ihren weißen Jacketts gab die Truppe, die aus insgesamt sieben Mitwirkenden bestand, ein schickes Bild ab. Die Gruppe verwaltet recht authentisch das musikalische Erbe des im Jahr 2003 gestorbenen Johnny Cash, einem der einflussreichsten amerikanischen Country-Sänger. Aber wie will man diesem Erbe gerecht werden?

Nahe am Original mit eigenen Akzenten

Die Road-Show versucht, nahe am Original zu sein, setzt aber auch eigene Akzente. Die unendliche Tiefe der Bass-Bariton-Stimme von Johnny Cash ist ohnehin nicht kopierbar, und nicht minder hoch ist der Anspruch, dem typischen und hoch entspannten Cash-Sound, den dessen Begleitband „The Tennessee Three“ geprägt hat, gerecht zu werden. Letzteres gelang recht gut, wenn auch nicht ganz so leichtfüßig, dank Gitarrist Nick Davis, der eine Klasse für sich war.

Mit dem „Folsom Prison Blues“ und der darin enthaltenen berühmten Textzeile „But I shot a man in Reno, just to watch him die“, dem „Man in Black“ und „Jackson“, dem bissigen Sprechgesang-Dialog zwischen Johnny Cash und seiner Ehefrau June Carter, legte die Truppe gleich mit drei Hits los. Im Blickpunkt stand Clive John, der die Gestik seines Vorbildes perfekt einstudiert hatte und einen gesanglich gepflegten Part ablieferte, ebenso auch Amanda Stone als June-Carter-Kopie. „I Walk The Line“ und „San Quentin“, der Titelsong des gleichnamigen Albums, das Johnny Cash, der sich gerne das Image des Gesetzlosen gab, in einem kalifornischen Gefängnis aufnahm, bildeten weitere Höhepunkte des Konzerts mit Musical-Charakter.

Während der zweieinhalbstündigen Show blieb es nicht aus, dass die üblichen Country-Klischees bedient wurden, aber zum Glück hielt die Roadshow sich fern von Cowboys und Square-Dance, stattdessen wagte man sich sogar an das Alterswerk von Johnny Cash, den American Recordings. Auf diesen sparsam arrangierten Aufnahmen hört man Johnny Cash, von Krankheit bereits gezeichnet, mit brüchiger Stimme und einer ergreifenden Intensität. Mit dieser musikalischen Reverenz überforderte sich die Road-Show allerdings ein wenig, wurde doch das sanfte und schwermütige „Hurt“ von nervigem Bassgebrumm überlagert.

Mit einer rasanten Interpretation von „A Boy Named Sue“ und dem mit atemberaubenden „Orange Blossom Special“ bog die Road-Show dann in die Zielkurve ein, und beim abschließenden Superhit „Ring Of Fire“ hielt es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen, das gut gelaunt, leicht unterhalten und mit Vorfreude auf das nächste Festival die Burg Monschau verließ.

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