Neue Niere: Nach Transplantation Schlagzeugschule eröffnet

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Zuversichtlich am Tag der letz
Zuversichtlich am Tag der letzten Dialyse: Eshan Khadaroo und seine Mutter Catherine Koschmieder, die mit der Nierenspende ihrem Sohn ein zweites Mal das Leben schenkte.

Roetgen. Die Diagnose traf ihn buchstäblich wie ein Hammer: Während einer Tournee mit der international gefeierten Zirkuskünstlertruppe Cirque Du Soleil an der amerikanischen Westküste wurde beim Roetgener Profimusiker Eshan Khadaroo chronisches Nierenversagen aufgrund eines genetischen Defekts festgestellt.

Das ist jetzt rund zwei Jahre her. Zwischen Eshans schwärzestem Tag im US-Sonnenstaat Kalifornien und heute liegen nunmehr 20 Monate Dialyse und eine geglückte Nierentransplantation vor wenigen Wochen. Organspenderin war keine Geringere als Eshans Mutter, Catherine Koschmieder, ebenfalls wohnhaft in Roetgen.

Der heute 36-jährige Profi-Schlagzeuger erinnert sich noch gut an die dramatischen Ereignisse von San Diego, wo er mit Cirque Du Soleil gastierte und nach einer Freitagsshow „mit wahnsinnigen Schmerzen” nach Hause fuhr.

Blutdruck: 260 zu 150

„Ich dachte aber, es wären Verspannungen vom Schlagzeug spielen, die sich da aus den Armen über Schulter und Brust bis in die Nierengegend zogen”, erzählt der gebürtige Brite. Bei einer Untersuchung am nächsten Tag traute die mitreisende Physiotherapeutin der Band ihren Augen nicht, als sie Eshans Blutdruck überprüfte: 260 zu 150 lautete das Ergebnis, „sie hat noch dreimal nachgemessen”, erinnert sich Khadaroo.

Dann ging alles ganz schnell: Notarzt, Krankenhaus und dort die erschütternde Diagnose: beidseitiges Nierenversagen. Eshan erfuhr erstmals in seinem Leben, was Dialyse heißt, und diese bestimmte auch nach der Rückkehr nach Deutschland fortan sein Leben.

Alle zwei Tage ins Klinikum

Alle zwei Tage ging es zur „Blutwäsche” ins KfH Nierenzentrum in Vaalserquartier, dreimal in der Woche musste er einen kompletten Vormittag für die Behandlung in Aachen einrechnen, jede Woche, ohne Ausnahme. „15 Jahre lang war ich auf Bühnen in der ganzen Welt aufgetreten, und plötzlich war ich wie in einem Gefängnis. Diese Umstände erlaubten es Eshan Khadaroo kaum noch, seine Musikerkarriere, die mit einem zweijährigen Engagement bei der weltbekannten „Blue Man Group” ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hatte, voranzutreiben, und auch sonst blieben nur beschränkt Energie und Zeit, um zu arbeiten.

Natürlich war im Familien- und Freundeskreis früh über eine Transplantation gesprochen worden, „aber da bei mir ein genetischer Defekt die Ursache war, überwog meine Angst, dass ich mit einer Transplantation ein anderes Familienmitglied gefährden könnte.”

Der Wendepunkt war dann die Schwangerschaft seiner Frau Judith Rhie. Der Gedanke, bald Vater zu werden, führte Eshan vor Augen, „dass es so nicht weitergehen konnte mit einem Leben, das von der Dialyse geprägt war”. Auch ein sehr persönliches Gespräch mit einem ebenfalls noch jungen, erfolgreich operierten Nierenspendenempfänger ließ den damals 35-Jährigen umdenken. Als dann im Juni 2011 seine Mutter ihm erneut anbot, Eshan eine Niere zu spenden, entschied er sich nach langem Überlegen dafür, das Angebot anzunehmen.

Sowohl Eshan als auch seine Mutter mussten sich einer Reihe von Voruntersuchungen und einer wahren Ärzte-Odyssee unterziehen bis es nach rund sechs Monaten so weit war: Im Januar 2012 fand die Transplantation in der Kölner Uniklinik statt und alles verlief ohne größere Komplikationen. Über die normale Transplantationsliste hätte er zwischen sieben und neun Jahren auf eine neue Niere warten müssen - nun teilte er sich das lebenswichtige Organ mit seiner eigenen Mutter. „Es ging ihr anfangs nicht so gut nach der Transplantation”, erzählt Eshan Khadaroo, doch schließlich erholte sich auch die sportliche 60-Jährige vom gewaltigen Eingriff und dem Teilverlust eines Organs. „Inzwischen macht sie wieder ihr volles Sportprogramm”, freut sich der Sohn, der bei der Nachsorgeuntersuchung letzte Woche nur Gutes hörte und fast schon euphorisch klingt, wenn er sagt: „Die Niere läuft super, alles ist cool!”

Erste Schritte bei der BMV

Zu seinem Wohlbefinden hat natürlich auch die Geburt seiner Tochter Lucy beigetragen, die übrigens kerngesund ist und den genetischen Defekt nicht geerbt hat, „Gott sei Dank”, wie Eshan sagt.

Nun kann Eshan sich ganz darauf konzentrieren, seinen langjährigen Traum zu verwirklichen: Anfang Mai wird der 36-Jährige seine eigene Schlagzeugschule in Roetgen eröffnen. Im Gewerbegebiet besitzt er ein erstklassig ausgestattetes Studio mit einer großen Auswahl an Schlagzeug- und Percussioninstrumenten wie auch mit einem integrierten Computerstudio, mit dem er spezifische Übungen für den Unterricht programmieren kann.

Eshan, der mit zwölf Jahren an der Wirbeltrommel bei der Blasmusikvereinigung Strauch (circa 1987) seine ersten musikalischen Gehversuche machte und später in mehreren Schulbands am Vossenacker Gymnasium trommelte, ist stolz darauf, seinen Mitmenschen in der Eifel und im Raum Aachen sein Wissen über Rhythmus weitergeben zu dürfen, um somit auch eine neue Phase in seinem Leben einleiten zu können. „Meine Geschichte hat mir gezeigt, dass man keine Zeit verlieren sollte, seine Träume zu verwirklichen. Keiner weiß schließlich, ob man morgen noch in der Lage dazu sein wird!”

Wer noch mehr erfahren möchte über die Schlagzeugschule und über Eshans spannendes Musikerleben, findet dazu alles auf seiner Website.
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