Neue Hörstation für Sehbehinderte im KuK

Von: hes
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Erste Hörprobe: Bettina Herlitzius, die Leiterin des Inklusionsamtes bei der Städteregion Aachen, und KuK-Leiterin Nina Mika-Helfmeier möchten mit der Hörstation im KuK auch sehbehinderten Menschen die kulturelle und emotionale Auseinandersetzung mit der Kunst im Zentrum ermöglichen. Foto: Heiner Schepp

Monschau. „Elliott Erwitt verkörpert einen Typus von Fotograf, der sein Herz nahe am Auge hat und damit etwas sieht, was wir alle oft übersehen: die kleine Komik und subtile Leidenschaft des Alltags, die winzigen Momente, in denen Gesten und Mienen mehr sagen als tausend Worte.“

So heißt es in der Beschreibung der vielbeachteten Ausstellung, die derzeit im Monschauer Kunst- und Kulturzentrum (KuK) zu sehen ist.

Doch was der weltbekannte Fotograf durch sein Objektiv und 2500 Besucher alleine in den ersten vier Wochen auf 150 großformatigen Bildern im KuK gesehen haben, das bleibt Menschen mit einer Sehbehinderung verwehrt. „Was für uns alle selbstverständlich ist, nämlich Information durch einen Blick zu erhalten, das ist blinden und sehbehinderten Menschen nicht möglich. Und so geht ihnen ein großes Stück kulturelle und emotionale Auseinandersetzung verloren“, sagt Bettina Herlitzius, Leiterin des Inklusionsamtes bei der Städteregion.

Damit sich auch sehbehinderte Menschen künftig eine bessere Vorstellung vom Werk des Fotografen machen können, hat die Städteregion für ihr Monschauer Kunst- und Kulturzentrum eine sogenannte „Hörstation“ angeschafft.

Informationen via Kopfhörer

„Das KuK wird damit noch besucherfreundlicher“, freute sich die Leiterin Dr. Nina Mika-Helfmeier bei der Vorstellung des kleinen unscheinbaren Geräts am Eingang zur Ausstellung. Eine weiße Säule im Runddesign, ein paar Schaltknöpfe und ein kabelgebundener Kopfhörer – das ist die Apparatur, die künftig erster Anlaufpunkt für Ausstellungsbesucher sein soll, die nicht oder schlecht sehen können, aber auch für andere Kunstinteressierte, die eine schnelle Information abseits des ausgelegten Flyers suchen.

Die Information via Kopfhörer, gesprochen von einer WDR-Moderation, liefert in nur zehn Minuten Grundlegendes über Erwitts Werk und über die Ausstellung in Monschau.

„Das ist zunächst mal ein Anfang“, sagt Mika-Helfmeier und hat eine Ausweitung des Angebots schon im Blick. Das Bedienfeld soll noch um eine Beschriftung in Blindenschrift erweitert werden, für kommendes Jahr ist eine App in Planung, die Besuchern via Smartphone Informationen zu den Ausstellungen geben soll.

„Das alles will natürlich bezahlt sein“, verweist die KuK-Leiterin auf eine Finanzierung der Hörstation „zu 95 Prozent aus Fremdmitteln“. So wäre auch eine Übersetzung des Textes der Hörstation in die Sprachen der illustren Monschauer Gäste wünschenswert, scheitert aber am fehlenden Geld. Solches kommt auch nicht über die Ausstellungen im KuK herein, denn so wie alle Expositionen im Kunst- und Kulturzentrum ist auch die Erwitt-Retrospektive eintrittsfrei. „Und das soll auch so bleiben“, sagt Dr. Nina Mika-Helfmeier.

Gemeinsam mit Bettina Herlitzius freut sich die KuK-Leiterin nun vielleicht auf eine neue Klientel, die mit dem Besuch der Ausstellung und der Nutzung der Hörstation ihre Vorstellungskraft trainieren und mit dem einfachen Hilfsmittel ihren Geist anregen kann.

Übrigens kam der Anstoß zur Hörstation aus dem Inklusionsrat, der für unsere Gesellschaft die Aufgabe übernommen hat, im täglichen Leben auch an behinderte Menschen zu denken. „Bei Behinderung denkt man aber meist zunächst an Rollstuhlfahrer“, sagt Herlitzius und liefert damit das Stichwort für Mika-Helfmeier: „Irgendwann“, sagt sie und wirkt dabei fast ein wenig verträumt, „vielleicht ist das KuK ja irgendwann barrierefrei und dann für alle Menschen erreichbar.“

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