Neue Bestattungskultur bereitet Probleme

Von: ag
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Friedhof
Der katholische Friedhof in Roetgen: Auch hier nimmt die Zahl der Erdbestattungen ab. Was früher die Regel war, wird immer mehr zur Ausnahme. Foto: Archiv/P. Stollenwerk

Roetgen. Die Bestattungskultur ist im Wandel. Vor 20 Jahren lag der Anteil der Urnenbestattungen in den Eifelkommunen noch unter fünf Prozent. Inzwischen liegt der Anteil bei rund 75 Prozent. Die Erdbestattung ist von der Regel zur Ausnahme geworden.

Das stellt viele Gemeinden vor Probleme, weil viele Menschen sich für günstigere Bestattungsmöglichkeiten entscheiden, während die Kosten für die Unterhaltung der Friedhöfe stagnieren oder steigen. Zum Beispiel wird die Unterhaltung der Leichenhallen schwieriger, da sie bei Urnenbestattungen seltener gebraucht werden. Seit einigen Jahren befasst sich schon ein Arbeitskreis mit der Situation in der Gemeinde Roetgen.

Mit diesen Problemen sahen sich jetzt auch die Mitglieder des Haupt-, Finanz-, und Beschwerdeausschusses der Gemeinde Roetgen konfrontiert, als es in der jüngsten Sitzung des Gremiums um die Friedhofsgebühren für das Jahr 2016 ging.

Vor Kostenexplosion gewarnt

Günther Severain (parteilos) warnte vor einer Kostenexplosion. Während in Roetgen 25 Prozent der Friedhofsflächen als Erholungsflächen ausgewiesen seien, seien es in Rott schon 75 Prozent. Diese Bereiche müssten gepflegt werden, die Kosten würden der Allgemeinheit zugerechnet und nicht über die Friedhofgebühren abgerechnet. Es bestehe daher die Gefahr, dass bei einer Änderung der Aufteilung die Kosten entsprechend den Friedhofsgebühren zugeordnet würden. Dadurch würden dann auch die Kosten für die Bestattungen steigen. Durch neue Bestattungsmöglichkeiten, wie in der Stelenwand in Roetgen, sah er überhöhte Kosten auf die Gemeinde zukommen. Bei einem Anschaffungswert von 114.883,18 Euro sei ein Abschreibungszeitraum von 80 Jahren bei einer Verzinsung von sechs Prozent pro Jahr „heute nicht gerechtfertigt“. Daher müssten andere Lösungen gesucht werden, sagte Severain.

Kämmerer Manfred Wagemann erklärte dazu, dass die derzeitigen „Mini-Zinsen“ erst in den vergangenen Jahren aufgekommen seien. Auf einen langen Zeitraum gesehen seien sechs Prozent aber keine abwegige Zahl.

Silvia Bourceau (UWG) sprach von einem „Riesenproblem“ mit den Friedhöfen, das bereits seit Jahren diskutiert werde. Das Anlegen des Waldfriedhofes in Rott sei „absolut nicht gerechtfertigt“ gewesen. „Das war ein Wahlgeschenk, das uns jetzt leider einholt“, sagte Bourceau. Bei einer geschickten Konzeption der alten Friedhöfe hätte man sich einen weiteren sparen können. Gegen den Trend einer günstigen Beerdigung sei nichts zu machen. Daher gelte es, sich zusammenzusetzen und zu überlegen, wie man mit der Situation umgehen wolle. Dabei müsse es eine Gesamtbetrachtung der vier Friedhöfe auf Gemeindegebiet geben.

Keine relevanten Zahlen

Auch Klaus Onasch (SPD) erkannte die Tendenz zu günstigen Bestattungen und die damit einhergehende Umlegung von Kosten. „Das Problem ist, dass wir keine statistisch relevanten Zahlen bei den Sterbefällen haben. Das führt zu Fehlkalkulationen. Wir müssen uns permanent verkalkulieren“, sagte Onasch. Daher komme es zu „Ungerechtigkeiten“, für die betroffene Angehörige in den einzelnen Jahren aufkommen müssten. In den einzelnen Jahren würden jeweils nur die Betroffenen unter der Erhöhung von Gebühren leiden, oder von der Senkung der Gebühren profitieren, nicht aber die Gesamtheit der Bürger. Eine andere Möglichkeit der Gebührenrechnung sah Onasch aber auch nicht. „Das ist fatal, das kann nicht gebührengerecht sein“, sagte er.

Michael Seidel (CDU) sprach mit Blick auf die Äußerungen von Silvia Bourceau von „Legendenbildung“. Der neue Friedhof in Rott sei fraktionsübergreifend gewollt gewesen, von einem Wahlgeschenk könne nicht die Rede sein. „Es war immer klar, dass höhere Kosten entstehen würden“, sagte Seidel. Die Entwicklung der Gebühren sei möglicherweise auch durch Anreize wie einer vergleichsweise günstigen Bestattung einer Urne in einer bereits vorhandenen Erdgrabstätte forciert worden. Hinzu komme, dass nicht automatisch davon auszugehen sei, dass in der Gemeinde lebende Personen auch in dieser bestattet würden. Generell sei die Entwicklung schneller als sie in den Gebühren darstellbar sei. „Im Vergleich zu den Nachbarkommunen stehen wir aber gar nicht so schlecht da“, sagte Seidel.

„Kontinuität statt Sprünge“

Bernhard Müller (Grüne) wünschte sich „Kontinuität statt Sprünge“ bei den Gebühren. Daher solle die Verwaltung andere Möglichkeiten prüfen.

Anita Buchsteiner (PRB) regte an, die Gebühren für mehrere Jahre festzusetzen. Vielleicht sei man den Wünschen nach alternativen Bestattungsmöglichkeiten auch zu sehr entgegengekommen. Auch wenn die Möglichkeiten begrenzt seien, müsse versucht werden, andere Lösungen zu finden.

„Man kann sich Gedanken machen, ob man bestimmte Bestattungen subventioniert“, sagte Bürgermeister Jorma Klauss. Die Kosten müssten jedenfalls durch die Gebühren getragen werden. Viele Optionen würden die Kalkulation natürlich erschweren.

Peter Schneider (CDU) brachte den vorzeitigen Verkauf bzw. die Reservierung von Plätzen in der Stelenwand ins Spiel. Das wurde von Günther Severain gerne aufgegriffen. Er sprach sich für eine „aktive Vermarktung“ dieser Plätze aus, bei einem frühzeitigen Verkauf müssten die Kosten für den Bau auch nicht lange abgeschrieben und verzinst werden.

Die Diskussion über den vorzeitigen Verkauf von Plätzen in der Stelenwand empfand Willi Axer als „makaber“. Irgendwann müsse man sich über den „Luxus von vier Friedhöfen“ unterhalten, sagte Franz-Josef Zwingmann (FDP).

Die Mitglieder des Ausschusses sprachen sich am Ende einstimmig für die neuen Friedhofsgebühren aus.

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