Neonazis der KAL mischen Abschlussfete der St. Ursula-Realschule auf

Von: ess
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Eicherscheid. Es sollte eine ausgelassene Abschlussfete der Absolventinnen der Bischöflichen Mädchen-Realschule St. Ursula aus Monschau werden. Das wurde sie auch weitgehend am Samstagabend in der „Tenne” in Eicherscheid.

Zwischendrin allerdings, so berichten Augenzeugen, seien Mitglieder der rechtsextremistischen Kameradschaft Aachener Land (KAL) in der „Tenne” aufgetaucht, hätten sich dort völlig danebenbenommen und einige junge Leute verprügelt.

Das bestätigte auch Wilfried Huppertz, Geschäftsführer der Vereinsgemeinschaft Eicherscheid. Allerdings, so Huppertz, habe der eigene Sicherheitsdienst den Spuk bereits nach kurzer Zeit beendet und die Störenfriede des Hauses verwiesen. Ein Gast sei ins Krankenhaus gebracht worden, weil er nach der Attacke eines Neonazis eine blutende Wunde davongetragen habe.

Der Sicherheitsdienst habe diese Verletzung nicht verhindern können, weil sich diese Handgreiflichkeit in einer Menschenmenge zugetragen habe. „Unsere Leute konnten erst eingreifen, nachdem es passiert war.” Überdies sei eine Glasscheibe zu Bruch gegangen, doch dabei sei zum Glück niemand zu Schaden gekommen.

Franz-Peter Müsch, Leiter der Realschule, der selbst nicht vor Ort war, sah sich am Samstagabend nach einer um Hilfe bittenden SMS veranlasst, die Leitstelle der Polizei in Aachen anzurufen. Dort habe man ihn beruhigt, so Müsch, von einer „Schubserei” gesprochen, und dass eine Glasscheibe zu Bruch gegangen sei. Von Schlägerei oder gar Massenschlägerei sei keine Rede gewesen.

Gespräche mit Schülerinnen der 10er-Klassen am Wochenbeginn hätten den Hergang auch nicht wirklich erhellt. Die Mädchen hätten, so Müsch, erzählt, es habe eine Schlägerei gegeben, aber kurze Zeit später sei die Feier weitergegangen, was die Darstellung von Wilfried Huppertz bestätigt, dass der Sicherheitsdienst die Angelegenheit rasch im Griff hatte.

Nicht bestätigt ist der Bericht eines Augenzeugen, wonach sich die Neonazis in der Herrentoilette aufgehalten und sich dort den einen oder anderen jungen Mann „vorgenommen” hätten.

Die Rolle der Polizei an diesem Abend wirkt unklar. Einerseits müssen die Ordnungshüter von dem Vorfall gewusst haben, sonst hätte der Diensthabende auf der Leitstelle den besorgten Schulleiter nicht beschwichtigen können. Andererseits, so Pressesprecher Michael Houba auf Anfrage, gibt es keinen Einsatzbericht und auch keine Anzeige.

Letzteres verwundere sehr, weil am Samstagabend kurz vor Mitternacht eine Frau angerufen und mitgeteilt habe, ihr Freund sei verprügelt worden. Diese junge Frau habe erklärt, auf der nächstgelegenen Polizeidienststelle Anzeige wegen Körperverletzung zu erstatten oder das übers Internet zu erledigen. Beides sei aber bisher nicht geschehen, und es handele sich nun einmal um ein so genanntes Antragsdelikt. Das heißt, es muss jemand Anzeige erstatten, bevor die Polizei tätig werden kann. Houba: „Es ist nicht gut, wenn so etwas geschieht und die Polizei wird nicht hinzugezogen, denn kurz nach einer Tat ist die Aufklärungschance am größten.”

Das Thema stellt sich für Wilfried Huppertz etwas anders dar: „Die Polizei ist zwischen 0.30 Uhr und ein Uhr angerufen worden. Aber die sind nicht gekommen, die hatten wohl anderswo zu tun.”
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