Nebenrolle wird auf der Burg zur Hauptrolle

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
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Das Publikum trotzte auf der Burg mit mitgebrachten oder vom Veranstalter bereit gestelltem Regenschutz dem immer wieder hereinbrechenden Regen.

Monschau. Die Hauptrolle bei der Klassik auf der Burg Monschau spielte einer, der eigentlich eine Nebenrolle übernommen hatte: Herbert Feuerstein (73), nicht zuletzt als jahrelanger Sketchpartner von Harald Schmidt zu Popularität gelangt, präsentierte sich am Freitagabend bei der Aufführung der Strauß-Operette „Die Fledermaus” bei bester Spiellaune - mit frischem, spitzem, rotzfrechem Witz, ganz so, wie ihn das Publikum kennt.

Das Publikum freilich hatte schon bei der Hollywoodgala des Vortages seine ganz spezielle Leidensfähigkeit bewiesen und trotzte mit mitgebrachten oder vom Veranstalter bereit gestelltem Regenschutz dem immer wieder hereinbrechenden Regen.

In der Inszenierung von Lajos Wenzel, dem Oberspielleiter der in diesem Jahr das Festival prägenden Kölner Kammeroper, entfaltete sich auf der Bühne ein quirliges Spektakel. Von den Kostümen und dem Bühnenbild her aus dem walzerseligen Österreich des 19. Jahrhunderts in eine unbestimmte Epoche zwischen Wirtschaftswunder und Heute verpflanzt, bot sich den Zuschauern in dieser rund zweieinhalbstündigen Inszenierung eine opulente Szenerie.

Dafür sorgten nicht nur Feuerstein und andere gut aufgelegte Darsteller, sondern auch die Damen und Herren der Standard-Formation des Tanzsportclubs Grün-Weiß Aquisgrana Aachen. Sie wirbelten paarweise im Dreivierteltakt über die teilweise angefeuchtete Bühne, dass es nur so eine Lust war.

Engagiert und mit Spielfreude den widrigen Umständen trotzend agierten die Kölner Symphoniker unter der Leitung ihrer Chefdirigentin Inga Hilsberg. Champagnerlaune entfalteten zudem die zahlreichen Sänger-Solisten, darunter Christina Rümann in der Rolle der Rosalinde, Rob Pitcher als Eisenstein und Ensemble-Leiterin Esther Hilsberg (Adele).

Herbert Feuersteins Part geriet zu einer Art Stück im Stück: In einem kabarettistischen Solo meditierte der gebürtige Österreicher nicht nur über die besonderen Eigenarten des Slibowitz, sondern definierte höchst hintersinnig den Dreischritt von Bankern und anderen Finanz-Hasardeuren mit „Hände ausstrecken - zurücktreten - aussitzen”.

Alles in allem hatte diese Operette, die zweite im Programm dieser „Monschau Klassik”, viele den Augen und den Ohren wohlgefällige Momente und auch Stimmung.

Trotzdem blieb Regisseur Wenzels „Fledermaus” im Vergleich mit dem „Weißen Rößl” eine Woche zuvor allzu brav und harmlos. Von Ironie und Überspitzung, mit der sich dieses Genre des Musiktheaters in die Gegenwart hinüber retten ließe, war hier wenig zu spüren. Die Leistungen der Sängerinnen und Sänger sowie Orchester-Musikern und Dirigentin bewegten sich nichtsdestotrotz auf einem achtbaren bis besseren Niveau.
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