„Natura 2000”: Lebensräume im Wasser werden wiedererschaffen

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Noch wird der Helingsbach durch Rohre und Dämme geleitet. Foto: Biologische Station

Schleiden-Vogelsang. Anfang August starten im Rahmen des LIFE+ Projekts „Wald - Wasser - Wildnis” im Bereich des Sauerbaches und seiner Zuflüsse auf der Dreiborner Hochfläche umfangreiche Baumaßnahmen. Ziel ist die Wiederherstellung naturnaher Gewässer und ihrer Auen im Nationalpark Eifel.

Bestimmte Wander-, Reit- und Fahrradwege im Gebiet rund um Sauerbach und Helingsbach sind daher in der Zeit vom 1. August bis zum 31. Dezember 2012 gesperrt. Umleitungen werden im Gelände ausgewiesen.

„Wir möchten die Gewässer von ihrem Korsett befreien und eine natürliche Gewässerdynamik zulassen und damit dem Motto des Nationalparks, „Natur Natur sein lassen” gerecht werden”, erklärt Marietta Schmitz von der Biologischen Station der Städteregion Aachen, die für die Maßnahmen verantwortlich ist.

„Durch die Umleitungen kann es zu längeren und schwierigeren Wegstrecken kommen. Um eine Gefährdung der Besucher des Nationalparks zu vermeiden und um einen reibungslosen Ablauf der Baumaßnahmen zu gewährleisten, ist eine Sperrung dieser Wege erforderlich. Wir bitten um Verständnis für die Maßnahmen und die damit verbundenen Umleitungen.”

Zehn Meter hohe Dämme

Mit den Maßnahmen werden im Gewässerverlauf liegende Dämme und Rohre entfernt, Bachbegradigungen rückgängig gemacht, befestigte Bachbereiche entfesselt und Staubereiche beseitigt. Bis zu zehn Meter hohe Dämme dienten den belgischen Streitkräften als Panzerüberfahrten und sind heute teilweise in das Wegenetz eingebunden. Sie verhindern eine natürliche Gewässerdynamik in einer für Mittelgebirgsbäche typischen Aue. Im Bereich von Wanderwegen werden mit Brücken oder Furten mit Trittsteinen Übergänge geschaffen.

Mit den Maßnahmen wird im LIFE+ Projekt das Ziel umgesetzt, Wald- und Wasserlebensräumen den Weg in die Wildnis frei zu machen. Die Projektgebiete sind Teil von Natura 2000, ein länderübergreifendes Netz von Naturschutzgebieten in der Europäischen Union. Es soll wildlebenden und seltenen Tier- und Pflanzenarten ausreichend Lebensraum bieten, ihr Überleben sicherstellen und natürliche Lebensräume für nachfolgende Generationen erhalten.

Die Maßnahmen am Sauer- und Helingsbach tragen dazu bei, dass die zum Laichen wandernden Fische ein durchgängiges Gewässer ohne Hindernisse und Beeinträchtigungen vorfinden. Die Eifelbäche wieder durchgängig zu machen dient nicht nur den Fischen. Viele Gewässer-Kleintiere leben zwischen den Steinen im Bachbett und sind wichtiger Bestandteil der Nahrungskette des Wasserlebensraumes. Sie werden häufig bachabwärts gespült. Barrieren wie Rohre und Abstürze im Gewässer verhindern, dass sie wieder bachaufwärts wandern können. Solche Barrieren können zu einer Artenverarmung oberhalb liegender Bachabschnitte führen.

Die Maßnahmen zielen letztlich auch darauf ab, die Voraussetzungen für eine Entwicklung der natürlichen bachbegleitenden Pflanzenwelt zu schaffen. So ist das Falllaub der Bäume natürlicher Auen der Beginn der Nahrungskette in den Mittelgebirgsbächen und wird in ihnen fortgesetzt.
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