Natur verhindert eine Teerdecke im Venn

Von: Ernst Schneiders
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Der Premium-Radweg „Vennbahn
Der Premium-Radweg „Vennbahn” sieht seiner Fertigstellubng entgegen.Naturschützer fürchten derweil um die letzten Birkhühner im Venn. Foto: imago

Nordeifel. Im Frühjahr wird man sie mit etwas Glück wieder hören, die nur noch wenigen Birkhähne im Hohen Venn, wenn sie sich an ihrem angestammten Balzplatz einfinden, sich aufplustern, umherhüpfen und weithin hörbar zischen und kullern - der Damen wegen.

Ansonsten ist es still geworden um die Birkhühner im Venn. Nicht wenige Ornithologen befürchten, dass die hühnergroßen Vögel in der Region kurz vor dem Aussterben stehen. Neun Hähne soll es nurmehr geben, so das Ergebnis einer Zählung. Eine andere nennt die Zahl 15. Beides nicht gerade üppig im Vergleich zu den 200 Individuen dieses typischen Hochmoorbewohners, die in den 1960er Jahr hier gezählt wurden.

Selten und besonders sensibel

Als „Eiszeitrelikt”, wie es im Internet heißt, bewohnt diese Art, die normalerweise in den Bergen und im Hohen Norden heimisch ist, seit mehr als 10.000 Jahren Hochmoore und Heideflächen. Symbolisch ist der Birkhahn das Wappentier des Naturparks Hohes Venn-Eifel, dessen Lebensräume in der jüngeren Vergangenheit völlig zerstückelt, urbar gemacht und größtenteils aufgeforstet worden sind, was zu einer bedrohlichen Situation für die Tiere geführt hat.

Daran hat weder das totale Jagdverbot im Jahr 1966 noch die Unterschutzstellung der Tiere im Jahr 1985 letztlich etwas ändern können. Seit 1991 ist das Birkhuhn unter Anhang I der Europäischn Richtline zum Schutz bedrohter Tierarten eingetragen. Die Fauns-Flora-Habitat-Richtline (FFH) wie auch die „Natura 2000” bezeichnen das Birkhuhn als eine besonders sensible Tierart, deren Lebensraum vorrangig geschützt werden muss.

Mit dem Birkhuhn musste sich unlängst auch die Städteregion Aachen beschäftigen, als es um den Ausbau des Ravel-Radweges (der jetzt schmucklos „Vennbahn” heißt) durch das Venn zwischen Paustenbach und Konzen ging. Ungläubige Blicke löste die Darstellung aus, „wegen der Birkhühner” dürfe dieses Teilstück der herbeigesehnten Touristenattraktion nicht asphaltiert werden. Unmittelbar, so Detlef Funken, Pressesprecher der Städteregion, habe diese Auflage natürlich nichts mit den Birkhühner zu tun. Dieses Teilstück des Radweges falle in das Gebiet „Natura 2000”, in welchem es untersagt sei, Boden zu versiegeln.

Der Naturschutzbund Nabu hat die Städteregion Aachen bereits vor einiger Zeit aufgefordert, jegliche Bauarbeiten zur Ravel-Route auf deutscher Seite zwischen Paustenbach und Konzen unverzüglich einzustellen und bereits ausgeführte Baumaßnahmen wieder rückgängig zu machen. „Trotz Einspruchs des Nabu und den in Brüssel anhängigen EU-Beschwerden hat die Städteregion den Ausbau in diesem Bereich vorangetrieben”, kritisierte Josef Tumbrinck, Vorsitzender des Nabu-Landesverbandes.

„Mit dem Kopf durch die Wand” versuche die Städteregion hier, ohne Rücksicht auf die letzten Birkhühner in NRW, Fakten zu schaffen und scheue nicht davor zurück, „gegen nationales und europäisches Naturschutzrecht zu verstoßen”.

Rechtswidrigkeit bestätigt

Dabei habe die Landesregierung in Düsseldorf bereits Ende Oktober 2011 das Vorkommen der Birkhühner zwischen Paustenbach und Konzen und die daraus folgende Rechtswidrigkeit des Baus des Trassenabschnittes bestätigt. Zudem hätten Umwelt- und Wirtschaftsministerium bestätigt, dass das Projekt wegen des Verstoßes gegen europäisches Umweltrecht nicht nach Interreg förderungsfähig sei und das Land sich daher auch nicht an der Finanzierung beteiligen werde. „Vollkommen unverständlich” sei es für den Nabu daher, dass die Städteregion Aachen unter Hinweis auf eine belgische Genehmigung weiter baue.

Der Nabu hatte die Staatsanwaltschaft Aachen gebeten, die Rechtmäßigkeit der Verausgabung deutscher Steuergelder auf belgischem Hoheitsgebiet ohne den für solche Verfahren zwingend vorgeschriebenen Staatsvertrag zu prüfen.

Die Justiz hat mittlerweile geantwortet, so Tumbrinck gegenüber unserer Zeitung. Die Staatsanwaltschaft sei der Auffassung, dass derlei Zahlungen über bilaterale und europäische Verträge abgesichert seien. Ein Straftatbestand, beispielsweise Veruntreuung, liege also nicht vor, so dass diese Angelegenheit nicht weiter verfolgt werde.
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