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Nationalparkforstamt Eifel weist „einseitige Darstellung“ in ARD-Bericht zurück

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Kahlschläge im Nationalpark Eifel soll es künftig nicht mehr geben, es sei denn die Natur sorgt mit Windangriffen selbst dafür. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Ein achtminütiger Bericht des ARD-Magazins „plusminus“, der am Mittwochabend zu sehen war, hat viele Zuschauer in der Region überrascht. Darin wurde von einem acht Hektar großen Kahlschlag im Nationalpark bei Wahlerscheid berichtet, dessen Holz an das Harperscheider Sägewerk I.B.H. geliefert worden sei.

Dieses habe im Vorfeld, so heißt es im Bericht weiter, gemeinsam mit anderen Sägewerken gegen das Land NRW geklagt, weil Holzlieferverträge nicht eingehalten worden seien. Im Filmbericht wurde auch der Hümmeler Förster Peter Wohlleben, der mehrere kritische Bücher über den Waldbau, die Jagd und den Umweltschutz veröffentlicht hat, interviewt. „Ich vermute, dass das Holz gebraucht wurde“, sagte er.

Der Kahlschlag sei in seinen Augen kein Zufall gewesen – er gehe davon aus, dass wohl vertragliche Auseinandersetzungen von Sägewerksbetreibern mit dem Land im Raum gestanden haben. Andernfalls hätte man, so Wohlleben, die gefällten Stämme ja auf dem Waldboden liegen lassen können. Wohlleben: „Dann würde auch die Buche dazwischen besser anwachsen.“

Warum im Nationalpark?

Bereits im Sommer – noch vor Beginn der Abholzung – hatte das Nationalparkforstamt über die Maßnahme informiert. Demnach handelt es sich um ein Projekt, das von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich begleitet wird. Im Rahmen dieses Tereno-Forschungsprojekts („Terrestrial Environmental Observatories“) solle mit zahlreichen Forschungspartnern untersucht werden, wie die Umwelt auf die Entfernung eines acht Hektar großen Waldstücks reagiere und welche klimatischen Auswirkungen das habe.

Bei Peter Wohlleben stößt das auf Unverständnis: Wenn man Kahlflächen habe untersuchen wolle, habe man in Deutschland tausendfach Gelegenheit dazu, wenn man vorhandene Windwurfflächen nehme. Kahlschläge dieser Art seien zudem gar nicht mehr zulässig. „Dass man so etwas macht mit all den bekannten negativen Auswirkungen, das finde ich schon beschämend, zumal wir dort ein internationales Besucherpublikum haben.“

BUND-Vertreter Volker Hoffmann schlägt in die gleiche Kerbe: „Ich sehe es sehr kritisch, dass man dieses Forschungsprojekt in den Nationalpark gelegt hat. Man hätte das auch woanders machen können.“ Hoffmann, der als einer der „Väter des Nationalparks“ gilt, wiederholte seine Auffassung, dass es besser wäre, wenn der Nationalpark aus dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW ausgegliedert würde. „Eine eigene Nationalparkbehörde, die bei der Bezirksregierung angesiedelt werden könnte, wäre vonnöten“, fordert Hoffmann. „Dann entfiele der wirtschaftliche Druck, solchen Blödsinn zu machen.“

Henning Walter, der Leiter des Nationalpark-Forstamtes, sagte Freitag der Rundschau, der Filmbericht sei „einseitig und irreführend“ gewesen. Er erklärte, dass es sich um ein Flora-Fauna-Habitat-Gebiet handele, wobei das Tal des Wüstebachs renaturiert werde. Und der nun diskutierte Kahlschlag sei die letzte Maßnahme dieses Projekts gewesen. Man habe nicht eigens für das Forschungsprojekt die Bäume entfernt, sondern dies sei ohnehin vorgesehen gewesen.

Der von Volker Hoffmann geäußerten Kritik am Einsatz des Harvesters (Erntemaschine), durch den der Waldboden geschädigt worden sei, tritt Walter entgegen: „Diese Fläche ist nach allen Regeln der Kunst so bearbeitet worden, dass keinerlei Schäden entstanden sind.“ Der Harvester sei auf Rücke-Gassen gefahren, die mit einem Meter Reisig abgedeckt worden seien. Dabei sei der Druck so verteilt worden, dass er auf der Fläche gar nicht mehr angekommen sei.

Dass bei Wahlerscheid Fichten auf einer Fläche von acht Hektar gefällt wurden, während derartige Fällungen eigentlich nur auf einer maximal zwei Hektar großen Fläche erlaubt sind, hat laut Walter seine Richtigkeit. Es gebe eine Sondergenehmigung – und die habe das Nationalparkforstamt sich selbst erteilt. Walter: „Aber nicht in Selbstherrlichkeit, sondern nach einem langen Abwägungsprozess.“ Daran seien zahlreiche Gremien beteiligt gewesen.

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