Nationalpark Eifel blickt über den Tellerrand

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Flechten- und Moosbesatz an alten Baumbeständen im Nationalpark Eifel: Moose und Flechten sind Überlebenskünstler und wachsen oft an Stellen, an denen Kräuter oder Farne nicht existieren könnten. Hierzu zählen die Rinde lebender Bäume und Sträucher, abgestorbene, in Zersetzung befindliche Gehölze sowie Felsen und Steine. Foto: Nationalparkverwaltung Eifel/Dr. A. Pardey
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Das Forscherteam des gemeinsamen Projektes zu den Flechten- und Moosuntersuchungen bei ihrem Treffen im Nationalpark Eifel: Bernd Schock, Andreas Henkel, Marcus Schmidt, Wolfgang Raschka, Dr. Andreas Pardey, Dr. Helga Bültmann, Dr. Gunnar Waesch und Dr. Jochen Spors (v.l.). Foto: Nationalparkverwaltung Eifel/A.Simantke

Nordeifel. Moose und Flechten zählen zu den wichtigsten Indikatoren für den Zustand eines Waldes. Sie spielen daher bei der wissenschaftlichen Untersuchung wenig beeinflusster Wälder in Nationalparks eine große Rolle. Die drei Wald-Nationalparke Hainich in Thüringen, Kellerwald-Edersee in Hessen und Eifel in Nordrhein-Westfalen eint der Schutz heimischer Buchenwälder und ihrer Tier- und Pflanzenwelt als wichtigstes Naturschutzziel.

Sie haben es sich daher zur Aufgabe gemacht, ihrem Vorkommen an Moosen und Flechten in den Buchenwäldern auf den Grund zu gehen und starteten im vergangenen Jahr ein gemeinsames Forschungsprojekt.

Jetzt haben sie bei einem Treffen in Schleiden-Gemünd Zwischenbilanz gezogen. Bislang sind im Nationalpark Eifel seit seiner Gründung im Jahr 2004 je über 300 Moos- und Flechtenarten bekanntgeworden, davon stehen 193 Moose und 139 Flechten auf der Roten Liste. Moose und Flechten können als sogenannte Zeigerarten für den Zustand der Wälder, das heißt, zur Beurteilung ihres Natürlichkeitsgrades herangezogen werden.

Um die Entwicklung der Wälder nachvollziehen zu können, wurden nun im Rahmen des Projektes in regelmäßigen Abständen an ausgewählten Punkten die vorkommenden Arten und ihre Verbreitung festgestellt.

Zu dem Workshop trafen sich Vertreter der Forschungs-Fachgebiete der drei Nationalparks sowie der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt aus Göttingen mit einigen von ihnen mit den Untersuchungen beauftragten Moos- und Flechtenexperten in der Nationalparkverwaltung Eifel. Dort wurden die ersten Daten begutachtet und weitere Untersuchungen für 2016 geplant: In den Buchenwäldern des Nationalparks Eifel wurden im vergangenen Jahr 50 Waldflächen untersucht, in denen des Hainich 42 und denen des Kellerwald-Edersees 20. Darunter war auch eine Reihe von Neufunden für das Großschutzgebiet, wie die Flechte Absconditella Lignicola.

2016 sollen die Forscher diese erste Untersuchungsperiode beenden. Dazu werden im Nationalpark Eifel weitere 50 Flächen unter die Lupe genommen, darunter Eichenwälder und Wälder nicht heimischer Baumarten wie der Fichte, die sich langfristig zu Buchenwäldern entwickeln sollen.

„Von den tiefen Einblicken in die Artenvielfalt unserer heimischen Buchenwälder im bundeslandübergreifenden Kooperationsprojekt der drei Nationalparks Eifel, Hainich und Kellerwald-Edersee werden auch die anderen Betriebsteile von Wald und Holz NRW profitieren“, sagt Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW. „Es ist sehr erfreulich, dass die deutschen Nationalparks beim Schutz dieser, für die natürliche Pflanzendecke Mitteleuropas typischer und unverzichtbarer Wälder eine entscheidende Vorreiterrolle haben.“

„Diese 2015 begonnenen Langzeituntersuchungen der Waldmoose und –flechten werden noch viele Forschergenerationen nach uns beschäftigen und uns helfen, die Entwicklung unserer Wälder nach dem Rückzug des Menschen zurück zu größerer Natürlichkeit nachzuvollziehen“, so Dr. Andreas Pardey, Fachgebiet Forschung in der Nationalparkverwaltung Eifel.

Schaut man sich – gerade im Winter – die Stämme von Bäumen oder den Waldboden genauer an, so fallen in dieser eigentlich vegetationsarmen Zeit die grünen Polster der Moose und die hellgrauen oder bläulichen Kissen und Ästchen der Flechten auf.

Moose und Flechten sind Überlebenskünstler und wachsen oft an Stellen, an denen Kräuter oder Farne nicht existieren könnten. Hierzu zählen die Rinde lebender Bäume und Sträucher, abgestorbene, in Zersetzung befindliche Gehölze sowie Felsen und Steine.

Dabei sind die Verhältnisse nicht in jedem Wald gleich. Manche Baumarten – besonders jene mit rauen Rinden wie Eichen oder Ahornarten – sind moos- und flechtenreicher als die glattrindigen Buchen.

Aber vor allem das Alter der Bäume spielt eine wichtige Rolle. Alte, dicke Exemplare mit ihren Rissen, kleinen Höhlen und abgestorbenen Ästen bieten Moosen und Flechten zahlreiche kleine Nischen zum Keimen und mehr Platz zum Wachsen.

Hinzu kommt der Zeitaspekt: Die oft sehr langsam wachsenden, von Botanikern als „niedere Pflanzen“ bezeichneten, Moose und Flechten hatten an alten Bäumen 100 und mehr Jahre Zeit sich einzufinden. Ergebnisse aus Moos- und Flechtenkartierungen im Nationalpark Eifel wurden bereits 2007 in einer Schriftenreihe zum Nationalpark Eifel veröffentlicht:

„Moose und Flechten im Nationalpark Eifel, die unscheinbaren Überlebenskünstler“, Band 2, ISBN 978-3-7616-2153-0.

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