Narzissen aus der Dunkelheit geholt: Geobotaniker bekommt Eifel-Award

Von: P. St.
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Bei den Narzissenfesten, wie hier in Höfen, war Professor Dr. Wolfgang Schumacher (re.) immer gern gesehener Gast. Foto: Archiv/P. Stollenwerk

Nordeifel. Als Wolfgang Schumacher Ende der 1960er Jahre als junger Mann Lehrer an der Grund- und Hauptschule in Marmagen war, zog es ihn wie von magischer Hand immer wieder in die Natur. Ein Moorgebiet bei Euskirchen faszinierte ihn.

Es war die Neugier, wissenschaftliche Erkenntnisse und den Natur- und Umwelt schutz in einer Kulturlandschaft wie der Eifel auf einen Nenner zu bringen. Später als Professor für Geobotanik und Naturschutz an der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn nahmen seine Ideen dann konkrete Gestalt an.

Am Mittwoch wird Wolfgang Schumacher, der auch häufig als „Eifel-Professor“ bezeichnet wird, im ostbelgischen St. Vith als siebter Preisträger mit dem Eifel-Award der Zukunftsinitiative Eifel ausgezeichnet. Er teilt sich den Preis mit der Wacholderwacht Osteifel, die in der rheinland-pfälzischen Eifel angesiedelt ist.

Professor Dr. Wolfgang Schumacher (71) hat bereits eine Vielzahl von bedeutenden Auszeichnungen erhalten, unter anderem die Silberpflanze der Loki Schmidt-Stiftung (1981), das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1987) und die Schmitt-Degenhardt-Plakette des Naturparks Nordeifel (2002). Von seinem Heimatort Mechernich war für Wolfgang Schumacher der Weg nicht weit zu den Narzissentälern im deutsch-belgischen Grenzgebiet bei Hellenthal und Monschau.

Hier wurde Schumacher zu Beginn der 1970er Jahre aktiv, zunächst in Hellenthal, dann im Perlen- und Fuhrtsbachtal. Von den wilden Narzissen aber war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel zu sehen. Sie waren zusehends unter Fichtenbeständen entlang der Bachufer verschwunden, ehe sie dank einer großangelegten Renaturierung wieder aus der Dunkelheit hervorgeholt wurden. Die Fichten wurden entfernt und die Talwiesen aus der landwirtschaftlichen Nutzung herausgenommen.

Schumacher wusste schon damals, dass eine solche Maßnahme nur in enger Kooperation mit den Landwirten erfolgversprechend sein kann. Also entwickelte er den sogenannten Vertragsnaturschutz, der die Landwirte dafür entschädigte, dass sie die nicht mehr genutzten Flächen nur noch naturnah pflegen. Dieses Projekt der Biotoppflege, sagt Schumacher nicht ohne Stolz, habe sich bis zum heutigen Tag positiv entwickelt. „Das macht immer noch Spaß“, sagt der 71-Jährige, der rückblickend feststellt, „dass bundesweit gesehen in der Eifel die Wiege des Vertragsnaturschutzes liegt.“

Dass die Narzissentäler diese Entwicklung nehmen konnten und heute einen einzigartigen Stellenwert in der europäischen Naturlandschaft besitzen, rechnet Schumacher auch dem glücklichen Umstand zu, dass Loki Schmidt, die Ehefrau des damaligen Bundeskanzlers, schon in den 1970er Jahren im Vorfeld der Gründung ihrer Naturschutz-Stiftung eine erste Narzissenwiese erwarb, um an der deutsch-belgischen Grenze das Vorkommen der wilden Narzisse zu sichern. „Das war ein wichtiger Türöffner für uns, um an Fördergelder zu gelangen.“ Später wurde mit dem bekannten Fernsehmoderator Jean Pütz erneut ein prominenter Narzissenpate ins Boot geholt.

Inzwischen ist Schumacher, der an zahlreichen anderen Projekten federführend mitgewirkt hat, Vizepräsident der NRW-Stiftung und wirkt selbst an der Vergabe der Fördergelder mit: „Wichtig ist, dass man Visionen hat, aber man muss auch schrittweise an die Umsetzung gehen“, sagt der neue Eifel-Award-Preisträger, der immer noch seine Freude daran hat, zu sehen, „wie sich die Dinge entwickeln, die man einst begonnen hat.“

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