Nacht im Kleinbus endet vor Gericht: Sexuelle Belästigung?

Von: Hartmut Prüss
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Ein 37-jähriger Diplom-Sozialpädagoge aus Mönchengladbach soll während Freizeitmaßnahme in Heimbach eine Kollegin sexuell belästigt haben. Symbolfoto: Angelika Warmuth/dpa

Heimbach/Düren. Erst mehrere Monate nach der vermeintlichen Tatnacht soll ein 37 Jahre alter Diplom-Sozialpädagoge und Sozialarbeiter aus Mönchengladbach erfahren haben, dass er am 16. Juni 2013 weit mehr als über die Stränge geschlagen haben soll.

Erst nach dieser relativ langen Zeit wurde ihm vorgeworfen, eine jetzt 25-jährige Kollegin am Rande einer Freizeitmaßnahme für Jugendliche sexuell belästigt zu haben. Jetzt hat sich der Mann vor dem Dürener Schöffengericht zu verantworten.

Da es zu der Tat gekommen sein soll, als die vermutlich bedrängte Kollegin nachts schlief, spricht die Staatsanwaltschaft von einem „Sexuellen Missbrauch widerstandsunfähiger Personen“ (Paragraf 179 Strafgesetzbuch). Der Vorfall ist vor allem deshalb pikant, weil es zu den beruflichen Aufgaben der beiden Beteiligten gehört, jungen Leuten beim Erwachsenwerden hilfreich zur Seite zu stehen und als Vorbilder zu dienen.

Bei der Suche nach der Wahrheit versucht das Gericht unter Vorsitz von Richterin Christine Pinkpank angesichts vieler intimer Details unzählige kleine Mosaiksteine zusammenzutragen, um sich ein Bild von den Geschehnissen in jener Nacht machen zu können.

Die Gruppen mit knapp zehn Jugendlichen und sechs bis sieben Betreuern besuchen regelmäßig die Eifel. So hatten die Teams zunächst die Kletterfelsen in Nideggen erkundet und danach Quartier in einer alten Hütte bezogen. Zum Abendessen am Lagerfeuer gab es auch Bier.

An jenem Abend sollen zwei Betreuer wegen anderer Termine das Lager verlassen haben, so dass nur vier Betreuer – zwei Männer und zwei Frauen – die Aufsicht übernahmen. Nachdem die Jugendlichen zu Bett gegangen waren, hätten die vier Betreuer am Lagerfeuer noch etwas Hochprozentiges getrunken. Während zwei Betreuer mit den Jugendlichen im Haus übernachtet hätten, schliefen der Angeklagte und die 25-Jährige im Kleinbus des Mannes auf einer Matratze.

Man habe noch eine Zigarette geraucht und geplaudert, bestätigten beide. In der Nacht sei sie aufgewacht, so die 25-jährige Zeugin, weil ihr Kollege sie im Intimbereich angefasst und mit einem Finger missbraucht habe. Als ihm Wochen später die vermeintlichen Vorkommnisse von einem Kollegen vorgehalten wurden, sei er schockiert gewesen. Bis heute habe er keine Erklärung für die Vorwürfe. Die junge Frau sagte, sie sei durch die Tat wach geworden.

Um nicht falsch zu reagieren, habe sie alles daran gesetzt, dass er ihr Aufwachen nicht bemerkte. Sie habe sich von ihrem Kollegen weggedreht und eng in die Bettdecke eingewickelt. Der Prozess wird nächsten Dienstag fortgesetzt.

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