Roetgen - Nach Protesten: Neue Strecke für Roetgener Ortsbus

Nach Protesten: Neue Strecke für Roetgener Ortsbus

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
ortsbus
Foto: Thomas Heinen
Willemslägerweg
An Kalfstraße und Willemslägerweg (Bild) ist die Fahrbahn an vielen Stellen nur zwischen 3,60 und 3,80 Meter breit. Foto: A. Gabbert

Roetgen. Der Ortsbus, der ab Anfang Dezember in der Gemeinde Roetgen verkehren soll, wird nicht wie zunächst geplant durch die Kalfstraße und den Willemslägerweg fahren. Nach massiven Protesten der Anwohner hat sich der Gemeinderat für eine andere Linienführung entschieden. Nun soll der Ortsbus eine Schleife durch die Faulenbruchstraße fahren.

Nötig ist der Ortsbus, weil die Schnellbuslinien SB 63 und 66 nach der Fahrplanumstellung im Dezember keine Schleife mehr durch den Ort fahren (außer abends sowie samstags, sonn- und feiertags), sondern geradewegs auf der B 258 bleiben werden. Stattdessen soll der Ortsbus die Fahrgäste werktags von 6.15 bis 20 Uhr im Halbstundentakt zum Bushof/Post bringen, wo sie Anschluss an die Schnellbuslinien finden. Das sind rund 30 Fahrten am Tag.

Als nach dem Bekanntwerden der Pläne zahlreiche Beschwerden bei der Gemeindeverwaltung eingingen, hatte Bürgermeister Jorma Klauss das Thema Ortsbus erneut auf die Tagesordnung des Gemeinderates gesetzt. Den Politikern wurden dazu mehrere von der Aseag (Aachener Straßenbahn- und Energieversorgungs-AG) ausgearbeitete Alternativen vorgelegt.

Zur entsprechenden Sitzung des Gemeinderates waren etwa 30 Bürger erschienen. Viele von ihnen brachten ihre Bedenken in der „Fragestunde für Einwohner“ nachhaltig zum Ausdruck. Die Straße sei zu schmal für einen Bus, Kinder und ältere Menschen würden gefährdet, beim Abbiegen des Busses auf die Bundesstraße entstünden brenzlige Situationen und die Bankette würden beschädigt, lauteten einige der Argumente.

Die Bürger fragten unter anderem: Wer haftet im Schadensfall? Was ist bei Schnee? Kann es zu Schäden an in den Banketten verlegten Kabeln kommen? Sind bereits Parkverbote geplant?

Bürgermeister Jorma Klauss ging ausführlich auf die Bedenken der Anwohner ein, konnte sie aber nicht zerstreuen. Er erklärte, dass er die Emotionen der Anwohner nachvollziehen könne. Er verwies aber auch darauf, dass es an vielen anderen Straßen in der Gemeinde nicht weniger problematisch sei. Die ganze Sache müsse daher sehr nüchtern betrachtet werden. „Die individuellen Interessen der Anwohner sind mit dem Interesse der Allgemeinheit abzuwägen“, sagte Klauss.

Keine der von der Aseag vorgestellten Lösungen wurde von den Politikern als ideal angesehen. Die Variante mit einer Schleife durch die Faulenbruchstraße fand noch am ehesten ihre Zustimmung, auch wenn damit für einige Fahrgäste Wartezeiten und eine bis zu 13 Minuten längere Fahrzeit verbunden sind

Wolfgang Schruff (PRB) etwa sprach von „der Wahl zwischen Pest und Cholera“ und regte an, die Streckenführung in einigen Punkten noch zu modifizieren. Heinz-Peter Straeten (SPD) schloss sich dem an. Auch Ingrid Karst-Feilen (Grüne) plädierte für die neue Variante. Sie würde aber auch in diesem Fall eine Alternative zur Wendeschleife bevorzugen, etwa in Form eines Wendehammers. „Wir müssen sehen, dass das Angebot möglichst attraktiv ist“, sagte sie. Anita Buchsteiner (PRB) teilte die Bedenken der Anwohner. „Es gibt bessere Alternativen“, sagte sie.

Silvia Bourceau (UWG) präferierte „mit Bauchschmerzen“ ebenfalls diese Variante. Gewünscht habe sich das keiner, man sei aber durch die Pläne der Aseag gezwungen, einen Ortsbus einzurichten. Statt einer einjährigen Testphase, forderte sie, schon im März über die bis dahin gemachten Erfahrungen zu diskutieren. Dann solle die Aseag auch Zahlen liefern, „damit die Entscheidung nicht aus dem Bauch heraus gefällt werden muss“. In der Testphase solle zunächst ein Provisorium aufgebaut werden, um Geld zu sparen und das Konzept später „vernünftig umzusetzen“.

Bernhard Müller (Grüne) sagte, die entscheidende Frage sei, wie das Ortsbus-Angebot für die Nutzer attraktiv gestaltet werden könne.

Florian Rohn sprach sich für den Jugendbeirat für die ursprüngliche Variante durch die Kalfstraße aus. Ihm sei klar, dass man sich damit bei den Anwohnern nicht beliebt mache. 40 Prozent der Nutzer des Ortbusses seien aber Schüler. Es gelte die Interessen abzuwägen, und es sei ganz klar: „Jede andere Alternative würde den Ortsbus unattraktiver machen.“

Schließlich stünde hier eine Fahrzeit von sieben Minuten gegen eine Fahrzeit von 20 Minuten. „Dann kann man sich das Projekt sparen“, betonte er. Die Fahrt durch die Kalfstraße sei keine optimale Lösung, eine sinnvollere gebe es aber nicht. Zunächst gelte es, eine Testphase zu durchlaufen und Erfahrungen zu sammeln.

Mit Blick auf ein möglichst attraktives ÖPNV-Angebot hätte auch Michael Seidel (CDU)am liebsten zunächst einen Test der Variante durch die Kalfstraße gesehen. Grundsätzlich teile man die Bedenken der Anwohner. Es sei aber fraglich, ob die von den Anwohnern beschriebenen Situationen tatsächlich so eintreffen. Der Nutzen für die Allgemeinheit müsse im Vordergrund stehen, daher spreche sich seine Fraktion für einen Test der ursprünglichen Variante aus.

Er befürchte aber, dass längere Fahrzeiten auch zu einer Zunahme des Individualverkehrs führen. „Dann kann man sich den Ortsbus sparen“, sagte er. Als sich eine Mehrheit für eine für die Variante Faulenbruchstraße abzeichnete, erklärte sich auch Seidel bereit, diese mitzutragen.

Petra Knur (SPD) gab Rohn und Seidel grundsätzlich recht, „wenn es denn kleine Busse wären“. Aufgrund der Beschaffenheit der Kalfstraße sei diese Variante aber nicht machbar.

Bernhard Vogel wiederholte noch einmal die Argumente der Anwohner der Kalfstraße. „Wir müssen heute eine der Kröten schlucken. Dazu bin ich nicht bereit“, sagte er. Der parteilose Günther Severain sprach sich bei der Suche nach einem Kompromiss für den Einsatz kleinerer Busse außerhalb der Stoßzeiten aus.

„Die Mehrkosten sind ein Kleckerbetrag im Vergleich zur Belastung der Bevölkerung“, erklärte er. Dr. Georg Dittmer (FDP) wunderte sich, über die lange Diskussion. Es sei abzusehen gewesen, dass die Variante Faulenbruchstraße zum Tragen komme. Die fand auch die Zustimmung der FDP.

Rainer Welzel (UWG) sprach von Versäumnissen der Aseag. Von der Umstrukturierung des ÖPNV würden in erster Linie Monschau und Simmerath profitieren. Die Überlegungen und Vorschläge aus der Gemeinde Roetgen seien hingegen nicht ausreichend berücksichtigt worden. Deshalb gelte es nach einer Testphase erneut mit der Aseag zu reden.

Mit zwei Gegenstimmen aus Reihen der UWG, einer Gegenstimme aus Reihen der PRB und einer Enthaltung aus Reihen der CDU wurde schließlich ein Test der neuen Linienführung durch die Faulenbruchstraße bis zum Frühjahr beschlossen.

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