Nordeifel - Nach der Wanderung kommt die Post vom Amt

Nach der Wanderung kommt die Post vom Amt

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
Haben die Missstände an den E
Haben die Missstände an den Eifelbächen im Blick: Gisela Heinen vom Umweltamt der Städteregion, Paul Kirch (Wasserwerk WAG Nordeifel) und Frank Breuer von der Gemeinde Simmerath. Foto: S.M. Berners

Nordeifel. Hinter Hirschrott, wo Wüstebach und Püngelbach zur Erkensruhr werden, starten Gisela Heinen, Edmund Binz, Paul Kirch und Frank Breuer ihre Gewässerbegehung. Turnusmäßig sind Vertreter vom Umweltamt der Städteregion, vom Wasserwerk und von der Gemeinde in der Nordeifel unterwegs, um sich die Bäche genau anzusehen.

Ausgestattet mit reichlich Kartenmaterial, geht es an diesem Tag entlang der Erkensruhr, dem Sauer- und dem Riffersbach.

Einen schöneren Beruf kann man an diesem Tag wohl kaum haben. „Aber wir sind auch schon in Schnee und Sturm unterwegs gewesen und pratschnass geworden”, erzählt Paul Kirch. Er ist für das Wasserwerk vor Ort - schließlich sind es die Bäche, die in die Trinkwassertalsperren fließen, die bei der Gewässerprüfung in Augenschein genommen werden. Wer in den Rucksäcken der Gruppe aber nach Reagenzgläsern, Pipetten und anderem Labormaterial sucht, sucht vergebens. „Für die Gewässerproben haben wir ein eigenes Programm”, erklärt Kirch.

Mehr Naturnähe

Bei der Begehung geht es darum, andere Missstände aufzudecken. Wird der Bachlauf gestört? Gibt es illegale Bauten oder Kompostanlagen, die zu nah am Wasser liegen? Haben die Landwirte ihre Tierweiden ordnungsgemäß abgezäunt? Gibt es illegale Einläufe oder Entnahmestellen?

Neu ist, dass die Vertreter der Städteregion auch den ökologischen Zustand der Bäche erfassen. Sie achten darauf, ob Querbauwerke, Rohre, Wehre und befestigte Furten zum Beispiel die Wanderung der Fische behindern. „Eigentlich gibt es immer Beanstandungen”, sagen Paul Kirch und Gisela Heinen (Umweltamt). Und so müssen die Verantwortlichen auch an der Erkensruhr nicht lange suchen.

Schon an der Brücke, die über den Püngelbach führt, werden die ersten Notizen gemacht. Beidseitig taugen die Geländer nicht mehr viel und auch am Fundament gibt es Beanstandungen. „Wir müssen herausfinden, wer hier für die Verkehrssicherungspflicht zuständig ist”, erklärt Heinen. Und dann gibt es Post von der Städteregion.

Es geht weiter flussabwärts. Hier und dort liegen umgeknickte Baumstämme. Wo sie den Lauf des Wassers nicht stören, dürfen sie bleiben, da darf Natur Natur sein. An der nächsten Brücke - am Zufluss des Viebachs - werden wieder die Fotoapparate gezückt. Das Fundament ist unterspült, das Holz der Trittfläche ist morsch.

Was in den Zuständigkeitsbereich der Gemeinde fällt, notiert Frank Breuer. Ein abgestorbener Kirchbaum, der bald auf die Straße stürzen könnte, zählt nicht dazu. „Dieser Bereich gehört schon zum Nationalpark”, erklärt Breuer. Und der habe dann auch die Verkehrssicherungspflicht, wird aber von der Gemeinde informiert. Schnell voran kommt die Gruppe nicht, wenige Kilometer dauern Stunden. Zu viele Kleinigkeiten gibt es zu notieren.

Richtig interessant wird es, als die Kontrollgruppe den Ort erreicht. An der Hirschrotter Brücke gibt es viele Auffälligkeiten. Das Fundament ist unterspült, ein Leitungsrohr führt quer durch den Bach, aus einem Fischteich wird Wasser eingeleitet und dann gibt es da noch ein paar Rohre, deren Funktion sich den Fachleuten nicht gleich erschließt. Hier wird genauer nachgeschaut. Der Fischteichbesitzer hat für die Einleitung eine Genehmigung. Das Rohr scheint früher unter der Flusssohle gelegen zu haben, stellt aber jetzt ein Hindernisse für die Fische dar. „Hier muss sich entsprechend der Wasserrahmenrichtlinie etwas tun”, sagt Heinen.

Was vor Ort nicht geklärt werden kann, wird notiert. Es wird deutlich, dass die Arbeit der Kontrolleure mit der Begehung nicht getan ist. Zurück im Büro müssen Recherchen angestellt werden. Danach werden die Eigentümer informiert. Je nach Sachverhalt wird ein Genehmigungsverfahren eingeleitet, in schwereren Fällen ein Ordnungswiedrigkeitsverfahren.

Das Gespräch gesucht

Viele Konflikte lassen sich aber auch im Dialog lösen. Zum Beispiel der mit einem Fischteichbesitzer. Der darf aus der Erkensruhr eine begrenzte Menge Wasser entnehmen. Allerdings ist das Gitter, das er vor die Entnahmestation gesetzt hat, doch sehr groß geraten und - gelinde gesagt - ziemlich hässlich. Laut Genehmigung sei eine naturnahe Gestaltung aber Pflicht, sagt Heinen. Praktischerweise ist der Anwohner vor Ort. Für das „Optik-Argument” kann er sich nicht wirklich begeistern, wird er aber müssen. Im Gespräch wird schnell geklärt, dass er das Gitter verkleinert und weiter zurücksetzt. Die Städteregion wird das nachprüfen. „Wir finden es immer sehr gut, wenn Anlieger oder landwirtschaftliche Pächter zu den Terminen kommen”, sagt Paul Kirch. So können man die Sachverhalte im Gespräch erklären. Für viele ist das angenehmer, als Post von der Behörde zu bekommen.

Trotzdem müssen einige Briefe verschickt werden. Entlang der Erkensruhr werden wohl vor allem Pferdebesitzer angeschrieben. Die haben ihre Zäune nämlich an einigen stellen viel zu nah am Gewässer angebracht. Teilweise sind die Absperrbänder sogar mit einem Nagel an den alten Bäume, die das Ufer sichern, befestigt worden. Damit ragen die Koppeln aber „zu weit in den Uferbereich hinein”, so Kirch. Die Schutzzone werde nicht eingehalten. An anderen Stellen nennt Kirch die Situation „grenzwertig”. Es habe den Anschein, als seien die Zäune auch schon mal offen, damit die Tiere trinken könnten.

Mit vielen Landwirten hat der Wasserverband Kooperationen abgeschlossen: Er zahlt den Landwirten einen Zuschuss zu den Zäunen, damit die Tiere nicht an das Wasser herankommen. „Wenn die Tiere an den Bach können, kann man sich natürlich das Wasserfahren oder eine Pumpe sparen”, sagt Kirch. Aber es handele sich nunmal um den Einzugsbereich einer Trinkwassertalsperre. Weder ist erwünscht, dass die Tiere am Wasser trinken, noch, dass sie ihr Geschäft inmitten des Bachs tätigen. Ebenso unerwünscht ist Müll. Den müssen die Gewässerkontrolleure aber nur an sehr wenigen Stellen notieren. Das Januar Hochwasser hat vieles mitgespült. Vieles ist schon entfernt worden. Einiges aber auch dort gelandet, wo es eigentlich nicht hin gehört: in der Talsperre.

Wo der Weg sich zu weit vom Bachbett entfernt und die Sicht gestört ist, streifen Gisela Heinen, Edmund Binz, Paul Kirch und Frank Breuer durch die Wiesen oder am Ufer entlang. Ansonsten versuchen sie, auf den Wegen zu bleiben. Schließlich gilt es auch für die Kontrolleure, die Natur und das Trinkwasser zu schützen.
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