Kalterherberg - Nach der Flucht: Traumjob Brummifahrer

Nach der Flucht: Traumjob Brummifahrer

Von: Peter Stollenwerk
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Auf dem Weg zum Berufskraftfahrer bei der Spedition Hermanns & Kreutz in Kalterherberg: Die drei Auszubildenden Arshed Dalazat, Aissam Nadur und Asaad Kassar (v. li.). Foto: P. Stollenwerk

Kalterherberg. „Mein Onkel, der seit 25 Jahren in Deutschland lebt, hat mir viel Gutes über Deutschland erzählt, aber nicht alles davon habe ich wiedergefunden“, sagt Asaad Kassar. Der 24-Jährige stammt aus Syrien und kam als Kriegsflüchtling vor drei Jahren nach Deutschland.

Auch wenn sich längst nicht alle Erwartungen und Hoffnungen für den jungen Mann erfüllt haben, so hat er jetzt doch einen Platz in der Gesellschaft gefunden, der ihm eine gute Perspektive für die Zukunft eröffnet.

Asaad Kassar hat vor einem Jahr eine Ausbildung als Berufskraftfahrer bei der in Kalterherberg ansässigen Spedition Hermanns & Kreutz begonnen. Sein beruflicher Einstieg fand in der Münchener Niederlassung des Eifeler Unternehmens statt. Da er aber inzwischen die Berufsschule in Simmerath besucht (wofür er übrigens praktischerweise den firmeinternen Pendelverkehr nutzt), fand er sich Anfang der Woche gemeinsam mit den zehn neuen Ausbildenden, die das Unternehmen jetzt einstellte, zum Kennenlernen ein, ehe es dann wieder zurück nach München ging.

Asaad Kassar, der in seinem Heimatland im Kunstgewerbebereich arbeitete, besitzt zunächst einmal einen auf drei Jahre befristeten Aufenthaltsstatus. Als Asylbewerber ist er noch nicht anerkannt. Eigene Recherchen im Internet führten ihn zu seinem jetzigen Ausbildungsbetrieb, und die Arbeit als Berufskraftfahrer bezeichnet er als „Traumjob“.

Hinter ihm liegt eine lange Fluchtgeschichte. Er lebte ein Jahr in der Türkei und sechs Monate in Griechenland, ehe er mit dem Flugzeug nach Frankfurt kam. Im Moment fühlt sich Asaad Kassar recht wohl in Deutschland, „aber wenn der Krieg in Syrien vorbei ist, dann werde ich sofort in mein Heimatland zurückkehren“, steht für den 24-Jährigen fest.

Am 1. August 2017 starteten nicht weniger als drei junge Männer, die aus ihren Heimatländern geflohen sind, ihre Ausbildung bei Hermanns & Kreutz. Firmenchef Bernd Kreutz ist überzeugt von diesem Konzept: „Dass so viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen, bedeutet für den Arbeitsmarkt eine Riesenchance“, auch wenn zusätzliche Hürden in der Kommunikation mit den Ausländerbehörden überwunden werden müssten.

Für diesen Bereich ist Ausbildungsleiter Ralf Wendorff zuständig, der in zähen Verhandlungen erreicht hat, dass die Duldung der drei Auszubildenden die gesamte Lehrzeit von drei Jahren umfasst. Auch die Zulassung zur Führerscheinprüfung für Kraftfahrer ist ein wahrer Staatsakt, wie auch die Überstellung von Asylbewerbern in andere Kommunen, damit sie näher am Arbeitsplatz sind, wie es bei Aissam Nadur der Fall war. Der junge Mann aus Marokko strebt ebenfalls eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer an. Drei Monate hat Ralf Wendorff dafür gekämpft, dass der 24-Jährige aus seiner bisherigen Unterkunft in Kreuzau der Stadt Monschau zugewiesen wurde und man ihm eine Wohnung in Kalterherberg beschaffen konnte.

Aissam Nadur flüchtete aus Marokko vor zwei Jahren zunächst in die Türkei. Hier schloss er sich der großen Schar syrischer Flüchtlinge an und zog mit ihnen zu Fuß über die Balkanroute bis nach Deutschland. In Deutschland sieht er inzwischen seine Zukunft. „Hier möchte ich bleiben, hier ist es mega gut“, sagt der 24-Jährige.

Der dritte im Bunde, der bei der Kalterherberger Spedition eine Ausbildung zum Brummifahrer begonnen hat, ist Arshed Dalazat. Erst vor einem halben Jahr verließ er sein Heimatland Afghanistan. Der 18-Jährige vermisst zwar seine Familie, aber dennoch möchte er lieber in Deutschland leben. Sein langer Fluchtweg führte ihn zu Fuß und mit dem Auto über Pakistan, den Iran, die Türkei und dann ebenfalls über die Balkanroute nach Deutschland.

In Roetgen beim gemeinsam Ausbildungstag der drei Südkreiskommunen lernten sich Arshed Dalazat und das Unternehmen kennen. Der 18-Jährige lebte damals noch in Roetgen und kündigte seine Bewerbung zur Ausbildung als Berufskraftfahrer bereits an. „Es war relativ schnell klar, dass das der richtige Mann für uns war“, sagt Ralf Wendorff, der seinen künftigen Lehrling beim Umzug nach Kalterherberg ebenfalls unterstützte.

Bernd Kreutz will seine drei Ausbildenden, die das Schicksal zu ihm führte, nach Kräften fördern und sieht sich hierbei auch als Staatsbürger konkret in der Verantwortung: „Ich freue mich über jeden neuen Mitarbeiter, auch wenn der Aufwand etwas größer ist, aber dafür bekommen wir ja auch etwas zurück.“

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