„Nach der Ernte” lockt knapp 8000 Menschen nach Kommern

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Die Ochsen müssen ziehen, der Hund macht es sich auf der Getreideladung bequem. Foto: ml/pp/Agentur ProfiPress

Kommern. „Das ist was für Kopf, Herz und alle Sinne”, freute sich das Besucherpaar aus Ahrweiler in der Kommerner Museumsbaugruppe „Bergisches Land”. Gemeint waren die Tage „Nach der Ernte”, die am Wochenende wieder einmal im LVR-Freilichtmuseum Kommern begangen wurden.

Knapp 8000 Besucher, davon allein fast 5200 am Sonntag, kamen, sahen und genossen, wie ehedem in den rheinischen Landschaften Eifel, Westerwald, Bergisches Land, Kölner-Bonner Bucht und Niederrhein mit der Zeit nach der Ernte eine Zeit des Schwelgens anbrach, aber auch des Dreschens und Einmachens für den Winter.

Das genannte Ehepaar um die 50 hatte im Bergischen Land gerade bei Rosemarie Johnen frische Pflaumen sowie Äpfel und Birnen als Dörrobst gekostet und bei Anita Wolfgarten und Sabine Roggendorf frisch gebackene Hefepfannkuchen mit Apfelstücken. Anschließend stillten die beiden bei Johanna Hilger und Josefine Sievernich ihren Wissendurst und ließen sich ausgiebig erklären, wie früher „Kappes” und „Schavour” für den Winter haltbar gemacht wurden.

Premiere im Jahr 1985


Seit Jahren sind die 1985 erstmals begangenen „Tage nach der Ernte” mit Arbeitsdemonstrationen und Vorführungen verbunden, bei denen jede Menge schwere Arbeitspferde, aber auch alte Traktoren und Landmaschinen sowie Kuh- und Ochsengespanne zum Arbeitseinsatz kommen. Die Menschen im weiten Umland goutieren die „Tag nach der Ernte” traditionell mit großem Besucherandrang. Gleichwohl wollen Museumschef Dr. Josef Mangold und seine engagierte Crew sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen, sondern weiter an Details arbeiten.

Deshalb sollen in Zukunft alte Geräte und Arbeitsweisen mehr und besser erklärt werden, damit das Kommerner Museumskonzept von der „Volkskunde zum Anfassen” auch weiter funktioniert. Denn es gibt kaum noch Opas und Omas, geschweige denn Mütter und Väter, die die gezeigten Geräte und Arbeitsweisen noch kennen und den Kindern und Jugendlichen erklären könnten.

Das Museum weiß auch komplexe geschichtliche Fragen anschaulich aufzuarbeiten. So war zu erfahren, warum es speziell in der Eifel so viele und so kleine Höfe gab. Der Grund war die Realteilung in der Landwirtschaft, wobei jedes Kind einen gleich großen Anteil am Land bekam.

Als die Kindersterblichkeit zurückging, führte das zu einer Aufsplittung Eifeler Ländereien in zahlreiche Kleinst-Bauernhöfe, die jeder für sich nicht mehr die existenziellen Bedürfnisse ihrer Bewirtschafter decken konnten. Das erklärt auch, warum gerade rund um den Mechernicher Bleiberg, an dem auch das LVR-Freilichtmuseum Kommern liegt, früher viele Bauern gleichzeitig auch Bergleute waren: Weil die Landwirtschaft allein die Familie nicht ernähren konnte.
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