Elsenborn - Nach der Ankunft der Flüchtlinge wird weiter geschossen

Nach der Ankunft der Flüchtlinge wird weiter geschossen

Von: ag
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Die militärischen Aktivitäten in Elsenborn werden nicht eingestellt, weil dort jetzt Flüchtlinge untergebracht sind. Foto: Archiv/P. Stollenwerk

Elsenborn. Obwohl zurzeit im belgischen Militärlager Elsenborn 238 Flüchtlinge untergebracht sind, darunter rund 30 Kinder, gehen die Schießübungen weiter. Von Mittwoch bis Donnerstag um 16 Uhr wurde eine Großübung mit Kanonen und starker Lärmbelästigung veranstaltet.

Seit Anfang des Monats leben die Flüchtlinge in zwei Wohnblocks auf dem Militärgelände. Zwei zusätzliche Wohnblocks wurden für weitere 250 Flüchtlinge hergerichtet, die ab 1. Oktober in Elsenborn erwartet werden.

Die militärischen Aktivitäten würden nicht unterbrochen, darüber seien die Flüchtlinge informiert worden, teilte der Bürgermeister der Gemeinde Bütgenbach, Emil Dannemark, am Donnerstag auf Anfrage mit. Probleme gebe es deshalb bislang nicht, die Flüchtlinge wüssten, wo sie untergebracht seien und womit sie zu rechnen hätten. Die Meisten seien froh, erstmal ein Dach über dem Kopf zu haben.

Das Rote Kreuz und die Organisation Fedasil betreuen die Flüchtlinge in Elsenborn. Laut Fedasil kommen die meisten der in Elsenborn untergebrachten Menschen aus Syrien, Irak, Afghanistan und Somalia. Natürlich sei die Unterbringung in einem Militärcamp nicht die beste Lösung. Wegen Platzmangels habe man aber keine andere Wahl, erklärte ein Sprecher der Organisation. „Ich glaube, dass wir nicht mehr tun können, als die Leute zu informieren“, sagt er.

Es gebe keine Panik oder Beschwerden, er könne zurzeit keinen Einfluss der Übungen auf die Flüchtlinge erkennen. Grundsätzlich könne jeder Flüchtling in begründeten Fällen beantragen, in einer anderen Aufnahmeeinrichtung untergebracht zu werden. Aufgrund des akuten Platzmangels sei das in der Praxis aber nicht so einfach. Zur Betreuung der Flüchtlinge habe das Rote Kreuz auch zwei Psychologen bereitgestellt, sagte der Sprecher von Fedasil.

Bomben gehörten zum Alltag

Der Leiter der Lokalsektion Bütgenbach-Büllingen des Roten Kreuzes, Dr. Kurt Hoffmann, ist stark in die Betreuung der Asylsuchenden in Elsenborn eingebunden. Flüchtlinge hätten ihm berichtet, dass sie in ihren Heimatländern oft mit dem Lärm von Kanonen und Bomben konfrontiert gewesen seien, und dass das gewissermaßen zu ihrem Alltag gehört habe. „Sie scheinen abgestumpft zu sein. Das ist das, was die Männer sagen. Wie sieht es aber mit den Frauen und Kindern aus? Ich erwarte schon Reaktionen auf die Übungen“, sagte Hoffmann.

Im Rettungsdienst habe er bereits mit traumatisierten Soldaten zu tun gehabt. Dies äußere sich häufig durch Angstzustände und Herzrasen. Hoffmann befürchtet, dass bei den Flüchtlingen ähnliche Symptome auftreten könnten. „Man muss darauf gefasst sein, dass sich die Übungen auf die Psyche auswirken könnten, und dass bereits Verdrängtes wieder zu Tage befördert werden könnte“, sagte Hoffmann. Wichtig ist ihm aber auch die Feststellung, dass die Flüchtlinge in Elsenborn herzlich empfangen worden seien und gut versorgt würden.

Heute wird in Elsenborn wieder geübt, laut Plan wird aber nicht geschossen. Am Samstag und Sonntag finden keine Übungen statt, bevor ab Montag wieder leichte Waffen zum Einsatz kommen.

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