Nordeifel - Nach dem Tod bleibt der digitale Abdruck

Nach dem Tod bleibt der digitale Abdruck

Von: Ulrike Schuppener und Annika Thee
Letzte Aktualisierung:
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Profile bei sozialen Netzwerken oder Mail-Accounts bestehen auch nach dem Tod eines Menschen fort. Um sie löschen zu können, müssen Angehörige meist die Sterbeurkunde vorlegen. Illustration: dpa/Raimar Heber

Nordeifel. Wenn ein Mensch stirbt, geht das Vermögen an die Erben. Bei materiellen Gütern ist klar geregelt, wem das Haus oder Auto des Verstorbenen zusteht. Anders sieht das bei dem sogenannten digitalen Fußabdruck aus, den jeder im Internet hinterlässt.

„Im Fall des Todes erben die Angehörigen alle Internet-Konten“, sagt Claudia Schmitz, Leiterin der Beratungsstelle Alsdorf der Verbraucherzentrale NRW. Doch häufig wissen sie nicht, welche Konten existieren oder ob diese Internetdienste sogar mit Kosten auf die Erben einhergehen. Das Problem wächst parallel zum digitalen Fußabdruck, der mit den zunehmenden Möglichkeiten im Internet immer größer wird.

Mobiltelefon, Internet, E-Mail

„Vor 20 Jahren hatte nur jeder vierte ein Mobiltelefon. 2002 hatten nur 47 Prozent der Haushalte in Deutschland einen Internetzugang“, sagt Christian Jäger, Geschäftsführer des Bestatterverbands NRW. Heute seien es zwischen 80 und 85 Prozent und bei den Nutzern bleibe es nicht nur beim E-Mail-Konto. Hinzu kommen Profile in den Sozialen Medien, Kontonummern, die bei Kaufplattformen wie Amazon oder Otto hinterlegt wurden und die Log-in Daten für alle Internetseiten, auf denen sich ein Mensch im Netz registriert hat.

Überall werden Daten eingegeben und gespeichert. „Der Großteil des Privatlebens spielt sich online ab, und solange das jeweilige Unternehmen existiert, bleibt auch das Konto bestehen“, sagt Jäger. Die wenigsten Menschen hätten einen genauen Überblick darüber, wo sie überall ein Konto im Netz angelegt hätten. „Wenn ein Mensch im Jahr 2005 etwas im Internet bestellt hat, existiert dieses Konto bis heute“, bemerkt Jäger.

Kein deutscher Rechtsraum

Schwierig werde es, wenn ein Mensch stirbt, ohne seinen digitalen Nachlass geregelt zu haben, denn diese Art von Nachlass sei komplizierter zu verwalten, als Häuser oder Autos. „Allein beim Facebook-Konto kann es Probleme geben, weil der deutsche Rechtsraum verlassen wird. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Irland, die Server stehen in den USA“, erklärt Christian Jäger. Besonders schwierig werde es bei Verträgen, die im Internet abgeschlossen wurden, sagt Claudia Schmitz. Beispiele sind Stromanbieter oder Streaming-Dienste für Musik, Serien oder Filme, die Abonnements anbieten.

Junge Menschen spielen zunehmend Computerspiele im Netz, die kostenpflichtig sind. Im Todesfall laufen die Abonnements auf Kosten der Angehörigen weiter; eine Kündigung kann kompliziert werden. „Für diese muss das Unternehmen angeschrieben werden und eine Kopie der Sterbeurkunde vorgelegt werden“, wie Piet Nießen vom Beerdigungsinstitut Krebs, Ludwig und Söhne, Imgenbroich, erklärt.

Zudem merken Angehörige in manchen Fällen erst spät, dass noch Abonnements des Verstorbenen laufen. „Zur Zeit beraten wir eine Frau, deren Mann bereits im August gestorben ist. Jetzt hat sie eine Rechnung von einem Internet-TV-Anbieter über 69 Euro erhalten. Die Frau hatte keine Kenntnis darüber, dass ihr Mann das Abo abgeschlossen hatte“, sagt Schmitz. Erst bei Vorlage des Erbscheines, der zeigt, dass die Frau berechtigt ist, das Abo zu kündigen, würde das Unternehmen reagieren. „Meist merken Angehörige erst, dass noch Verträge bestehen, wenn Mahnungen eingehen.“, sagt Schmitz.

Kommerzielle Unternehmen haben bereits aus der Abwicklung des digitalen Nachlasses ein lukratives Geschäft gemacht. Vor allem warnt die Verbraucherzentrale NRW vor schwarzen Schafen in der Branche. „Es gibt Firmen, die sammeln persönliche Daten oder nutzen sie zu dubiosen Zwecken. Jeder, der Zugang zu Konten hat, kann im Netz Bestellungen abschließen und die Erben können auf den Kosten sitzenbleiben.“, warnt Claudia Schmitz.

Deshalb rät auch Piet Nießen, eine Auflistung aller möglichen Kontozugangsdaten zu führen und am besten auch im Testament zu regeln, was mit den Daten geschehen soll. „Man sollte immer eine vertraute Person haben, der man diese Auflistung gibt, sonst kann es zu einem langen Rechtsstreit zwischen den Angehörigen und den Unternehmen kommen“, sagt Nießen. Auch Christian Jäger rät dazu, „alle Netzaktivitäten der letzten vier bis sechs Jahre zu reflektieren“.

Wer vor dieser Liste zu Lebzeiten zurückschreckt, sollte zumindest E-Mail-Adresse mit zugehörigem Passwort den Angehörigen überlassen, damit die Passwörter der anderen Internetseiten zurückgesetzt werden könnten, empfiehlt Claudia Schmitz.

Am wichtigsten sei die testamentliche Vollmacht, in der festgelegt ist, wie über die Konten und Profile in den Sozialen Netzwerken verfügt werden soll und wer dies tun soll. Normalerweise wird das noch vorhandene Geld, das auf bestimmten Konten vorliegt, nach Vorlage des Erbscheins und der Sterbeurkunde von dem Unternehmen an das Konto des Verstorbenen überwiesen und dann je nachdem, wie es festgelegt wurde, unter den Erben aufgeteilt.

Gedenkseite bei Facebook

Bei vielen Sozialen Netzwerken, wie Facebook, Instagram und Co. Gibt es Vorkehrungen, die man zu Lebzeiten treffen kann, um sicher zu stellen, was mit den Profilen nach dem Tod passiert. Bei Facebook gibt es beispielsweise die Möglichkeit, einen Nachlass-Kontakt einzutragen, der allein dazu befugt ist, das Profil im Sterbensfall zu löschen. Auch beim Google-Konto ist eine solche Einstellung möglich. Erfolgen diese Vorkehrungen nicht, wandeln Facebook und Tochter Instagram das Profil, sobald der Todesfall von einem Angehörigen oder engen Freund gemeldet wurde, in eine Gedenkseite um. Außerdem könnte eine Löschung von den Angehörigen beantragt werden.

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