Rollesbroich - Nach 30 Jahren: Besuch bei den Rollesbroicher Vierlingen

Nach 30 Jahren: Besuch bei den Rollesbroicher Vierlingen

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
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Die Vierlinge aus Simmerath-Rollesbroich mit einem Zeitungsausschnitt von Dezember 1985 – wenige Wochen nach ihrer Geburt: Harald, Andrea, Rebecca und Sebastian Bach (von links).
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Rebecca, Andrea, Harald und Sebastian Bach 2006, also mit 20 Jahren, bei „Rock am Ring“. Die Musikgeschmäcker sind allerdings verschieden...
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Andrea, Rebecca, Sebastian und Harald mit den Eltern Lydia und Herbert Bach und dem großen Bruder Thomas.
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Hier als dreijährige Rasselbande mit Rebecca, Andrea, Sebastian und Harald.

Rollesbroich. Ein Termin mit dem kompletten Quartett glückte erst im dritten Anlauf. Dass bei den ersten Verabredungen jeweils eine der Damen fehlte, lag aber nicht an familiärer Disharmonie, sondern allein am typischen Terminstress im Jahresendspurt. Denn sie pflegen nach wie vor einen großen Zusammenhalt, die Vierlinge der Familie Bach aus Rollesbroich: Andrea, Rebecca, Harald und Sebastian sind mittlerweile 31 Jahre alt und stehen mitten in ihrem Leben, das am 29. Oktober 1985 einen so fulminanten Anfang nahm.

„Junge Frau aus Rollesbroich brachte Vierlinge in nur 14 Minuten zur Welt“ und „Vierlinge halten Eltern Tag und Nacht auf Trab“ titelten damals die Lokalzeitungen, nachdem Lydia Bach im Beisein ihres Ehemannes Herbert die vier gesunden Babys als erste Vierlingsgeburt im damals neuen Aachener Klinikum zur Welt gebracht hatte.

Was damals und bis heute zumindest in der Öffentlichkeit eigentlich nicht gebührend zum Ausdruck kam, sind die medizinischen Umstände dieser Mehrlingsgeburt. Denn im Bauch von Lydia Bach bildeten sich die vier Föten infolge natürlicher Zellteilung, also nicht, wie damals und heute noch häufiger vorkommend, aufgrund einer Hormonbehandlung oder künstlichen Befruchtung. „Der Clou an der Sache aber war, dass sie mich gar nicht auf dem Schirm hatten“, erzählt Andrea Bach lachend.

Denn ihre Mutter wurde an besagtem 29. Oktober in Erwartung einer Drillingsgeburt in den Kreißsaal der Aachener Uniklinik geschoben. Nachdem Harald, Rebecca und Sebastian das Kunstlicht der Welt erblickt hatten, „wollte das große Team aus Ärzten, Schwestern und Hebammen schon zusammenräumen, als sich plötzlich noch Nummer vier ankündigte“, schrieb die Zeitung damals. Weder Herztonaufzeichnungen, noch – damals noch zweidimensionale – Ultraschallbilder hatten einen Hinweis darauf gegeben, dass mehr als drei Kinder im Bauch der Mutter herangewachsen waren.

War schon die biologische Bildung der Mehrlingsgeburt im Bauch der Mutter eine medizinische Seltenheit, so war die Geburt eine noch größere: Denn die Vierlinge kamen in sage und schreibe 14 Minuten auf natürlichem Wege auf die Welt. Zwar hatte man im Klinikum alles für einen Kaiserschnitt vorbereitet, doch das kerngesunde Quartett hatte einen anderen Plan... 38 Wochen hatte Lydia Bachs Schwangerschaft gedauert, die Vierlinge kamen also nicht mal als „Frühchen“ und alle vier mit einem Geburtsgewicht von über 2000 Gramm zur Welt.

Schnell machte die Kunde von den Rollesbroicher Vierlingen die Runde in der Eifel und weit darüber hinaus. Und rasch rollte eine Welle der Hilfsbereitschaft für die plötzlich siebenköpfige Familie an. Denn mit Thomas Bach (3) hatten die Vierlinge auch schon einen großen Bruder, und ihre Eltern konnten vor allem Kinderkleidung gut gebrauchen.

Doch rasch legte sich der Rummel um das vierfache Glück der Bachs, „auch wenn es natürlich immer für Aufsehen sorgte, wenn unsere Eltern mit uns Vieren oder Fünfen irgendwo auftauchten“, erzählt Sebastian Bach. Er und seine drei Vierlingsgeschwister wuchsen dann „eigentlich wie ganz normale Kinder auf – nur, dass wir halt immer zu viert bzw. mit Thomas zu fünft waren“, berichtet Harald Bach.

Im Rollesbroicher Kindergarten freute man sich genau so über den vierfachen Zuwachs wie Anfang der 90er-Jahre in der Lammersdorfer Grundschule, wo die vier kleinen Bachs zusammen eingeschult wurden. Und der gemeinsame Weg für Andrea, Rebecca, Harald und Sebastian ging auch nach Ende der Grundschulzeit noch weiter, denn alle vier wechselten danach auf die Hauptschule in Simmerath. Auch wenn das Quartett hier durch Zurückstellungen getrennt wurde, machten die vier Bachs dort auch sechs Jahre später (2003) gemeinsam ihren (unterschiedlichen) Abschluss.

Auch wenn Kindergarten- und Schulzeit somit komplett im Gleichschritt abliefen, gingen die vier Geschwister mehr und mehr ihre eigenen Wege. „Es war nicht so, dass wir immer zusammen hingen. Jeder hatte auch seine eigenen Freunde, Spielpartner oder Klassenkameraden“, erzählt Harald. Auf alten Fotos aus Kindergarten- und Schulzeiten sei das gut zu sehen, „weil wir da fast nie nebeneinander stehen“, sagt Andrea. Gleichwohl pflegte das Quartett in der Kinder- und Jugendzeit stets großen Zusammenhalt – auch als sich die Eltern trennten und die beiden Mädchen mit der Mutter nach Imgenbroich zogen.

Nach dem Ende der Schulzeit ging es für die Vierlinge in die Ausbildung – und hier trennten sich die Wege dann wirklich: Andrea begann eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau beim Real in Imgenbroich, ihre Schwester Rebecca wurde Frisörin, Harald lernte Stuckateur und Sebastian ließ sich zunächst zum Maler und Lackierer ausbilden. Drei der Vierlinge arbeiten noch heute in ihren Ausbildungsberufen, nur Sebastian ist mittlerweile Berufskraftfahrer. Und alle vier „Blätter“ des Rollesbroicher Glücksklees sind auch bis heute in der Eifel heimisch geblieben – wenn man Sebastians Wohnort Venwegen mit dazu zählt. Harald hat in Rollesbroich gebaut, die Mädchen wohnen heute wieder in der Gemeinde Simmerath.

Keine große Ähnlichkeit

Dass die Rollesbroicher Vierlinge mehreiig sind, erkennt man nicht nur daran, dass sie sich äußerlich nicht so sehr gleichen. Auch charakterlich und was die Hobbys betrifft, ist das Quartett ziemlich bunt gestrickt. So ist die von klein auf eher zurückhaltende Rebecca die Sportlichste der Vier, während ihre Schwester Andrea gerne, früher oft auch mit ihrem Bruder Sebastian, auf die Piste geht und zudem die – bei Frauen eher seltene – Leidenschaft für das Jagen entdeckt hat. Sebastian hilft bis heute dem Vater fleißig auf dem Bauernhof in Rollesbroich und fährt Motorrad-Straßenrennen. Und Harald hat es als begeisterter Feuerwehrmann in der Rollesbroicher Löschgruppe bereits zum Unterbrandmeister gebracht.

Wenn man mit den vier sympathischen jungen Leuten, die 2015 ihren 30. Geburtstag mit einer Riesensause und 200 Freunden gemeinsam feierten, über die Zukunft spricht, dann werden aber noch mehr Gemeinsamkeiten deutlich: Alle vier sind sie liiert, aber noch nicht verheiratet. Und auf die Frage, ob sie einmal selber Kinder haben möchten, antworten alle vier Bachs wie aus einem Munde: „Auf jeden Fall!“

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