Monschau/Simmerath - Nach 192 Jahren: Schmuckgeschäft Kaulard schließt

Nach 192 Jahren: Schmuckgeschäft Kaulard schließt

Von: hes
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Nach nur elf Monaten Bauzeit konnten 1989 die neuen Geschäftsräume der Familie Kaulard in der Robert-Koch-Straße eröffnet werden. Das Schmuckgeschäft schließt nun.
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Am 13. April 1949 erteilte der Kreis Monschau „dem Uhrmachermeister Matthias Kaulard die Genehmigung ein Verkaufsstelle für Uhren, Schmuck, optische Artikel und Geschenkartikel in den Räumen der ehemaligen Uhrmacherei Braun am Markt 4 in Simmerath“.
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Matthias Kaulard zog mit seiner Firma von Eicherscheid nach Monschau und gründete dort ein Fachgeschäft mit Uhren, Schmuck und Brillen.

Monschau/Simmerath. Wenn am letzten Tag dieses Jahres im linken Teil des Ärzte- und Geschäftshauses an der Robert-Koch-Straße 6 in Simmerath die Türe abgeschlossen wird, dann endet auch ein Stück Handelsgeschichte im Monschauer Land.

192 Jahre lang war die Unternehmerfamilie Kaulard, die ihre Wurzeln in Eicherscheid hat und später in Monschau heimisch wurde, mit einem Uhren- und Schmuckgeschäft im heutigen Gemeindegebiet Simmerath vertreten, doch diese Ära endet nun. Da Eigentümer Hans-Benno Kaulard im Juni seinen 65. Geburtstag feierte, möchte er kürzer treten und mit seiner Frau Reinhild nur noch das heutige „Stammgeschäft“ an der Rurstraße in Monschau weiterführen.

Tochter Jutta Kaulard (39) wird die Filiale im Imgenbroicher Wernershof 2017 übernehmen, der Standort Simmerath, wo man seit 1949 im Zentralort vertreten ist, wird für den Handel mit Schmuck und Uhren zum neuen Jahr aufgegeben.Grund genug, in die bewegte Geschichte der Unternehmerfamilie zu schauen.

Stammhaus in Eicherscheid

Das Stammhaus der Familie Kaulard hat in Eicherscheid gestanden. Der aus Eicherscheid stammender Peter Kaulard erlernte vor mehr als 250 Jahren während seiner Militärdienstzeit das Uhrmacherhandwerk und fertigte, nachdem er im Jahre 1756 in seine Eifelheimat zurückgekehrt war, in Eicherscheid von Hand die Eifeler Wanduhren an, die in manchem Bürgerhaus als Zierstücke standen. Diese Uhren wurden einst nachweislich bis nach St. Vith und Malmedy sowie nach Aachen, Düren und Stolberg geliefert.

Erstmals urkundlich als Uhrmacher erwähnt wurde im Jahre 1823 Martinus Kaulard, als er die Geburt seines Sohnes Gerardus anzeigte. Diese Jahreszahl ist das anerkannte Gründungsjahr der Firma Kaulard und somit auch der Beginn der Geschäfte auf dem Boden der heutigen Gemeinde Simmerath.

Nach Monschau kam die Familie Kaulard erst 84 Jahre später: 1907 zog ein direkter Nachfahre von Peter Kaulard, nämlich Matthias Kaulard, von Eicherscheid nach Monschau und gründete dort direkt am Markt, Hausnummer 2 (heute Restaurant Stadtkrone) ein Fachgeschäft mit Uhren, Schmuck und Brillen. Nur sieben Jahre befand sich das Geschäft in zentraler Lage am Markt, ehe 1914 im zuvor erstandenen und komplett umgebauten Haus in der Laufenstraße 30 in Monschau die neuen Geschäftsräume eingeweiht wurden.

Nach Eröffnung einberufen

Nur einen Tag nach der Einweihung bekam der Uhrmachermeister Matthias Kaulard den Einberufungsbescheid zur Kaiserlichen Armee – der Erste Weltkrieg war in vollem Gange. In den Kriegsjahren führte seine Frau Pauline (geborene Jansen), die er 1907 geheiratet hatte, das Geschäft weiter und kümmerte sich gleichzeitig um die Erziehung der beiden Kinder Mathilde und Benno.

Der Sohn der Familie legte 1932 vor der Handwerkskammer Aachen die Meisterprüfung als Uhrmacher ab und wurde 1939 eingezogen. Erst 1947 kam er aus einem russischen Gefangenenlager nach Monschau zurück und trat in die väterliche Firma ein. 1948 heiratete Benno Kaulard seine Frau Otty, und zwischen 1950 und 1958 wurden die Kinder Hans-Benno, Elisabeth, Matthias und Gerhard geboren.

Indes erweiterte die Familie Kaulard ihr Geschäftsangebot und beschritt den Weg (zurück) nach Simmerath, diesmal aber in den Zentralort: Am 13. April 1949 hatte der Kreis Monschau „auf Grund des Einzelhandelsschutzgesetzes dem Uhrmachermeister Matthias Kaulard die Genehmigung ein Verkaufsstelle für Uhren, Schmuck, optische Artikel und Geschenkartikel in den Räumen der ehemaligen Uhrmacherei Braun am Markt 4 in Simmerath“ erteilt, die Verwaltungsgebühr dafür betrug damals DM 10,00.

1955 die Rurstraße 5 erworben

1953 dann legte Benno Kaulard vor der Handwerkskammer Aachen seine Meisterprüfung als Augenoptiker ab und übernahm 1954 gemeinsam mit seiner Frau Otty Kaulard die Firma. Der Firmenname Matthias Kaulard wurde beibehalten und um den Zusatz „Inh. Benno Kaulard“ ergänzt.

1955 wurde das heutige Geschäftshaus in der Rurstraße 5 erworben und in einem ersten Bauabschnitt umgebaut, 1957 dann zog die Firma Kaulard von der Laufenstraße in das neue Haus um und damit wieder ein kleines Stück näher ins Zentrum.

Aber auch in Simmerath blieben die Kaulards nicht untätig: 1965 wurden die Geschäftsräume am Markt 4 in Simmerath vollständig umgebaut und die Verkaufsfläche wurde mehr als verdreifacht.

Von 70 auf 240 Quadratmeter

1972/73 dann der nächste große Um- und Ausbau in Monschau: Das Haus in der Rurstraße wurde vollständig umgebaut und die Geschäftsräume von 70 auf 240 quadratmeter vergrößert. Das damals geschaffene Äußere des Hauses wurde in seinem historischen Bild bis heute erhalten. Nur der Name des Hauses änderte sich: Hatte es früher „Haus am Felsen“ geheißen, so erhielt es nun den Namen „Gelbes Haus“.

Die Anregung dazu hatte indirekt der Landeskonservator gegeben, der für den Außenanstrich die gelbe Farbe vorgeschlagen hatte. Innen aber änderte sich zumindest am Sortiment nichts: In den drei Etagen dieses markanten Hauses im Ensemble der Altstadt wird seit jeher von kleinen Geschenken bis zu hochwertigen Uhren und Juwelen alles verkauft.

1974 traten Hans-Benno Kaulard und seine Frau Reinhild in die Firma ein, und 1980 legte Hans-Benno Kaulard die Meisterprüfung als Augenoptiker ab. Im gleichen Jahr eröffnete er im erste Stock des Kaufhaus Victor im Herzen von Imgenbroich das erste Spezialgeschäft nur für Augenoptik. 1982 trat auch sein Bruder Matthias Kaulard in die elterliche Firma ein.

Zum gleichen Zeitpunkt wurden in Simmerath die Bereiche Schmuck und Uhren sowie Augenoptik und Hörgeräteakustik getrennt; ein weiteres Spezialgeschäft für diesen Bereich wurde im Simmerather Gewerbegebiet eröffnet.

1983 übernahmen die Brüder Hans-Benno und Matthias Kaulard die Firma von ihren Eltern, der Firmenname änderte sich in Matthias Kaulard oHG. Und auch die neuen Inhaber expandierten weiter: 1985 wurde in Stolberg an der Ecke Rathausstraße/Schellerweg ein neues Spezialgeschäft für Augenoptik und Hörgeräteakustik eröffnet.

In der Eifel gingen die Aktivitäten drei Jahre später weiter: 1988 wurde mit den Bauarbeiten für das neue Wohn und Geschäftshaus in Simmerath begonnen, und bereits nach elf Monaten Bauzeit konnten 1989 die neuen Geschäftsräume in der Robert-Koch-Straße eröffnet werden. Alle Geschäftsbereiche der Firma Kaulard oHG waren damit in Simmerath wieder unter einem Dach vereint.

Auch in Imgenbroich tat sich etwas: Ebenfalls 1989 wurde dort der ehemalige Konsum an der Trierer Strasse 266 erworben, total umgebaut und das Augenoptik-Spezialgeschäft aus dem Kaufhaus Victor in die eigenen Räume verlegt.

Nur knapp zehn Jahre verblieb das Geschäft im Gebäude mit der blauen Fachwerkfassade, denn im Jahr 1998 kaufte Reinhild Kaulard von der Stadt Monschau den um 1800 erbauten Wernershof, ein Stück die Trierer Straße aufwärts. Nach einjähriger Planungsphase wurde im Dezember 1999 mit den umfangreichen Sanierungsarbeiten an diesem historischen Gebäude begonnen und im November 2000 fertiggestellt.

Am 1. Dezember 2000 eröffneten Reinhild und Hans-Benno Kaulard in diesen aufwendig sanierten Räumen ein Juwelier- und Augenoptikfachgeschäft. Das bestehende Augenoptikfachgeschäft wurde von der Trierer Strasse 266 in den Wernershof verlegt und auf eine Fläche von etwa 260 Quadratmeter vergrößert.

Tradition wird fortgesetzt

Ein Jahr später folgte wieder ein markanter Einschnitt in den besitzverhältnissen der Firma Kaulard: Zum 1. Februar 2001 trennten sich die Brüder Kaulard und teilten die elterliche Firma auf. Seitdem führen Reinhild und Hans-Benno Kaulard die beiden Juweliergeschäfte in der Altstadt Monschau und in der Robert-Koch-Straße 6 in Simmerath.

Zusätzlich betreiben sie das Juwelier- und Augenoptik-Fachgeschäft im historischen Wernershof in Imgenbroich. Matthias Kaulard baute unter dem später geschaffenen Begriff „coolart“ zahlreiche Fachgeschäfte für Optik, Hör- und Pädakustik in der gesamten Region und auch jenseits der Grenze auf.

In beiden Familien und Firmen wird die Familientradition fortgesetzt. Matthias‘ Sohn Urs Kaulard legte mit 20 Jahren seine Prüfung zum Hörgeräteakustikermeister ab, und auch beide Töchter von Reinhild und Hans-Benno Kaulard machten die Augenoptik zu ihrem Metier: Die ältere Tochter Jutta Kaulard legte 2013 ihre Meisterprüfung als Augenoptikerin vor der Handwerkskammer in Koblenz ab, nachdem sie vor der University of Heffordshire ihre Prüfung zum Bachelor of Arts in European Buisiness Administration absolviert hatte. Jutta Kaulard wird künftig das Juwelier- und Augenoptik-Fachgeschäft in Imgenbroich weiterführen.

Die jüngere Tochter Kathrin Kaulard legte bereits 2004 vor der Handwerkskammer Karlsruhe ihre Prüfung als Augenoptikerin ab und schloss 2008 ein Studium der Augenoptik an der FH Aalen als Diplom-Ingenieurin (FH) ab. Im vergangenen Jahr promovierte sie am MPI für biologische Kybernetik in Tübingen. Sie lebt heute in Frankfurt.

„Wir wollen kürzer treten“, sagt Hans-Benno Kaulard, möchte aber gemeinsam mit seiner Frau Reinhild noch nicht ganz die Kundschaft missen. Im gelben Haus an der Monschauer Rurstraße, wo Hans-Benno Kaulards Mutter Otty bis zu ihrem Tod 2008 (Benno Kaulard starb 1990) bis ins hohe Alter gerne ihre Kunden bedient hatte, wird man sie auch künftig noch häufiger antreffen.

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