Musik für die innere Ruhe

Von: bab
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Ein ungewöhnliches Konzert erlebten die Zuhörer in Roetgen mit Ani Choying Drolma. In ihrer Heimat Nepal ist die singende Nonne ein Foto: Barbara Berger

Roetgen. Reglos, etwas unscheinbar, mit glattrasiertem Kopf und in ein einfaches rot-orangefarbenes Gewand gehüllt, wartet Ani Choying Drolma geduldig, bis sich das nervöse Summen und das hektische Stühle rücken im Saal gelegt hat. Auf ihrem Gesicht liegt ein unergründliches Lächeln.

Säße sie nicht auf der Bühne des katholischen Pfarrheims in Roetgen und damit im Mittelpunkt, niemand käme bei dem Anblick dieser zarten Frau auf die Idee, jemandem gegenüber zu sitzen, der es selbstbewusst und scheinbar mit Leichtigkeit schafft das Spirituelle mit dem Weltlichen zu versöhnen und den Westen mit dem fernöstlichen Nepal zu verbinden: „Ani” ist zwar der Namenszusatz nepalesischer Nonnen und in einem Kloster lebt auch sie - in der Hitparade des Himalaya-Staates allerdings steht ihr Name eher für musikalische Erfolge, denn Ani Choying Drolma ist ein waschechter nepalesischer Popstar.

Für die Intonation ihrer soghaften Mantras, die oft nur aus wenigen sich wiederholenden Lauten bestehen benötigt sie nicht mehr als ihre klare Stimme, um Ruhe einkehren zu lassen und „um den Körper der Zuhörer zu reinigen”, wie sie selbst sagt.

Auch in Europa und den Vereinigten Staaten, in denen die buddhistische Lehre in den letzten Jahren größere Popularität erlangt hat, ist die Ordensfrau inzwischen durch ihre Tourneen bekannt geworden, „denn Spiritualität”, so interpretiert sie ihren Erfolg in perfektem Englisch, „ist das universelle Bedürfnis, die Qualität des Herzens zu entwickeln, das vor keiner Grenze Halt macht”.

Und auch in Roetgen, wo sie jetzt eines ihrer Konzerte gab, scheint das Verlangen nach Spiritualität, innerer Einkehr und Meditation groß zu sein. Rund 300 Gäste drängten sich in das katholische Pfarrheim.

Nachdem sich die Unruhe im Raum gelegt hat, erklingt erstmals ihre klare Stimme. Wer rhythmische Weltmusik erwartet hatte, wurde enttäuscht, denn trotz ihres perfekten Englischs, trotz der Tourmanagerin und der eigenen Homepage, ist Ani vor allem Nonne.

Daher singt sie Mantras und Gebete, die den Geist schützen sollen. Und deswegen wirken die exotischen Klänge in Sanskrit, Nepalesisch oder Tibetisch authentisch, trotz der gelegentlichen Gitarrenuntermalung, die die puristischen Gesänge für westliche Ohren wohl zugänglicher machen sollen.

Für die Zuhörer im Pfarrheim bedeutet das, die Augen zu schließen und sich auf die fremden Lautfolgen einzulassen. Statt Applaus breitet sich zwischen den Liedern Stille aus. Mit gedämpfter Stimme erläutert Ani Choying Drolma dann den Inhalt der Mantras.

Manche handeln davon, wie der Mensch gegen negative Emotionen wie Eifersucht oder Wut angehen kann, in anderen soll das aufbegehrende Ego des Menschen, in die Schranken gewiesen werden. Einen Einblick in die buddhistische Lehre gibt es umsonst dazu: „Alles hängt davon ab, wie wir die Dinge wahrnehmen”, erklärt Ani geduldig den interessierten Zuhörern.

Die Einnahmen ihrer Tour gehen ausschließlich an ihre Sozialprojekte. Neben der Mädchenschule, in der inzwischen etwa 50 Schülerinnen aus den ärmsten Familien des Landes in so wichtigen Fächern wie Englisch, Umgang mit dem Computer und Mathematik aber auch der buddhistischen Philosophie unterrichtet werden, richtet sie ein Krankenhaus ein, indem zukünftig nierenkranken Frauen geholfen wird. Dazu inspiriert wurde sie vom Tod ihrer eigenen Mutter, die an Nierenversagen starb.

Auch das erzählt Ani Choying Drolma mit einer erstaunlichen Gelassenheit und dem leichten Lächeln, das noch immer auf ihren Lippen liegt.

Und dann verspricht sie, doch noch einen richtigen Popsong zu spielen, einen echten nepalesischen Hit, eine moderne Komposition mit deutschem Refrain, in dem es heißt: „Schöne Augen öffnen sich einer schönen Welt.” Ein bisschen buddhistische Philosophie, ein wenig positives Denken findet sich in den Charts-Erfolgen vom anderen Ende der Welt dann doch.
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