Müllsack für Windeln: hilfreich oder peinlich?

Von: hes
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Familien, bei denen Windeln zur Entsorgung anfallen, haben es nicht leicht, schon gar nicht im neuen Monschauer Wiegesystem, wo die schweren Einmalwindeln kräftig zu Buche schlagen. Nun gibt es zumindest eine kleine Entlastung. Foto: Heiner Schepp

Monschau. CDU und SPD sprachen von einem „guten Kompromiss”, Grüne und FDP halten die Sache für „unausgereift”, und das Bürgerforum 21 findet die nun beschlossene Lösung schlicht „beschämend für die Betroffenen”.

Überaus kontrovers diskutierte der Rat der Stadt Monschau am Dienstagabend nochmals und vorerst abschließend das Thema Windelentsorgung im neuen Müllsystem.

Der nun gefasste Beschluss soll einerseits betroffene Haushalte mit Kleinkindern oder inkontinenten Erwachsenen entlasten, berücksichtigt aber auch die angespannte wirtschaftliche Lage der Stadt, denn „eine Übernahme der Gesamtkosten durch die Stadt Monschau ist bei der jetzigen Haushaltssituation nicht möglich”, wie die Verwaltung in der Vorlage unterstrich.

Deshalb scheine es vertretbar, „wenn die Abgabe von Windelsäcken gegen einen Eigenanteil von 1 Euro je Sack erfolgt”, wie es weiter heißt.

Abgabe nur gegen Attest

Dieser Sonderpreis, so der Beschluss, gilt jedoch nur für Familien mit Kindern im Alter bis zu drei Jahren sowie für Erwachsene, die ein ärztliches Attest über Inkontinenz vorlegen können.

Nach Berechnungen der Verwaltung lebten zum 31. März 2009 im Stadtgebiet Monschau 233 Kinder bis drei Jahre, die Zahl der Erwachsenen, die aufgrund von Inkontinenz Windeln nutzen, wird auf 150 bis 200 geschätzt.

Die Regelung ist mit einigen Einschränkungen verbunden. So ist die Zahl der Säcke auf 26 pro Person und Jahr beschränkt, bei Kindern ab dem zweiten Lebensjahr erfolgt die Abgabe der Windelmüllsäcke nur noch im voraus für jedes Quartal, „da ab diesem Alter der Gebrauch von Windeln rückläufig ist”, wie es in der Vorlage heißt.

Dadurch solle auch ein Missbrauch der Windelsäcke als Restmüllsack vermieden werden, dem man einen weiteren Riegel vorschiebt: „Zur Kontrolle der zweckentsprechenden Verwendung ist die Ausgabe von transparenten Säcken vorgesehen”, kündigt die Verwaltung an.

Gerade der letzte Aspekt löste jedoch beim Bürgerforum 21 höchstes Unbehagen aus.

„Wenn erwachsene Bürger einen vollen und durchsichtigen Sack mit Windeln neben die Mülltonne stellen müssen, ist das für sie beschämend, das ist ein Outen der peinlichsten Art”, meinte Roland Thimm. „Und wie wird das in den Altenheimen geregelt?” hatte der Vertreter des Bürgerforums „zwei gravierende Schwachstellen der neuen Regelung” ausgemacht.

Thimm wie auch die FDP sprachen sich stattdessen für einen finanziellen Zuschuss der Betroffenen aus. Paul Hüllenkremer, Sprecher der Liberalen, rechnete vor, dass bei einem Kaufpreis von einem Euro nur die Hälfte der tatsächlichen Kosten subventioniert würde und nannte dies „ein faules Angebot und Augenwischerei”.

50.000 Euro vertretbar

Für die FDP schlug er vor, allen (nach Verwaltungskalkulation) 433 betroffenen Personen die Kosten zu erstatten, schließlich seien „darunter Kleinkinder sowie viele kranke und behinderte Menschen”, so Hüllenkremer, der den Aufwand von rund 50.000 Euro dafür als „vertretbar” einstufte.

Da aus Sicht der FDP „das neue Müllwiegesystem eine Krücke mit vielen Nachteilen” sei und dazu führen werde, „dass wir in der Landschaft vermehrt wilden Müll auffinden werden”, lehnten die Liberalen auch die Windellösung ab.

Ihre Zustimmung zum „Windel-Kompromiss” verweigerten auch die Grünen. „Diese Sache ist nicht ausgereift, das ist in unseren Augen das Verteilen einer symbolischen Wahlkampfspende”, rechnete Sprecher Werner Krickel vor, dass dieser Zuschuss für jeden Betroffenen nur eine Hilfe von acht Cent pro Tag ausmache, „das ist sehr wenig”, so Krickel. Zudem sei zu befürchten, dass die Aufsichtsbehörde den Windelzuschuss, der ja eine freiwillige Ausgabe der Stadt sei, als Erstes streiche.

„Familienfreundlichkeit ist anders darzustellen”, hielt auch Krickel einen direkten Zuschuss für unproblematischer und schlug vor, „nach Ende des Wahlkampfs am 30. August zu einer vernünftigen Lösung” zu kommen.

Für die CDU sah Micha Kreitz in der beschlossenen Vorgehensweise „ein Zeichen der Familienfreundlichkeit”, während Gregor Mathar (SPD) es als wichtig ansah, „dass diese Lösung keine Momentaufnahme ist, sondern auf Dauer Bestand hat. Der Bürger muss sich darauf verlassen können”, so Mathar.
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