Eifel - Motorradrennen am Rursee auch im Netz ein Hit

Motorradrennen am Rursee auch im Netz ein Hit

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
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Solche und ähnliche Videos kursieren im Netz, sind aber zumeist älteren Datums und von daher wohl schwer zu ahnden. Screenshot: Kutsch

Eifel. Die bereits sechste Großaktion der Polizei gegen Motorradunfälle am Rursee in dieser noch jungen Saison und die Berichterstattung in den Medien hat – nicht ganz unerwartet – die Diskussionen um das Motorradfahren in der Eifel wieder entfacht.

„Zahlen belegen, dass trotz des Kontrolldrucks durch unsere großen und kleineren Maßnahmen an praktisch jedem Wochenende bisher keine Besserung eingetreten ist“, sagte Polizeipräsident Dirk Weinspach am Sonntag, als er unter anderem die Kontrollstelle am Ehrenfriedhof oberhalb der Jugendherberge Rurberg besuchte.

Wie berichtet, wurden bei der groß angelegten Kontrollaktion im Rahmen des „Linksrheinischen Qualitätszirkels“ allein am Sonntag 488 Verstöße durch die Polizei festgestellt und verfolgt. Was aber der Polizei und anderen Ordnungsbehörden Kopfschmerzen bereitet, ist weniger die Menge von 94 Motorrad- und 359 Autofahrern, die zu schnell, zu laut oder zu rücksichtslos unterwegs waren und dabei erwischt wurden. „Die Aktion gilt vornehmlich den ‚Ausreißern‘, die in unverantwortlicher Geschwindigkeit sich und andere gefährden und mit ihrer Lautstärke ihre Umgebung belästigen“, sagte Polizeipressesprecher Andreas Müller am Rande der Aktion.

„Nicht gegen Motorradfahrer“

Dies ist auch zu 100 Prozent im Sinne von Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns, der den Aachener Polizeipräsidenten am Sonntag begleitete. „Ich bin nicht generell gegen Motorradfahrer, auch wenn mir das immer wieder unterstellt wird. Wir sind eine Tourismusregion und freuen uns über jeden Gast, der hier Ruhe und Erholung sucht, auch Motorradfahrer, auf die ja auch unsere Gastronomie teils ausgerichtet ist“, bekräftigte der Bürgermeister. Wenn er aber wahrnehme, „dass sich die Zahl der Beschwerden von Bürgern und auch von Leuten, die hier Urlaub machen wollen, drastisch erhöht, wenn mir Bürger sagen, dass sie ihr Haus an der Strecke verkaufen oder wenn ich höre, dass jetzt sogar nachts Rennen gefahren werden, dann kann es das doch wohl nicht sein“, ereiferte sich der Bürgermeister und erzählte eine Begebenheit aus der vergangenen Woche: „Da ist eine Gruppe von Radfahrern aus der Gemeinde Simmerath von Einruhr nach Kesternich geradelt und wurde in dieser Zeit sage und schreibe sechs Mal von ein und derselben Gruppe Motorradfahrer überholt, die ganz offensichtlich ein Rennen veranstaltete.“

Motorradrennen am Rursee sind auch beim Internet-Videoportal Youtube gerne gesehen. Videos wie „Rurberg Runde 6.42min“ oder „dagje eifel Rurberg“ sind viel geklickt, teils aber auch heftig kommentiert und kritisiert von anderen Motorradfahrern, die den Ruf der ganzen Interessengruppe durch einige wenige Kollegen gefährdet sehen. Ein anderer Fahrer hat sogar gefilmt, wie er das Provida-Motorrad der Polizei überholt und dann von selbigem zur Rechenschaft gezogen wird. Die Kontroll-BMW der Polizei, die Verstöße aufzeichnet, war natürlich auch an der Aktion am Sonntag beteiligt – wenn auch zunächst „nur mit präventiver Wirkung“, wie der Fahrer, Polizeioberkommssar Markus Fechner, am Mittag berichtete. Die Fahrer seien mittlerweile über Foren und WhatsApp-Gruppen gut vernetzt und wüssten, wenn die silberne BMW mit Euskirchener Kennzeichen rund um den See unterwegs sei. „Die Maschine ist auch schon sehr bekannt in diesen Kreisen. Meistens werde ich überall mit Handschlag begrüßt“, berichtete der Provida-Fahrer.

Ein paar Ausreißer aber seien immer dabei, wie auch die Kontrollaktion am Sonntag zeigte, als ein Zweiradfahrer mit 134 km/h in der 50er-Zone erwischt wurde.

Der Bericht über die sonntägliche Kontrollaktion löste auch auf der Facebookseite unserer Zeitung wieder ein gewaltiges Echo aus, wurde von Sonntagabend bis Montagmorgen über 20.000 Mal aufgerufen und sorgte für emotionale Debatten.

„Die Polizei soll auf Youtube diejenigen ausfindig machen, die sich dabei filmen, wie sie mit 260km/h um den Rursee rundum Rurberg rasen. ... wenn ich ein Video poste und nicht gemafreie Musik benutze, muss ich 1500 Euro Strafe zahlen. Hier schafft die Polizei es, den Account zu ermitteln“, meinte User Sascha M., während Harald E. das Ergebnis der Kontrollaktion so kommentiert: „Keine 100 Motorradfahrer, aber über 350 Autofahrer zu schnell! Aber die Motorradfahrer sind die Bösen! Viele Eifeler meckern, aber das Geld, was die Touris bringen, nehmen sie!“

„Knierutscher“ mit Kamera

Indes fand sich bei der Kontrollaktion am Sonntag am Ehrenfriedhof auch eine Gruppe mit aufgedruckten Namen „Knierutscher“ ein, wie Karl-Heinz Hermanns beobachtet hatte. Und einer der Fahrer dieser Gruppe hatte auch eine Actionkamera vorne auf dem Tank montiert. Auf die Frage, was er denn damit filme, meinte der Fahrer nur: „Natürlich die wunderschöne Eifellandschaft!“

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