Montjoie Musicale: Hochkarätiges Kammerkonzert im Aukloster

Von: Josef Schreier
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Sachlich und klar: So spielte Giuliano Adorno die russischen Meister beim Konzert im Aukloster Foto: J. Schreier

Monschau. Auch das schöne Wetter des Palmsonntags verhinderte nicht, dass das Kammerkonzert in der Reihe „Montjoie Musicale“ wiederum gut besucht war. Und dies sogar, obwohl absehbar war, dass das angekündigte Programm des italienischen Pianisten Giuliano Adorno ziemlich schwere Kost bedeuten würde.

Es gab spätromantische russische Klaviermusik, und zwar jeweils eine schwergewichtige Sonate von Alexander Skrjabin, von Sergei Prokofjew und von Sergei Rachmaninow.

Der junge Pianist Giuliano Adorno brachte diese auf das erste Anhören sicherlich nicht leicht zugänglichen Werke mit einer bemerkenswerten Sachlichkeit und Klarheit zum Klingen, wobei vor allem erstaunlich ist, dass gerade italienische Künstler sich neuerdings stark mit der russischen Musik identifizieren.

Florian Koltun als künstlerischer Leiter der Kammermusikreihe musste sich diesmal besondere Mühe geben, um in seiner Moderation die seelische Gestimmtheit dieser russischen Komponisten verständlich zu machen, die sich einerseits zwischen der Bewahrung der musikalischen Tradition und der Eroberung musikalischen Neulands bewegen, andererseits aber auch den politischen Unbilden russischer Geschichte ausgesetzt waren und so zwischen Heimatverbundenheit und Emigration schwankten.

Besonders bei Prokofjew führte dies zu besonders auffälligen und neuartigen Formen des musikalischen Sarkasmus, die bereits in seiner frühen Sonate Nr. 2 zu bemerken sind. Noch weiter in musikalisches (und philosophisches) Neuland stieß freilich der älteste der dargebotenen Komponisten vor.

Für ihn, den relativ früh verstorbenen Alexander Skrjabin, ist es typisch, dass er mit seiner Musik eine allumfassende philosophisch-theologische Weltanschauung anzielt. So stellte auch die von Giuliano Adorno dargebotene frühe Sonate op. 19 nicht nur ein musikalisches Ereignis dar, sondern es geht dem Komponisten darum, in einem hintergründigen poetischen Bild – hier einer abendlichen Stimmung an einer Meeresküste – die menschliche Befindlichkeit im Ganzen zu reflektieren.

Die Einflüsse des musikalischen Impressionismus, von denen er ausgeht, werden so von Skrjabin auf seine besondere Weise überhöht.

Ähnliches gilt auch für den dritten und letzten der Komponisten dieses Nachmittags, für Sergei Rachmaninow. Er war ein fast gleichaltriger Kollege von Skrjabin, war aber dessen Neuerungen und philosophischen Hintergründen durchaus abgeneigt. Man kennt ihn bis heute vor allem durch seine effektvollen Klavierkonzerte, die in vielem die moderne Filmmusik inspiriert haben.

Auch in seiner 2. Klaviersonate op. 36 sind solche Elemente zu finden; das Werk ist aber im Ganzen eher durch eine gewisse Sprödigkeit gekennzeichnet, die nicht nur den Komponisten selbst zu einer späteren Bearbeitung veranlasste. Giuliano Adorno spielte in Monschau die Originalfassung von 1913 und konnte durch seine besonnene und unprätentiöse Darbietung das Publikum in jeder Hinsicht überzeugen.

Die beiden gut gewählten Zugaben des Künstlers rundeten das Programm noch zusätzlich ab. Da war einmal das Fantaisie-Impromptu op. 66 von Frédéric Chopin, das schlagartig auch eine der gemeinsamen Quellen der drei russischen Komponisten offenbarte.

Und ferner eines der „Preludes in Jazz Style“ des späteren russischen Komponisten Nikolai Kapustin, anhand dessen hörbar wurde, wie die Anregungen der drei Komponisten des Hauptprogramms weitergeführt wurden.

Insgesamt also wieder ein äußerst anregender und informativer Musiknachmittag. Florian Koltun wies zum Schluss auf das nächste Konzert am 7. Mai, 17 Uhr, hin, bei dem der scheidende Aachener Generalmusikdirektor Kazem Abdullah als Instrumentalsolist zu hören sein wird.

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