Monschau - „Montjoie Musicale“: Gefühlsspannungen ausgezeichnet hörbar

„Montjoie Musicale“: Gefühlsspannungen ausgezeichnet hörbar

Von: Josef Schreier
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Überzeugte mit Chopin am neuen, klangfülligeren Flügel: Zhao Ling aus China. Foto: Josef Schreier

Monschau. Ganz deutlich war am Sonntag zu bemerken, dass die Monschauer Kammerkonzerte unter der Regie von Florian Koltun in der sechsten Spielzeit bei den Musikinteressierten im Monschauer Land endgültig angekommen sind.

Als hätte man es gar nicht mehr erwarten können, füllten die Besucher beim ersten Nachmittag der neuen Serie den kleinen Konzertsaal im Aukloster vollständig. Vielleicht war es auch die Aussicht auf ein reines Chopin-Programm, welche die Zuhörer anlockte.

Die chinesische Pianistin Zhao Ling erwies sich als außerordentlich versierte Interpretin der vier Balladen von Frédéric Chopin sowie von dessen Variationen über ein bekanntes Motiv aus Mozarts „Don Giovanni“ („Reich mir die Hand, mein Leben“). Offensichtlich ist Zhao Ling als ostasiatische Musikerin der europäischen Kunst besonders nahe gekommen, was sich auch in ihrer aufgeschlossenen Art sowie im persönlichen Gespräch durch ein perfektes Deutsch bemerkbar machte.

Chopins Balladen interessieren sie nach ihren Worten vor allem deswegen, weil in diesen Werken die Persönlichkeit des Komponisten selber spürbar wird. „Balladen“ sind ja ursprünglich erzählende Gedichte. Aber die Gedichte, die Chopin möglicherweise konkret angeregt haben (vermutlich Werke seines polnischen Landsmanns Adam Mieckiewicz), sind wohl den wenigsten Hörern bekannt. Trotzdem bleibt der erzählende Charakter der Musik jederzeit erhalten.

Und Zhao Ling verstand es ausgezeichnet, die Spannung zwischen den abwechselnden Gefühlszuständen – Melancholie, Pathos, Dramatik – aufrechtzuerhalten und so eine Art persönliches „Tagebuch“ des Komponisten hörbar zu machen. Zu erwähnen ist, dass den Veranstaltern für die neue Spielzeit ein größerer Flügel zur Verfügung steht – ein veritabler Steinway. Der Umfang des Klanges ist nun spürbar größer, und man hatte nie das Gefühl, dass das Instrument an seine Grenzen geführt wurde. Freilich handelte es sich ja aber diesmal um Chopin, bei dem es weniger um die Massivität als um die Subtilität des Klanges geht.

Hinreißende Balance

Vielleicht hat sich Zhao Ling in der Tat da und dort einmal von dem Instrument dazu verleiten lassen, allzu stark auf die Tasten zu drücken. Aber dem Erzählenden und Dramatischen gerade dieser Chopin-Werke tat das keinen Abbruch. Dennoch hatte man den Eindruck, dass bei den Werken der zweiten Programmhälfte, nämlich der weniger dramatischen dritten Ballade und den Mozartvariationen, das Gleichgewicht zwischen Komponist, Werk und Instrument besser – und nun freilich in geradezu hinreißender Weise – gefunden wurde. Es war deutlich, dass zwischen Künstlerin und Publikum ein großes gegenseitiges Einvernehmen waltete, das sich in teils enthusiastischem Beifall äußerte.

Als Zugabe spielte Zhao Ling ein Stück aus den Chopin’schen Préludes, bevor der erfüllte und erfüllende Konzertnachmittag zu Ende ging. Florian Koltun führte, wie üblich, kundig und humorvoll durch das Programm und wies auf die nächsten Konzerte hin, zu denen es auch bald einen ausführlichen Flyer geben wird.

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