Monschau - Monschauer Jazz-Rallye kommt noch nicht in Fahrt

Monschauer Jazz-Rallye kommt noch nicht in Fahrt

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
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Auch Rock total gab es bei der 1. Monschauer Jazz-Rallye. Im Lütticher Hof zeigte Gitarrist Tony Hudspeth vollen Einsatz. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Schon die Macher der Monschauer Jazz-Matinee (2003 bis 2007) haben seinerzeit erfahren, wie schwer es ist, neben dem etablierten und traditionellen Angebot in der Region musikalische Alternativen zu bieten.

Es ist kein Problem, jeden Saal mit dem Herbstkonzert einer dörflichen Blasmusikvereinigung zu füllen, aber das Publikum zu einem Jazzkonzert zu locken, ist ein richtig mühsames Geschäft. Letztendlich scheiterte die Jazz-Matinee trotz zum Teil hochrangiger Künstler am mangelnden Publikumszuspruch.

Mit der 1. Monschauer Jazz-Rallye, die am Wochenende stattfand, sollte nun der Versuch gestartet werden, den Jazz wieder in die Altstadt zu befördern. Die Idee des zweitägigen Experiments klang vielversprechend: Sechs Bands spielen zugleich an vier Orten in der Stadt, der Besucher zahlt einmal und kann, wie es ihm gefällt, zwischen den Spielorten pendeln und dabei sogar einen Shuttle-Service nutzen.

Aber selbst dieses Angebot reichte nicht aus, um das Publikum in angemessener Zahl nach Monschau locken. Selbst wenn man das Erntedankfest im Nachbarort Mützenich als ernstzunehmende Konkurrenzveranstaltung in Betracht zieht, blieb der Besuch dennoch hinter den Erwartungen zurück. Und auch die im Vorfeld nicht gerade üppige Werbung hatte die Veranstaltung wohl noch nicht in den Köpfen präsent gemacht.

Echtes Kontrastprogramm

Dennoch: Das dünn gesäte Publikum der 1. Jazz-Rallye kam auf seine Kosten, und auch die Initiatoren wollen sich nicht entmutigen lassen, und die Rallye zu einer festen Einrichtung machen. Diese Absicht verkündete jedenfalls John Brünings, der neue Event-Veranstalter im Monschauer Carat-Hotel. Brünings hatte mit seiner Idee der Jazz-Rallye das Felsenkeller-Brauereimuseum, den Lütticher Hof und das Café Weekend als weitere Partner hinzugewonnen.

Es mögen vielleicht 60 bis 80 Besucher gewesen sein, die an beiden Tagen zwischen den vier Spielstätten pendelten, wo ein echtes musikalisches Kontrastprogramm geboten wurde.

Stark besucht war das „Stüvje” im Foyer des Carat-Hotels, wo das Susanne Riemer Quartett und das Duo Max Punstein ihre Visitenkarte abgaben. Hier nutzten auch viele Gäste des Hauses das Angebot, dankbar für ein wenig Abwechslung am Wochenende. Die Jazz-Trompeterin Susanne Riemer erfüllte den Raum mit ausgewählten Jazz-Standards, einfühlsamen Balladen und funkigen Stücken, zum Teil aus eigener Feder. Auch Improvisation ist eine Stärke des Trios unter voller Ausnutzung der musikalischen Volumens.

Die Freunde des traditionellen Jazz kamen im Cafe Weekend auf ihre Kosten. Die Original Willi Ashman Jazzband aus den Niederlanden hatte die gesamte Palette der Dixieland-Klassiker auf dem Blech, und sorgte mit dieser unkomplizierten Musik für dauerhaft gute Laune, auch wenn die Combo im großen Raum etwas verloren wirkte.

Einige Besucher mehr kamen am folgenden Abend, um mit der Bigband der Sparkasse Aachen zu swingen. Die knapp 20-köpfige und 1994 gegründete Truppe besitzt in der Region einen ausgezeichneten Ruf. Ihr Markenzeichen sind die scharfen Bläserphrasen und punktgenauen Einsätze. Die sauber arrangierten Klassiker des Swing hört man immer wieder gerne.

Klein, aber fein ging es in der alten Felsenkeller-Brauerei zu. Auch wenn sich an der Peripherie der Altstadt nur wenige Besucher einfanden, minderte dies nicht Spielfreude des „Spirit of Louis Armstrong Trios.” Auch in kleiner Besetzung schaffen die Musiker eine erstaunliche musikalische Dichte, und der Geist von Louis Armstrong, dem berühmtesten Jazzmusiker aller Zeiten, übertrug sich rasch auf die Besucher, insbesondere wenn Anselm Vogt als perfekter Satchmo-Imitator mit seiner Reibeisen-Stimme die Seele der Zuhörer berührt. „Schade für die Veranstaltung”, bedauerte auch Trompeter Rainer Matz, dass die Jazz-Rallye bei ihrer Premiere noch nicht so recht zünden wollte, „aber das kann ja noch kommen.”

Ihre Hörgewohnheiten umstellen mussten die Jazz-Fans im Lütticher Hof, wo an zwei Tagen der Power-Gitarrist Tony Hudspeth Herr im Hause war. Die phantastische Atmosphäre auf der beheizten Terrasse mit der beleuchteten Haller-Ruine hoch im Hintergrund und das Plätschern der Rur unter den Füßen schuf die Plattform für ein Mini-Woodstock-Erlebnis in der Stadtstraße.

Der aus England stammende Spontan-Gitarrist mit Wohnsitz in Dedenborn quält seine Gitarre bis zur Schmerzgrenze, prügelt auf die Saiten, ebenso virtuos wie verrückt, und lässt die Boxen aufheulen, wenn er zwischendurch ein Riff mit laufendem Akku-Bohrschrauber ansetzt. Die Fans waren jedenfalls aus dem Häuschen und Tony hatte alle lieb.

Im Nachklang der 1. Monschauer Jazz-Rallye wird es jetzt die Aufgabe der Initiatoren sein, das Konzept der Veranstaltung zu überarbeiten, denn unter dem Strich machen sich vier gleichzeitig laufende Veranstaltungen in einer kleinen Stadt auch gegenseitig Konkurrenz. Die Grundidee ist gut, aber noch ausbaufähig.
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