Monschauer Jahrbuch 2017 bietet spannende Geschichten und Fotos

Von: P. St.
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Eines des frühesten Farbfotos von Monschau: Die Aufnahme von Georg Güttsches ist im Jahrbuch 2017 zu finden. Sie entstand Ende der 1930er Jahre und zeigt das Gelände rund um die ehemaligen Brauereigebäude von der Düsterheck aus gesehen. Foto: Georg Güttsches
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Vertreter des Geschichtsvereins des Monschauer Landes und der Kommunen präsentierten im Kragemann-Hotel in Simmerath gemeinsam mit einigen Autoren jetzt das soeben neu erschienene Jahrbuch 2017. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Wenn die Adventszeit naht, ist auch der Heimatkalender nicht mehr fern: Ein vertrauter Termin in der Vorweihnachtszeit ist seit nunmehr 45 Jahren das Erscheinen des Jahrbuchs des Monschauer Landes, herausgegeben vom Geschichtsverein des Monschauer Landes.

Auch das Jahrbuch 2017 setzt die Tradition fort, durch Geschichten und Begebenheiten aus alter und jüngerer Zeit den im Jahr 1972 aufgelösten Altkreis Monschau „lebendig zu halten“, wie Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns jetzt bei der Präsentation des aktuellen Jahrbuchs im gemütlichen Hotel Kragemann in Simmerath hervorhob.

Auf 228 Seiten bietet der „Heimatkalender“, wie die Publikation immer noch im Volksmund heißt, ein lebensnahes Porträt des Monschauer Landes, von Natur über Kultur bis hin zu volkskundlichen und aktuellen Betrachtungen. Die Geburtsstunde des Jahrbuchs des Monschauer Landes sei das Jahr 1972, als die kommunale Neugliederung und damit die Auflösung des Landkreises Monschau erfolgte, rief Verlagsleiter Alexander Lenders vom Haus Weiss Druck Monschau, das das Jahrbuch produziert, in Erinnerung.

Der bisherige Heimatkalender des Landkreises Monschau und der „Eremit am Hohen Venn“, die Publikation des Geschichtsvereins des Monschauer Landes, bildeten ab diesem Zeitpunkt gemeinsam das Jahrbuch, das für die hiesige Bevölkerung nach wie vor ein verlässliches und ehrliches Identifikationsobjekt ist. 23 Autoren haben wieder für eine große thematische Vielfalt gesorgt, und Redakteurin Gabriele Harzheim hat die Fülle des Materials in Form gebracht.

Gleich zu Beginn stößt man im neuen Jahrbuch auf eine der frühesten Farbfotografien von Monschau. Die Aufnahme entstand Ende der 1930er Jahre und zeigt das Gelände rund um die ehemaligen Brauereigebäude von der Düsterheck aus gesehen. Diese Ansicht sei, so beschreibt es Hans-Gerd Lauscher in seinen Erläuterungen zum Bild, der „fotografischen Pionierarbeit“ von Georg Güttsches aus Monschau zu verdanken, der sich bereits wenige Jahre nach der Erfindung des Diafilms der damals neuen Technik zuwandte. Lauscher hat eine Serie von insgesamt 100 Dias gesichert, die im kommenden Jahr in einem Bildband erscheinen sollen.

Nicht minder spannend ist das Titelbild des Jahrbuchs 2017. Es zeigt eine Lithografie des aus Malmedy stammenden Künstlers Jean Nicolas Ponsart, der im Jahr 1827 die Burg Monschau und die Fabrikationsgebäude Burgau in Form eines Stadtpanoramas aus Blickrichtung Brauerei rurabwärts festhielt. Weder die ursprünglichen Burgtürme noch die Gebäude an der Burgau sind heute existent.

Neue Blicke auf fast vergessene Verkehrswege öffnet auch der Aufsatz von Bernd Läufer über historische Straßen in Lammersdorf. Da gab es die Weingaß, die wie der Name schon vermuten lässt, dem Transport von Wein diente und Teil eines Netzes mittelalterlicher Fernwege war. Genaue Nachweise wie der Wein nach Lammersdorf gelangte, fanden sich allerdings ebenso so wenig wie die Adressaten der Lieferungen aus dem Moseltal. Fest steht allerdings, dass im Mittelalter Wein als Alltagsgetränk weit verbreitet war, vor allem weil das Wasser aus Bächen und Brunnen vielfach ungenießbar war.

Autor Dieter Lenzen aus Kesternich berichtet über Raubmorde in der Eifel im 18. Jahrhundert, und Franz Wilhelm Hermanns aus Roetgen lässt in Ansichtskarten das internationale Autorennen Paris-Berlin aus dem Jahr 1901 aufleben. Auch diese Veranstaltung mit Monschau als Kontrollstation muss wahrhaft mörderisch gewesen sein, denn die Bilanz des Rennens war mit 28 Toten und 29 Schwerverletzten erschreckend hoch.

Karl H. Kirch berichtet über eine geplante Trinkwassertalsperre bei Hammer, die in den 1920er Jahren gemeinsam mit der Perlenbachtalsperre errichtet werden sollte und das Grünental hätte im Wasser versinken lassen.

Herbert Nießen greift mit der Huf- und Wagenschmiede in Rollesbroich ein dorfhistorisches Thema aus jüngerer Zeit auf, und Aktualität hat in den zurückliegenden Jahren auch der Beitrag von Manfred Huppertz aus Konzen gewonnen, der sich mit dem Kneipensterben in den Dörfern befasst.

Nicht nur für die Beteiligten interessant sein dürfte ein Beitrag von Maria Schröder aus Kesternich über die Herkunft der Familie Goffart oder auch Betrachtungen von Franz Wilhelm Hermanns und Toni Offermann über das Leben in Monschau vor dem Ersten Weltkrieg.

Abgerundet wird das Jahrbuch wieder durch weitere lesenswerte Geschichten und einen ausführlichen Pressespiegel, der als fester Bestandteil des Jahrbuchs mit den Jahren als Quellenverzeichnis immer wertvoller wird.

Bei der Vorstellung des Jahrbuches war auch der stellvertretende Städteregionsrat Hans-Josef Hilsenbeck voll des Lobes über das Werk. Er habe gute Argumente mitgenommen, damit die Städteregion auch weiterhin ihren jährlichen Zuschuss zur Herstellung des Jahrbuches bereitstelle.

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