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Monschau wird zur Geisterbahn

Von: Egl
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Auch schon seit Jahren gern ge
Auch schon seit Jahren gern gesehene Mitwirkende des Happy Halloweens in Monschau sind die „Hollywood-Monsters”, die den Besuchern mit Freude durch ihr Auftreten Angst Foto: H. Egerland

Monschau. Mildes Herbstwetter und die Möglichkeit eines „langen” Wochenendes trugen dazu bei, dass das diesjährige Monschauer „Happy Halloween” Ziel eines nie da gewesenen Besucheransturms wurde. Doch dank des außerordentlichen Engagements vieler Altstadtbewohner wurde das Fest auch dieses Mal wieder ein großer Erfolg.

Das vergangene Wochenende stand ganz im Zeichen des „Happy Halloween”, der großen Attraktion, die seit Jahren immer mehr Besucher von nah und fern in die unheimlich geschmückte Altstadt zieht.

Kinder stehen im Mittelpunkt

Das Programm versprach auch dieses Mal wieder „Geisterspaß für die ganze Familie”. Am Samstag und Sonntag gab es ein umfangreiches Bühnenprogramm auf dem Marktplatz; eine Zaubershow mit Magus Antonius, Fledermausbasteln, Kinderschminken, eine süße Stadtrallye („Trick or Treat”) und das obligatorische Kürbisschneiden zeigten deutlich, dass die Kinder auch dieses Jahr wieder im Mittelpunkt des Festes standen.

Herzstück sind aber immer wieder die schaurig-lustigen Stadtführungen, die von vier ehrenamtlichen „Geisterführern” durch die geschmückte Stadt durchgeführt werden. Im 15-Minuten-Takt starten sie vom Marktplatz und zeigen den Besuchern unheimliche Gassen und Häuserecken, in denen sich Geister, Untote, Vampire und Teufel verbergen. Bei denen handelt es sich um rund 50 Altstädter, die so richtig Spaß daran haben, ihre Gäste zu erschrecken. Für die Kinder gibt es dabei immer wieder Geschichten, die von Monschauer Humor zeugen, die Erwachsenen werden mit dem einen oder anderen Schnäpschen oder Glühwein beköstigt.

Insgesamt 25 dieser Führungen mit jeweils rund 60 Besuchern fanden am Freitag- und Samstagabend statt, so dass man von mindestens 1500 Menschen ausgehen kann, die auf diese unheimlich-komische Weise durch die mitunter engen Gassen geschleust wurden. Alle Führungen endeten im Kolpinghaus, wo der lauteste DJ Monschaus Christian Waldeck den Gästen kräftig einheizte.

Die Geisterführer Paul Siebertz, Christoph Kaulen, Peter Dick und Theo Offermann waren am Ende sichtlich erschöpft. Stundenlang hatten sie mit lauter Stimme ihre Geschichten zum Besten gegeben, waren immer wieder die vielen Treppen Monschaus mit ihren Gästen empor gestiegen. Aber auch die vielen ehrenamtlichen Geister hatten lange ausgehalten und eine abwechslungs- und ideenreiche Performance geboten.

Für den Besucher, der die Veranstaltung schon mehrere Jahre verfolgt, ist es interessant zu erleben, wie doch immer wieder neue Ideen entwickelt werden, damit kein Jahr wie das andere ist. „Wir wollen unseren Besuchern immer wieder etwas Neues bieten”, erklärt denn auch Helga Janke-Offermann, die „Geistersprecherin” und Cheforganisatorin der Schauerführungen.

Seit elf Jahren nun engagiert sie sich in dieser Sache, dabei sei sie „zu Halloween gekommen wie die Jungfrau zum Kind”. 1999 habe alles angefangen, da habe es die erste Stadtführung gegeben, allerdings ohne jegliche Effekte. Ursprünglich habe sie nur einige Ideen einbringen wollen, dann habe man ihr jedoch sehr schnell die Regie angetragen: „Mit vier Betttuchgeistern haben wir damals angefangen.” Hinter ihr, so betont sie, stehe „ein Wahnsinnsteam”. Da gebe es Kostümbastler, Maskenbildner - und natürlich Geister und Geisterführer selbst, die aus der Monschauer Altstadtkulisse eine Geisterbahn machen.

In jeder Veranstaltung steckten zwei Monate Arbeit, so Janke-Offermann, sie selbst habe sich extra Urlaub genommen: „Aber die Stunden, die man in ein solches Projekt steckt, die zählt man nicht!” Für ihr langjähriges Engagement wurde sie am Sonntag auf dem Marktplatz mit Blumen geehrt. Warum nicht nach zehn, sondern nach elf Jahren? „Für uns ist das Karneval im Dunkeln”, erläutert Barbara Frohnhoff von der Monschau Touristik, „deshalb feiern wir eben das elfte Jahr!”

Damit Halloween in Monschau auch für Erwachsene interessant ist, fand nun bereits zum zweiten Mal im Café Weekend eine Lesung „unheimlicher Geschichten - nur für Erwachsene” der Monschauer Autorin Corinna Griesbach statt. Der hohe Unterhaltungswert der Storys hatte sich seit dem letzten Jahr herumgesprochen, denn das Café platzte diesmal aus allen Nähten, so dass sich Gastronom Wolfgang Kaever gezwungen sah, weitere Gäste abzuweisen: „Für das nächste Mal muss ich anbauen!”

Die unheimlichen Geschichten, die der Flyer der Monschau Touristik versprach, entpuppten sich dabei schnell als blanker Horror, bei dem die Autorin mit blutigen Effekten nicht geizte. Geheimnisvoll versprach sie ihrem Publikum: „Umso später der Abend, desto mehr Grauen!” Nach mehr als anderthalb Stunden wurden die Freunde des Unheimlichen mit einem Schaudern in die düstere Altstadt entlassen.

Am Sonntag gab es auf dem Marktplatz bei Sonnenschein nicht nur Bauchtanz und Live-Musik, sondern auch Ehrungen und Präsente. Die „Altstadt-Geister” selbst bedankten sich bei Barbara Frohnhoff auf originelle Weise. Seit Beginn an moderiert sie die Veranstaltungen in einem Kürbiskostüm. „Wir können den alten Kürbis nicht mehr sehen”, witzelte Christoph Kaulen als Vertreter der Geister und überreichte ihr ein neues Kostüm. Auch die am originellsten geschmückten Häuser wurden prämiert.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Monschau Happy Halloween gab es dabei zwei erste Plätze: Karina Böhmer und ihr Team sowie die Familie Engert. Platz 3 belegte Familie Dick, die die fleischfressende Pflanze aus dem Musical „Der kleine Horrorladen” in ihrem Garten nachgebaut hatte, Platz 4 erlangte Rita Kals für die Dekoration ihres Gästehauses.

Denn auch das ist Happy Halloween: Zahlreiche Altstadtbewohner schmücken in stunden-, manchmal tagelanger Arbeit ihre Häuser und scheuen dabei weder Mühen noch Kosten. Ihre Zahl ist jedoch in den letzten zwei Jahren zurück gegangen. Schuld daran ist nicht zuletzt der Vandalismus einiger weniger, die durch ihre sinnlosen Zerstörungen einem Fest Schaden zufügen.
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