Monschau - Monschau lässt noch einmal Raum für Kunst

Monschau lässt noch einmal Raum für Kunst

Von: P. St.
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Spektakulär: Vor dem damalige
Spektakulär: Vor dem damaligen Festhaus Wiesenthal baute Alf Lechner seine Stahlskulptur mit dem Titel „Verformung” auf. Foto: Angelika Platen

Monschau. Rückblickend betrachtet erscheint so manches Erlebnis aus früherer Zeit in einem ganz anderen Licht. Der Mensch neigt dazu, den Blick ein wenig zu verklären und Legenden zu bilden. Ein Beispiel ersten Ranges für diese Veränderung des Blickwinkels ist die Ausstellung „Umwelt-Akzente”.

Sie fand vom 9. Mai bis 21. Juni 1970 in der Monschauer Altstadt statt. „Die Expansion der Kunst” wurde diese provozierende Aktion im öffentlichen Straßenraum genannt. Zeitgenössische Objektkunst im idyllischen Fachwerkstädtchen Monschau irritierte damals viele Bewohner, es gab heftige Diskussionen über Sinn und Unsinn von Kunst und auch Zerstörungen blieben nicht aus. Viele Monschauer werden sich noch genau daran erinnern, wie die Schockwirkung von moderner Kunst die Stadt in Aufruhr versetzte.

Dass nun, 41 Jahre später, eine Retrospektive dieser in der deutschen Kunstszene richtungsweisenden Aktion stattfindet, verspricht eine interessante Aufarbeitung der jüngeren Geschichte der Kunst in Monschau und bietet die Chance, die Diskussionen von damals wieder aufzunehmen und zu demonstrieren, dass Monschau ein Platz für zeitgenössische Kunst ist, ein Rang, den die Stadt in der Folgezeit nicht aufrecht erhalten konnte.

Die Retrospektive (sie trägt den anspruchsvollen Titel „Umwelt-Akzente II”) wird am 27. August 2011 eröffnet. Insgesamt waren damals 39 Künstlerinnen und Künstler an den inzwischen legendären „Umwelt-Akzenten” beteiligt, darunter viele Akteure, die heute zu den bekanntesten Vertretern der Gegenwartskunst zählen, darunter Daniel Buren, Günther Uecker, Lawrence Weiner, Jan Dibbets, Klaus Rinke, Timm Ullrichs, HA Schult, Michael Buthe, Keith Arnatt, Rune Mields, Erwin Reusch, Adolf Luther, Peter Brüning und Winfred Gaul.

Sie alle hatten den Anspruch, in das Stadtbild unmittelbar einzugreifen und es ästhetisch für eine bestimmte Zeit zu verändern. Die „Umwelt-Akzente”, übrigens mit einem äußerst knappen Ausstellungs-Etat bemessen, lösten 1970 ein gewaltiges Echo in der Öffentlichkeit aus.

Kurator der damaligen Ausstellung war Prof. Klaus Honnef, Kulturpreisträger der Deutschen Gesellschaft für Photographie DGPh 2011. Klaus Honnef (geboren 1939 in Tilsit) steht seit Beginn der 70er Jahre und seiner Mitarbeit an der documenta 5 und 6 für die Anerkennung der professionellen Photographie im Kontext der Bildenden Kunst. In seinem damaligen Vorwort des längst begehrten Ausstellungskataloges schrieb Honnef, dass die Umwelt-Akzente einen „überraschend starken Abwehr-Mechanismus gegen das Unbekannte, gegen das Fremde” ausgelöst hätten. „Die Botschaft der Künstler hatte ohne Zweifel einen ungeheuren Schock ausgelöst.”

Kurator am Ort war Kaspar Vallot als Vertreter des Kunstkreises Monschau, der mit Herbert Isaac und Helmut Allemand als Hauptverantwortliche der Gruppe den Sprungs ins kalte Wasser wagte.

In seinem Tagesbuch zur Ausstellung hat der Journalist Kaspar Vallot die äußerst schwierige Phase der Umsetzung festgehalten. Er berichtet von einer „gefährlich ansteigenden Empörung” der Bewohner, von vielen nächtlichen Zerstörungen der Kunstwerke, emotionalen Diskussionen, aber auch wachsender Toleranz. Sein Fazit: „Mit der Außenkunst ist es also doch nicht so einfach, wie wir uns das vorgestellt hatten. Für manchen ist die geistige Auseinandersetzung viel zu anstrengend.” Was also damals die Gemüter erregte, lebt nun in der Retrospektive „Umwelt-Akzente II” noch einmal auf, wenn am Samstag, 27. August 2011, um 15 Uhr im Aukloster Monschau die Vernissage stattfindet. Gestaltet wird die Ausstellung von Kurator Prof. Klaus Honnef. Zahlreiche Fotografien der renommierten Fotografin der Künstler, Angelika Platen, werden im Kreuzgang des Klosters die Künstler noch einmal bei ihrer Arbeit zeigen.

Zudem haben der damalige Ausstellungsleiter vor Ort, Kaspar Vallot, und die beteiligte Künstlerin Rune Mields ihre Archive geöffnet, um längst vergessene Geschichten über die Ausstellung erzählen.

Gleichsam als „Katalog im Außenraum” werden über zwei Meter große Tafeln mit Schwarz-Weiß-Bildern der damaligen Kunstwerke am Ort ihrer einstigen Verwirklichung stehen.
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