Monschau-Klassik: Nur das Wetter verhindert Beifallsstürme

Von: Dr. Josef Schreier
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Die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg: Mit ihrem charismatischen Dirigenten Jurij Gilbo ist sie den Monschauer Festspielgästen schon seit einigen Jahren vertraut. Die Darbietung war wieder einmal ohne Fehl und Tadel.

Monschau. Der zweite Freitagabend der Monschau-Klassik war wohl ursprünglich etwas anders geplant gewesen. Nachdem das Vorgesehene sich als nicht durchführbar erwies, erinnerte man sich an zwei etwas „ungerade“ Komponisten-Geburtstage, um dann doch – fast spontan – ein attraktives Programm für diesen Abend auf die Beine zu stellen.

Peter Tschaikowsky zum 175. und Carl Orff zum 120.: das waren die Festanlässe. Und es waren zwei Komponisten, die bisher nicht oder kaum zur Monschauer Burg vorgedrungen waren. Ob die beiden ihrerseits überhaupt zusammenpassten – auch das konnte sich der interessierte Festspielbesucher fragen. Aber es klappte durchaus, obschon die Vorberichte das Violinkonzert von Tschaikowsky etwas verschämt in den Hintergrund rückten. Vielleicht nahmen die Organisatoren an, dass Carl Orffs „Carmina Burana“ doch besser mit dem Festspielkonzept harmonieren würden, obwohl freilich auch dieses Werk keineswegs eine „Oper“ ist, wie gelegentlich zu lesen war.

Mitreißende Tonsprache

Es handelt sich dabei eher um eine Art Kantate, in der Orff mittelalterliche Lieder und Gedichte vertont, die im 19. Jahrhundert im Kloster Benediktbeuren gefunden wurden. Der damalige Finder und Herausgeber prägte dann auch den heute bekannten Namen, der auf deutsch so viel heißt wie: Beurener Lieder. Carl Orff stieß in den 1930er Jahren auf diese Texte und suchte für sein Werk die sprechendsten Stücke aus. Die Texte sind meistens auf Latein; es gibt aber auch mittelhochdeutsche und mittelfranzösische Passagen darunter. Es handelt sich um Lieder, die alle Spielarten des alltäglichen Lebens von damals (und heute) widerspiegeln. Orff greift einige Frühlings- und Liebeslieder heraus und vermittelt dem Zuhörer auch einen Eindruck davon, wie es in einer mittelalterlichen Kneipe zuging. Dies alles in einer zupackenden und mitreißenden Tonsprache, die auch das Publikum auf der Monschauer Burg fesselte und begeisterte.

Aber gerade als die fast ganz gefüllten Ränge in Beifallsstürme ausbrechen wollten, die denen eines Popkonzerts wohl nicht nachgestanden hätten, drohte vom Wetter her Ungemach mit Gewitter und Regen, so dass die Veranstalter dazu auffordern mussten, den Burghof umgehend zu verlassen.

Dabei hatte man doch zu Beginn des Abends den Eindruck, dass endlich einmal auch der Himmel ein Einsehen mit den Monschauer Festspielen hätte und einen warmen, trockenen Abend bescheren würde.

Dieser kam dann jedenfalls dem ersten Teil des Konzerts zugute, dem Violinkonzert von Peter Tschaikowsky. Dieses heute überaus beliebte und eingängige Werk rief nach seiner Uraufführung in Wien 1881 durchaus ungnädige Kritiken hervor, die vor allem den impulsiven und temperamentvollen Schlusssatz mit dem Tumult und den Gerüchen einer russischen Kneipe assoziierten.

Davon ist eine heutige Rezeption sicher weit entfernt. Man kann aber immerhin doch die Lebensfreude und den „Drive“ dieser Musik mit der ähnlich gelagerten von Orff in Verbindung setzen, zumal auch Orff durch die Einflüsse Igor Strawinskys mit russischer Musik durchaus in Verbindung stand.

Es ist nun aber an der Zeit, die musikalische Ausführung am Freitagabend zu würdigen. Das beteiligte Orchester war die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg, die unter ihrem charismatischen Dirigenten Jurij Gilbo den Monschauer Festspielgästen schon seit einigen Jahren vertraut ist. Die Darbietung war – selbst unter den akustischen Einschränkungen eines Open-Air-Konzerts mit elektronischer Verstärkung – wieder einmal ohne Fehl und Tadel. Vielleicht hatte der Sologeiger beim Tschaikowsky-Konzert, Vadim Tsibulewski, am meisten mit den technischen Umständen zu kämpfen. Aber er brachte dennoch die Vitalität und Virtuosität von Tschaikowskys Werk wunderbar zum Ausdruck.

Bei den „Carmina Burana“ wirkte neben dem Orchester, dem ein verstärktes Schlagwerk zugesellt wurde, der MLW-Festival-Chor aus Westfalen mit besonderer Einfühlsamkeit mit. Herausragend waren die drei Vokalsolisten, Lucie Silkenova (Sopran), Nikolaj Vishnjakov (Tenor), Damir Basyrov (Bariton), die den Abend auf der Monschauer Burg zu einem eindrucksvollen Erlebnis werden ließen.

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