Monschau-Klassik: Frivole Dialoge und ein witziges Spiel

Von: ale
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Die lustigen Weiber: Esther Hilsberg (links) und Julis Nikolajzyk sangen sich gleich in die Herzen des Publikums. Foto: A. Lauscher

Monschau. „Die lustigen Weiber von Windsor“ zogen leider nicht die Massen an bei der Monschau-Klassik. Am Samstagabend blieben viele Reihen leer, doch die Gäste äußerten sich begeistert von der Inszenierung, der Musik und den starken Stimmen.

Auch als Hommage an William Shakespeare zu seinem 450. Geburtstag war die Oper ausgewählt worden; dieser hatte Ende des 16. Jahrhunderts mit seiner Komödie „The Merry Wives of Windsor“ die Grundlage für die Oper von Otto Nicolai geliefert. Offensichtlich ist der Stoff – ein von sich selbst zu sehr überzeugter Verführer schwindelt gleich zwei Frauen seine Liebe vor – zeitlos und gibt Intuition für fantasievolle Musik, frivole Dialoge und ein witziges Spiel.

Das war auch in der Aufführung auf der Monschauer Burg zu spüren: Gute Sänger, die außerdem komödiantisches Talent bewiesen, entführten die Zuschauer trotz spärlich ausstaffierter Bühne in das muntere Komplott der Weiber von Windsor. Gleich in die Herzen des Publikums sangen sich Esther Hilsberg als Frau Fluth und Julia Nikolajczyk als Frau Reich. Schon bei ihrem ersten Duett erfuhren die Zuhörer, dass sie sich über Sir John Falstaff lustig machen, der sich für einen unwiderstehlichen Verführer hält und ihnen beiden den gleichen Liebesbrief geschrieben hat. Sie beschließen, ihm eine Lektion zu erteilen, und fortan hat der dicke und trinkfreudige Falstaff unter ihren schadenfrohen Aktionen zu leiden. Immer wieder gab es Applaus für Esther Hilsbergs klaren Sopran und das temperamentvolle Spiel der Frauen.

Auch eine echte Liebesgeschichte spielte sich bei den lustigen Weibern ab: Anna, die Tochter des Ehepaares Reich (Sarah Cossaboon), ist in den mittellosen Fenton verliebt. Für die Szenen der beiden Liebenden hat Otto Nicolai tief romantische, ja liebliche, Weisen komponiert; der Vortrag der Beiden ging zu Herzen und wurde mit viel Beifall belohnt. Leider empfanden viele Zuhörer hier das Orchester zuweilen als zu stark, man konnte den Tenor des Lemuel Cuento kaum hören.

Falstaffs Rolle war mit Christian Kaltenhäußer trefflich und originell besetzt. Zu Beginn des zweiten Aktes legte er mit Bravour die Arie des Trunkenboldes „Als Büblein klein an der Mutterbrust“ hin, sein witziges Spiel amüsierte die Zuschauer.

In der Pause hörte man zahlreiche positive Kommentare der Gäste, beispielsweise von einer Opernfreundin aus Essen: „Eine sehr lebendige Aufführung. Wir genießen den Abend und verstehen nicht, warum nicht mehr Menschen hergekommen sind.“

Warum Nicolai seine Oper „komisch-phantastisch“ nannte, das wurde im dritten Akt deutlich, als die beiden Ehepaare Fluth und Reich dem liebestollen Falstaff eine Falle stellten. In einem Wald voller Geister und Elfen soll er als Betrüger und peinlicher Frauenheld bloßgestellt werden. Anna und ihr Fenton haben sich heimlich das Jawort gegeben, ein besonders einfühlsames Spiel des Orchesters mit zarten Harfenklängen begleitete ihren Auftritt. In einem gewaltigen, fröhlichen Finale wurde Versöhnung aller Parteien gefeiert.

Der Schlussapplaus auf der Burg hörte sich so an, als seien die Ränge voll besetzt. Die strahlenden Akteure und die Orchesterleiterin Inga Hilsberg durften lang anhaltenden, starken Beifall des dankbaren Publikums genießen.

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