Monschau hat seine „Verformung” wieder

Von: Peter Stollenwerk
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Ein besonderer Moment
Ein besonderer Moment für Monschau und auch für Kaspat Vallot, vor 41 Jahren Ausstellungsleiter der „Umwelt-Akzente”. Gestern kehrte die Alf Lechner-Plastik wieder zurück. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. „Damals war sie ein bisschen dunkler, glaube ich, aber sonst ist alles wie vor 41 Jahren”, wurde auch Kaspar Vallot von einer Mischung aus Ergriffenheit und Nostalgie berührt, als Mittwochmorgen die „Verformung” wieder nach Monschau zurückkehrte.

Die mächtige Skulptur des renommierten Stahlbildhauers Prof. Alf Lechner wurde sanft vom Arm eines Krans auf das Kopfsteinpflaster im „Paterehöffje” gesetzt. Hier soll die knapp 40 Zentner schwere Plastik fürs erste stehen bleiben. Über den endgültigen Platz für die Dauerleighabe ist noch nicht entschieden worden; im Gespräch ist die Grünfläche vor dem Parkhaus Seidenfabrik.

Retrospektive ab 27. August

Wichtig ist aber zunächst einmal, dass das seinerzeit umstrittene Kunstwerk heimgekehrt ist an seinen Entstehungs- und Ursprungsort. Die aus vier geknickten Vierkant-Stahlelementen bestehende Plastik, wovon ein Träger aufgrund einer „Verformung” steiler in den Himmel ragt, dürfte schon jetzt das Highlight der Ausstellung Umwelt-Akzente II in Monschau sein, die ab Samstag, 27. August (bis 30. September) zu sehen sein wird.

Diese Ausstellung ist als Retrospektive der Ausstellung „Umwelt-Akzente - Die Expansion der Kunst” angelegt, die vom 9. Mai bis 21. Juni 1970 in Monschau für Furore und heftige Kontroversen in der Bevölkerung sorgte, gleichzeitig aber die bisher bedeutendste Phase für Monschau als Ort für zeitgenössische Kunst im Außenraum einleitete (ein Jahr später folgte bekanntlich das Christo-Projekt).

Ein Hauch aus dieser bewegten Zeit kehrte am Mittwoch nach Monschau zurück, als der Lastwagen aus Bayern nach 600 Kilometer langer Fahrt mit dem festgezurrten Kunstwerk auf der Ladefläche in Monschau vorfuhr. Mitarbeiter der Bauunternehmung Derichs und Konertz halfen beim Abladen.

Fahrer Martin Neumeyer von der Spedition Stössl hatte am Abend zuvor die Plastik in Obereichstätt nahe Ingolstadt aufgeladen. Hier in einem riesigen Steinbruch befindet sich das Außen-Atelier des heute 86-jährigen Prof. Alf Lechner, der auch bei der Vernissage in gut einer Woche anwesend sein wird. Wie bedeutsam ihm diese Teilnahme ist, lässt auch daran ermessen, dass Lechner seit drei Jahren sein Atelier nicht mehr verlassen hat.

Es war ganz im Sinne des Künstlers, der heute zu den bedeutendsten Stahlbildhauern in Europa gehört, dass eine Skulptur wieder nach Monschau zurückkehrt. Bisher stand die „Verformung”, die bei den Umwelt-Akzenten so bezeichnet wurde, aber im Werkzeichnis ohne Titel geführt wird, in Freiburg als Leihgabe.

Lechner war von der Monschauer Idee der Retrospektive und der Idee, das Kunstwerk zu verlagern, gleich begeistert. Selbst ein Angebot der Stadt Freiburg, die die Skulptur für eine Million Euro erwerben wollte, schlug der Künstler aus. „Die Rückkehr nach Monschau war für Professor Lechner eine Herzensangelegenheit”, weiß Helmut Lanio von der Monschau-Festival GmbH als Mitiniatior der Retrospektive. Die besondere Beziehung zu Monschu hänge auch damit zusammen, dass mit den Umwelt-Akzenten für viele damals beteiligten Künstler (insgesamt waren 39 an der Zahl) die kreative Schaffensperiode begonnen habe. So wird die Ausstellung in Monschau auch eine Art „Klassentreffen”. Unter anderem haben die damals beteiligten Akteure HA Schult, Rune Mields und Prof. Timm Ulrichs ihre Teilnahme zugesagt.

Noch am Vormittag rief Professor Lechner an, um nachzufragen, ob die Skulptur ihren neuen Platz in Monschau eingenommen habe.

Frisch gesandstrahlt und frisch gestrichen steht die „Verformung” nun als wieder in der Stadt, direkt unter dem Wohnungsfenster von Kaspar Vallot, dem damaligen Ausstellungsleiter der Umwelt-Akzente und Motor des Kunstkreises Monschau.

„Ein überwältigender Moment, das ist ein Ereignis”, meinte Vallot, der sich noch detailgenau an die überwiegend ablehnende Haltung in der Bevölkerung erinnert. Immerhin habe man damals eingeräumt, dass Lechner sehr wohl in der Lage sei, tüchtig zu arbeiten, als er die Stahlskulptur gemeinsam mit Schmiedemeister Josef Hermanns tagelang herrichtete. Es war in der damaligen Ausstellung das größte Objekt, das einzige Kunstwerk, dass verkauft wurde und nicht zuletzt das einzige, das heute noch existiert, dann viele Aktionen bei den Umwelt-Akzenten waren für den Moment bestimmt.

Im Wesentlichen hinterließ die zeitgenössische Kunst im Straßenraum damals Ratlosigkeit und Irritation in der Bevölkerung. Man darf gespannt darauf sein, wie die Monschauer vier Jahrzehnte später reagieren.
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