Monschau-Festival startet „wie ein Donnerhall“

Von: Peter Stollenwerk
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Begeisterung auf der Mauertribüne: Das Publikum erwies sich als textsicher bei den großen Hits der Manfred Mann‘s Earth Band. Foto: P. Stollenwerk
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Ein freundlicher und bescheidener Weltstar: Stargeiger Daniel Hope signierte gerne auf der Burg seine CDs.
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Manfred Mann ist kein Star zum Anfassen: Das Umhänge-Keyboard gehört zu seinem Markenzeichen. Foto: P. Stollenwerk
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Ein kulturelles Highlight gab es auch am Sonntag im voll besetzten Au-kloster, als Florian Koltun (Klavier) und Aachens Ex-Generalmusikdirektor Kazem Abdullah (Klarinette) ein kurzes Konzert gaben. Foto: H. Schepp
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Der Schirmherr des Monschau-Festival 2017, Tom Buhrow, trug sich im Kreise der Festival-Verantwortlichen und Ehrengäste im altehrwürdigen Haus Troistorff ins goldene Buch der Stadt Monschau ein.

Monschau. Ein mitreißendes und emotionales musikalisches Wochenende mit Rock, Klassik und Chanson erlebten zum Auftakt des 18. Monschau-Festivals über 3000 Besucher auf der Burg Monschau. Gleich drei Weltstars gaben der Rurstadt die Ehre, die über den Dächern der historischen Altstadt ihre musikalische Visitenkarte abgaben.

Am Sonntagabend setzte die charismatische französische Sängerin Patricia Kaas den Schlusspunkt unter ein qualitativ hochwertiges Festival-Wochenende. Tags zuvor hatte der britische Stargeiger Daniel Hope mit einer außergewöhnlichen Interpretation der „Vier Jahreszeiten“ das Publikum restlos begeistert, und für einen fulminanten und rockigen Auftakt hatte am Freitagabend die legendäre Manfred Mann‘s Earth Band gesorgt.

Als wäre es der kulturellen Highlights noch nicht genug, gab der ehemalige Generalmusikdirektor des Aachener Sinfonieorchesters, Kazem Abdullah, am Sonntagnachmittag im überfüllten Aukloster Monschau im Rahmen der Ausstellung „Tuche“ noch eine kleine musikalische Zugabe im Rahmen seines Besuchs der Monschauer Festspiele.

Die Monschauer Altstadt war erfüllt und belebt vom Glanz des Festivals, auch wenn das eher zurückhaltende Sommerwetter die von großer Musik geprägten drei Tage in den Gassen und Cafés nur bedingt widerspiegelte. Dennoch war der Besuch der Burgbühne für viele Gäste mit einem einstimmenden Bummel durch die Gassen der einstigen Tuchmacherstadt verbunden.

Die wehenden Fahnen an den Fachwerkfassaden stellen den Bezug zur Spielstätte hoch oben auf der Burg dar. Hier hat das Festival seinen Platz. 40 Tonnen Stahl mussten durch die Burgtore die steilen Pflasterpfade hinaufgeschafft werden, und die in diesem Jahr veränderte Lichtführung auf der Bühne stellte eine zusätzliche statische Herausforderung dar.

Das Monschau-Festival hat bereits seit Jahren seinen Charakter geändert. Oper und Operette spielen nur noch eine Nebenrolle bei der „Klassik“, dafür wird jetzt die ganze Bandbreite des Publikumsgeschmacks bedient. Diese konzeptionelle Richtungsänderung war notwendig und kommt an, denn seither zieht es neue Zielgruppen nach Monschau.

Mit Spannung erwarteten die Fans den Auftritt von Manfred Mann, der, wie immer ganz in Schwarz gekleidet, ohne viel Aufhebens die Bühne betrat. Im Vorprogramm hatte die Band Knock on Wood aus Bad Münstereifel mit knackigen Evergreens und gepflegtem Akkustik-Rock das Publikum bestens eingestimmt.

Mit 20-minütiger Verspätung ließ sich die Earth Band auf der Bühne blicken, und artig begrüßte Sänger Robert Hart sein Publikum mit einer Kostprobe seiner für Konzertansagen vorgestanzten Deutschkenntnisse: „Vielen Dank für die Möglichkeit, hier zu spielen. Dankeschön, mein Schatz!“, sagte er, um ein langgezogenes „Moonschauu“ folgen zu lassen.

Auch von nervigen Regenschauern ließen die Zuschauer sich dann in ihrer Begeisterung nicht einschränken und bewegten sich rhythmisch in vom Veranstalter verteilten Plastikponchos. Gleich im ersten Song schob sich Manfred Mann, inzwischen fast 77 Jahre alt, mit seinem legendären Umhänge-Keyboard nach vorne; ansonsten hielt er sich lieber versteckt mit seinem tief in die Stirn gezogenen schwarzen Hut im Hintergrund, um seine beachtliche Sammlung an Tasteninstrumenten zu bedienen.

Überhaupt ist der Kontakt zum Publikum nicht unbedingt die Stärke des Bandgründers, der sich bei seinen Auftritten eher am Titel des Heinrich Böll-Romans „Und sagte kein einziges Wort“ orientiert, sieht man einmal vom abschließenden „Auf Wiedersehen!“ nach dem Zugabenteil ab.

Breite Soundteppiche mit Tendenz zur Zähflüssigkeit bestimmten die ersten Nummern, die wohl nur bei den eingefleischten Fans einen Wiedererkennungswert haben dürften. Erst richtig in Fahrt kam das Konzert als die Band ihre Cover-Versionen auspackte, die sie auch bekanntgemacht haben. Bei den Live-Auftritten aber darf man keine punktgenaue Kopie des Originals erwarten; die Band reichert die Titel mit improvisierten Passagen an (bis hin zu einem kurzen Zitat der Deutschland-Hymne), und gerne führte das Orgel-Intro des Meisters die Fans auch schon mal auf die falsche Fährte.

Dem großartigen Glamour-Rock-Titel „Get it on“ von T. Rex fehlten zwar in der Manfred-Man-Version Esprit und Originalität, aber spätestens beim Bruce-Springsteen-Cover „Blinded by the Light“ riss es das Publikum erstmals von den Sitzen. Der Mitsing-Faktor steigerte sich dann zusehends und erreichte bei einer solistisch stark dargebotenen Langfassung von „Davys on the Road again“ seinen Höhepunkt. Der etwas skurril gestaltete Zugabenteil, geprägt von Hochgeschwindigkeitseinlagen des Gitarristen Mick Rogers, endete dann als gemeinsamer Chor auf der Burg.

Mit „Mighty Quinn“ setzte Manfred Manns Earth Band einen packenden Schlusspunkt, und der Refrain begleitete die Gäste beim Abgang von der Burg als Ohrwurm noch bis zur Nachtruhe.

Prominente Unterstützung

Für ein Festival mit Rang und Namen bedarf es auch eines eben solchem Schirmherrn. Für prominente Unterstützung in dieser Funktion sorgt in diesem Jahr WDR-Intendant Tom Buhrow, der am Samstag die Festspielstadt besuchte und sich im goldenen Buch der Stadt Monschau verewigte. Anlässlich eines Empfangs im altehrwürdigen Haus Troistorff wurde der 58-jährige ehemalige „Mr. Tagesthemen“ aus dem rheinischen Troisdorf mit seiner Lebensgefährtin Daniela Boff von Bürgermeisterin Margareta Ritter erwartet.

Galant überspielte der Intendant sein verzögertes Eintreffen („Es ist eine Ehre und Freude hier zu sein“) und erzählte eloquent und freudestrahlend die Geschichte, wie er zum Schirmherrn des Monschau Festivals wurde. Es war beim Karneval in Köln, als Margareta Ritter die Gelegenheit ergriff und Tom Buhrow einlud, doch einmal nach Monschau zu kommen.

Dieser wusste im ersten Moment gar nicht, wer ihn da ansprach, „aber diesem Charme konnte ich nicht widerstehen“, verriet Buhrow, der mitten in der Altstadt ein Hotel bezog und am Sonntag nach einer Vennwanderung bleibende Erinnerungen aus dem Monschauer Land mitnehmen sollte.

„Internationale Bedeutung“

Das Monschau Festival indes ist bei ihm schon früher angekommen, eile doch der Ruf dieser Veranstaltung „wie ein Donnerhall“ durch NRW, komplimentierte sich der Schirmherr in die Herzen der Monschauer Festivalmacher.

Später auf der Burg, vor Beginn des Konzertabends, hob Buhrow einmal mehr die „internationale Bedeutung“ des Festivals hervor, das sich „leise, authentisch, aber nicht minder effizient, wie es eben für die Region Eifel typisch ist, Gehör verschafft hat“. Den Gedanken, dass das Festival „etwas ganz Besonders ist, hatte zuvor auch Bürgermeisterin Margareta Ritter aufgegriffen. Dessen Ausstrahlung und Qualität sei das Ergebnis einer „großen Gemeinschaftsleistung“.

Dann gehörte die Bühne Daniel Hope und dem Orchester „l‘arte del mondo“. Der virtuose Stargeiger riss die Zuschauer bei aufkommender Abendkühle zu Begeisterungsstürmen hin, und wo wären die dargebotenen „Vier Jahreszeiten“ eigentlich besser angesiedelt als beim Monschau-Festival auf den Eifelhöhen?

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