Mondscheinkino auf dem Monschauer Markt

Von: mon
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Von ihrer mexikanischen Mutter in die Geheimnisse der Schokoladenzubereitung eingeweiht, verzaubert Juliette Binoche im Film „Chocolat“ die Einwohner eines französischen Städtchens. So auch das Publikum am vergangenen Dienstagabend auf dem Monschauer Marktplatz. Foto: V. Monterey

Monschau. „Ein Film, der ausgesprochen gut in diese wahnsinnig romantische Kulisse passt“, so Anna Fantl, unter anderem zuständig für die Nachwuchsförderung der Film- und Medienstiftung NRW während ihrer Begrüßungsansprache vor Beginn der romantischen Filmkomödie „Chocolat“ am Dienstagabend auf dem Monschauer Marktplatz.

Mit Decken und Campingstühlen

Schon lange vor Beginn der Veranstaltung der Film und Medien Stiftung NRW, die im Rahmen der Filmschauplätze NRW zum zweiten Mal auf dem Monschauer Marktplatz zu Gast war, sicherten sich fast 300 Filmliebhaber aus Monschau und Umgebung, Einheimische und Touristen einen guten Platz vor der großen Leinwand oder an den Tischen der ansässigen Gastronomie. Nicht wenige brachten ihre eigenen Campingstühle, Decken und einen reich gefüllten Picknickkorb mit, um das Filmschauspiel, „umsonst und draußen“, bis zur letzten Minute auszukosten.

Zum 16. Mal zeigt die Filmstiftung zur Zeit 16 ausgewählte Filme, mit jeweils einem Kurzfilm der Kunsthochschule für Medien in Köln an 16 verschiedenen Orten in Nordrhein-Westfalen, drei davon in unserer Region, nämlich in Monschau, am Rursee und in Eupen. Der interessante Kurzfilm „Allein der Gedanke“, ein Diplomfilm von Alexander Kluth, „der vielleicht nicht eins zu eins nach Monschau passt“, so Fantl, gab aber einen interessanten Einblick in die Arbeit der Kunsthochschule wieder, ließ ganz „andere Sehgewohnheiten entstehen“.

35mm-Film auf dem Sterbebett

Die Förderbereiche der Filmstiftung sind unter anderem Produktionen von Kurz- und Langfilmen, Erstlingswerken nach dem Studium, Produktionsvorbereitungen sowie Abschlussfilme. Finanziert wird der Kinoabend zur Hälfte von den Haushaltsmitteln der Filmstiftung, zur Hälfte von der Stadt, insgesamt 3000 Euro pro Abend.

„Eine schöne Veranstaltung, mitten im Herzen von Monschau“, resümierte Bürgermeisterin Margareta Ritter, auf deren Bemühung die „Filmschauplätze“ nach Monschau gekommen sind. „Wir können uns einen Filmsommer auf dem Marktplatz vorstellen“.

Nach der Kostprobe aus dem Nachwuchsbereich startete der Streifen aus dem Jahr 2000. Schauplatz: ein verschlafenes Städtchen in Frankreich mit Fachwerkhäusern und engen Gassen und Einheimischen, die man erst einmal kennenlernen muss. So auch Vivian (J. Binoche), die sich eines Tages, vom Wind getrieben, mit ihrer kleinen Tochter Anouk dort niederlässt und eine Chocolaterie eröffnet – und das mitten in der christlichen Fastenzeit. Die süßen Verlockungen ziehen nach und nach selbst die griesgrämigsten und misstrauischsten Bewohner an – bis auf den einflussreichen bigotten Bürgermeister, der mit harter Hand den Ort regiert.

Mit allen Mitteln versucht er, die hübsche, alleinstehende Frau, die sich mit Herzlichkeit, Hilfsbereitschaft und Menschenkenntnis die Sympathie der Einwohner einträgt, mit aller Gewalt aus dem Ort zu vergraulen. Das Geschehen nimmt seinen Lauf als der Zigeuner Roux (J. Depp) mit seiner Truppe unten am Fluss sein Lager aufschlägt...

Der Film ist gerade hier gut aufgehoben“, meinte Fantl, er passe „genau richtig“ in das Ambiente. Und auch das Publikum sei anders, „bodenständig mit kulturellem Anspruch, geprägt von dem Kleinod, von dem Drumherum“. Allerdings wäre es wohl das letzte Jahr, dass ein 35mm-Film gezeigt würde. „Ich befürchte diese Art Film stirbt bald aus“, bestätigte Filmtechniker Eero Sossinka, der sich um die gesamte Filmtechnik, Auf- und Abbau, Leinwand und Vorführung kümmerte und seit 20 Jahren im Kino tätig ist, seit zwei Jahren beim „Mondscheinkino“ dabei. Bald würde es nur noch digitale Filme geben, Standard werde dann das DCP-Format sein.

Die Umstellung zum Digitalfilm setzt einen Projektor und Server voraus „der schnell um die 80.000 Euro kostet“. Wer noch mal einen Blick auf den guten alten 35mm-Film werfen wollte, durfte einen Blick in den Vorführwagen werfen und die riesigen Filmrollen bestaunen. „Wenn der reißt, lege ich eine Pause ein und klebe ihn wieder“. Das wird es bald nicht mehr geben.

Sehr passend zum diesjährigen Film gibt ist eine Chocolaterie in Monschau, das Schokoladen Café „Hüftgold“ von Cordelia Walentowski, die im Rahmen der Filmschauplätze am Dienstag bis zur anbrechenden Dunkelheit auch vor ihrem Geschäft in der Stadtstraße, neben dem Gerberplatz ihre auserlesenen Leckereien anbot: Schokolade zum Essen, Trinken, Rühren, Schlecken und Naschen, als Kuchen, flüssig auf Waffeln, als Obstfondue mit flüssiger Schokolade, als Trüffel im Kaffee, ausschließlich mit handgeröstetem Kaffee aus der Kaffeerösterei Maassen gegenüber oder verfeinert mit originalem Ursenf aus der Monschauer Senfmühle. „Es war rappelvoll den ganzen Tag, drinnen und draußen kein freier Platz“, freute sich Walentowski. „Ich bin immer schon auf den Film angesprochen worden“, aber die Idee stamme nicht daher. „Ich wollte in Monschau etwas anderes machen“, und das hätte es noch nicht gegeben.

Auch Gastronomie zufrieden

Insgesamt waren die Gastronomen als auch die Besucher begeistert von dem Filmmärchen für Erwachsene und dem schönen Ambiente rundherum. „Das ist eine gute Idee“, so Wilma Rosendorf und Anja Rosmaren, Feriengäste aus Holland. Und so etwas hätte man „nicht überall“, bestätigte auch Helga Stojkovic, Chefin der „Stadtkrone“, Restaurant-Café am Marktplatz. „Und es bringt viele Kunden.“

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