Mon-Kennzeichen nur für Nostalgiker?

Von: P. St.
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Nordeifel. Die Erinnerung der Menschen an den Altkreis Monschau verblasst langsam. 40 Jahre ist es her, dass mit der zum 1. Januar 1972 wirksam werdenden Gebietsreform das Ende des Landkreises Monschau und der Beginn des Kreises Aachen eingeläutet wurde.

Der damit einhergehende Verlust an Identität wirkt bei vielen Menschen immer noch nach, so auch beim Kalterherberger Heimatforscher Berthold Thoma, der sich zu Beginn des Jahres 2011 an die Spitze einer Bewegung zur Wiedereinführung des früheren Kfz-Kennzeichens mit den drei Buchstaben „MON” setzte.

Thoma möchte sich nicht damit abfinden, dass das beliebte Kennzeichen seinerzeit einfach aus dem Verkehr gezogen wurde, doch seine bisherigen Bemühungen, das MON-Kennzeichen als „Beitrag zur Schaffung eines Gemeinschaftsgefühls für den Südkreis” wieder populär zu machen, sind bislang noch nicht von Erfolg gekrönt worden.

Fraktionen nicht interessiert

Enttäuscht zeigt er sich jetzt, dass eine entsprechende Anfrage an die Stadt Monschau ohne Resonanz blieb. Bürgermeisterin Margareta Ritter ließ wissen, dass man sich in Monschau aufgrund einer interfraktionellen Absprache mit diesem Thema nicht weiter befassen wolle.

„Die Wiedereinführung des Mon-Kennzeichens wäre eine Rückentwicklung”, sieht Margareta Ritter die Zukunft der Region in gebietsübergreifenden Strukturen. Bei dieser Initiative gehe es vor allem um Nostalgie, „aber wer sollte sich denn heute unter einem MON-Kennzeichen noch wohlfühlen?”, zweifelt sie daran, dass noch ein breites Bewusstsein für den Altkreis Monschau existiert. Darüber hinaus sehe sich die Stadt in dieser Frage als Dienstleister für den Bürger, und in einer Wiedereinführung des alten Kennzeichens sei kein Vorteil erkennbar.

Trotz dieser ablehnenden Haltung möchte Berthold Thoma nicht aufgeben und auch auch noch die Meinungslage in Simmerath und Roetgen erkunden.

In einer anderen Eifelkommune ist die Vorstoß bereits gescheitert. In Schleiden wurde der Antrag zur Wiedereinführung des alten Kennzeichens (SLE) im Frühjahr einstimmig vom Stadtrat abgelehnt.

Bestärkt in seinem Vorstoß fühlt sich Thoma vor allem durch die „Heilbronner Initiative Kennzeichen-Liberalisierung”, die von Professor Dr. Ralf Bochert von der Hochschule Heilbronn vorangetrieben wird. Der 50-jährige Volkswirtschaftler und Tourismusexperte sieht in der Wiedereinführung alter Kfz-Kennzeichen eindeutig einen Mehrwert für die Regionen.

Gerade ein Kennzeichen wie „MON” sei als Marketingsymbol interessant, „auch wegen seiner positiven Assoziationen”, sagt Bochert im Gespräch mit der Lokalredaktion Nordeifel. Er bearbeitet das Forschungsprojekt seit nunmehr zwei Jahren. Ihm geht es dabei weniger um die politische Bewertung als vielmehr um neue Marketingchancen für Städte und um die rechtlichen Rahmenbedingungen.

Seit Anfang 2010 sind in 144 deutschen Städten 30.000 Bürger befragt worden. Laut Bochert seien über 300 deutsche Städte „grundsätzlich an dem Thema interessiert” und 160 Städte hätten sich „nachweislich für die Wiedereinführung” des alten Kennzeichens ausgesprochen. „Ganz viele Bürger möchte die alten Kennzeichen zurück haben. Das ist eine große Chance, die außerdem nichts kostet und keine Verlierer kennt”, wirbt Prof. Bochert für die Heilbronner Initiative.

In Nordrhein-Westfalen wurden die Befragungen in den Städten Arnsberg, Altena, Bad Berleburg, Beckum, Bocholt, Brilon, Büren, Castrop-Rauxel, Dinslaken, Erkelenz, Geldern, Gladbeck, Lippstadt, Lüding hausen, Lünen, Moers und Witten vorgenommen. Die Zustimmungsquote fiel recht hoch aus: 75 Prozent der Befragten sprachen sich für die Wiedereinführung des Alt-Kennzeichens aus, 12 Prozent stimmten dagegen, 13 Prozent hatten zu diesem Thema keine Meinung.

Auch auf der politischen Ebener sieht Bochert positive Signale. Zuletzt habe die Verkehrsministerkonferenz am 6. Oktober 2011 eine Lockerung der Fahrzeugzulassungsverordnung in Aussicht gestellt. Konkrete Zusagen für unterschiedliche Kennzeichen innerhalb eines Landkreises habe das Land Mecklenburg-Vorpommern bereits in fünf Fällen gegeben. „Die eindeutigen Ergebnisse zeigen, wie wichtig den Menschen die die Identifikation mittels Kfz-Kennzeichen ist.”

Noch 88 MON-Kennzeichen sind zugelassen

Mit Beginn der kommunalen Neugliederung zum 1. Januar 1972 endete auch der Fortbestand des MON-Kennzeichens.

Heute sind noch 88 Fahrzeuge (darunter viele Traktoren und Anhänger) mit einem MON-Kennzeichen beim Straßenverkehrsamt zugelassen.

Bund und Länder haben sich im gemeinsamen Fachausschuss Ende Oktober 2011 darauf geeinigt, dass die Länder dem Bund bis 1. April 2012 diejenigen Kennzeichen melden müssen, die wieder eingeführt werden sollen. Da nach soll die gesetzliche Änderung vorbereitet werden.

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